Die Letzte Anweisung
Beweist Srila Prabhupadas Position als einweihender
Guru der ISKCON
Von :
Krishnakant
Vorwort von Dr. Kim Knott
Professorin für Religionswissenschaft
Leeds University, Großbritannien
Ursprünglich angefordert zur Vorlage vor einem
Sonderausschuss des GBCs der ISKCON im Oktober 1996.
Bewegung zur Erneuerung der ISKCON
Die Letzte Anweisung (The Final Order)
Veröffentlicht von der Bewegung zur Erneuerung der ISKCON (IRM)
Seitengröße : 110mm x 175mm
ISBN : 81-283-0049-2
Wenn Sie weitere Informationen wünschen, schreiben Sie bitte an:
Back to Prabhupada
PO Box 1056
Bushey
GREAT BRITAIN
WD23 3XH
Schreiben Sie dem Autoren Krishnakant eine Email unter:
irm@iskconirm.com
Website:
www.iskconirm.com
(Englisch)
Deutsch:
http://www.iskconirm.com/D.htm
© 1996 Alle Rechte vorbehalten
Spiralgebunden :
1997
2000 Exemplare
Spiralgebunden :
1998
3000 Exemplare
Erste Auflage
:
Nov. 2001
2000 Exemplare
Zweite Auflage :
Jul. 2002
3000 Exemplare
Dritte Auflage
:
Sep. 2004
1000 Exemplare
Vierte Auflage
:
März 2006
2000 Exemplare
Fünfte Auflage
:
Sept. 2008
2000 Exemplare
(nur englische Versionen)
Inhalt
Vorwort von Dr. Kim Knott --------------------------------------------------
v
Vorwort---------------------------------------------------------------------------
vii
Einleitung ------------------------------------------------------------------------
xii
Die Beweise ----------------------------------------------------------------------
1
Einwände, in direktem Zusammenhang mit der Form und den
Umständen Srila Prabhupadas letzter Anweisung ----------------------
8
Das „Ernennungs-Tonband“
-----------------------------------------------
37
Sonstige zugehörige Einwände
---------------------------------------------
50
Schlussfolgerung
-------------------------------------------------------------
97
Was ist ein
ritvik
?
-------------------------------------------------------------
99
Diagramme
--------------------------------------------------------------------- 102
Relevante Zitate aus den Lehren Srila Prabhupadas
• Muss der Guru physisch anwesend sein? -------------------------------
104
• Folge der Anweisung, nicht dem Körper --------------------------------
107
• Die Bücher sind genug -----------------------------------------------------
109
• Srila Prabhupada ist unser ewiger Guru --------------------------------
111
Anhänge
Brief vom 9. Juli 1977:
An alle G.B.C.-Mitglieder, und Tempelpräsidenten
----------------------
116
Brief vom 10. Juli 1977
------------------------------------------------------
118
Brief vom 11. Juli 1977
------------------------------------------------------ 120
Brief vom 21. Juli 1977 ------------------------------------------------------- 122
Brief vom 31. Juli 1977 ------------------------------------------------------- 124
Srila Prabhupadas Testament
(4. Juni 1977)
& Testamentsnachtrag
(5. November 1977)
------------------------------------------------------------- 129
Private Unterhaltungen ------------------------------------------------------- 131
Tamal Krishnas Pyramid House Geständnisse -------------------------- 139
His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada
Gründer-
Acharya
der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein
Vorwort zu
Die Letzte Anweisung
von
Dr. Kim Knott, Senior-Dozentin für Religionswissenschaft, University of
Leeds, Großbritannien
Während ich Recherchen für eine Abhandlung durchführte, die ich kürzlich
zum Thema „Eindrücke von Eingeweihten und Außenstehenden zu Srila
Prabhupada“ verfasste, bemerkte ich, dass ich mich kurz damit befasste, den
verschiedenen Ansichten gerecht zu werden, die die Devotees hinsichtlich der
Schülernachfolge und der Rolle der Gurus nach Prabhupadas Verscheiden im
Jahr 1977 vertreten. Natürlich war mir schon zuvor die Krisenzeit nach dem Fall
einzelner Gurus bekannt und auch die Schockwellen und Traurigkeit, die die
eingeweihten Schüler, die Gottbrüder und Gottschwestern, erlebten. Wie viele
hatteichgehofft,dassdieEndeder80erJahredurchgeführten Guru-Reformen die
SchwierigkeitenderFührungundEinweihunginderISKCONbeseitigenwürden.
Nun, da ich bei der Vorbereitung der Abhandlung die Angelegenheit nochmals
betrachtete, las ich einige der Argumente für und gegen das jetzige System,
sowie die Werke anderer Gelehrter zu den Fragen des Gurus und der Nachfolge.
Es war klar ersichtlich, dass die Angelegenheit noch immer hochaktuell war.
In einer der aktuellsten wissenschaftlichen Abhandlung über „Die
Parampara
Institution“ in Band 5 des
Journal of Vaisnava Studies
erläutert Jan Brezezinski
verschiedene Aspekte der Thematik und betont, wie wichtig eine qualifizierte,
charismatische Führungsperson für die Zukunft der ISKCON ist. Seine Ansicht
ist nur eine von vielen, aber sie zeigt auf, mit welcher Macht dieses Thema
das Interesse von Menschen innerhalb und außerhalb der Bewegung erweckt.
Ende1996wurdeichgebeten,
DieLetzteAnweisung
zulesen,ummeineAnsichten
darüber darzulegen und die darin gestellten Fragen zu erörtern. Bei der Lektüre
des Buches bestand für mich kein Zweifel darin, dass dies eine Sache war, die
für die ISKCON von enormer Wichtigkeit ist und die vielen Devotees sehr am
Herzen liegt. Mir schien, dass
das Buch wichtige theologische Fragen über
spirituelle Autorität und ihre Übertragung aufwarf sowie über die Beziehung
zwischen dem Schülers und Krishnas Repräsentanten, dem Guru und den
korrekten Objekten der hingebungsvollen Verehrung. Als Außenstehende ist
es mir nahezu unmöglich, die Angelegenheit zu beurteilen (und ich bin nicht
in der Lage, die hier dargelegten Beweise gegen die Beweise für das jetzige
acharya
-System abzuwägen). Dennoch kann ich das, was hier vorgestellt
wird, als ernsthaften Versuch einer Argumentation dafür empfehlen, dass Srila
Prabhupada ein System der
ritvik
-Gurus eingeführt hat, die er dafür vorgesehen
hatte, an seiner Stelle Schüler einzuweihen. Ich hoffe, dass das Buch sorgfältig
gelesen und ausführlich diskutiert wird, nicht weil ich seine Position unterstütze
v
vi
Die Letzte Anweisung
oder ablehne, sondern weil die tiefschürfenden Fragen, die es aufwirft, auf allen
Ebenen nach Beachtung verlangen. Jeden Devotee geht diese Angelegenheit
wirklich etwas an.
Zweifellos ist es unklug für mich alsAußenseiterin, mich in die Sache verwickeln
zu lassen, indem ich ein solches Vorwort verfassen, doch meine Motive sind
nach wie vor mein Interesse an der Bewegung und Wohlwollen gegenüber all
ihren Devotees.
Kim Knott, Februar 1997
vii
Vorwort zur Fünften Auflage
Es ist nun ein Jahrzehnt her, dass 1996 die erste Auflage von
Die Letzte Anwei-
sung
gedruckt wurde. Ursprünglich beschrieb ich
Die Letzte Anweisung
als ein
„Diskussionspapier über die Anweisungen Srila Prabhupadas für Einweihun-
gen in der ISKCON“. Keiner, der die Bewegung kennt, würde abstreiten, dass
dieseAbhandlung sehr viele „Diskussionen“ ausgelöst, und somit ihr Ziel, diese
Angelegenheit ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen, erreicht hat.
Es wäre nun schwer für die Führung der ISKCON, glaubwürdig zu behaupten,
dass sie nichts von den rechtlichen Dokumenten wisse, die von Srila Prabhupada
persönlich unterzeichnet wurden und deutlich seine Absicht zeigen, der einzige
einweihende Guru (
diksa
) für die spirituelle Bewegung, die er gegründet
hat, zu bleiben. Es sind diese rechtlichen Dokumente, die das Kernstück der
Abhandlung
Die Letzte Anweisung
bilden, welches nun auf der ganzen Welt
Verbreitung gefunden hat und im Internet erhältlich ist. Es gibt noch immer
Länder, in deren Sprache
Die Letzte Anweisung
noch übersetzt werden muss
(mit Stand vom September 2008 waren die folgenden Übersetzungen erhältlich:
Französisch, Spanisch, Deutsch, Russisch, Chinesisch, Hindi, Bengalisch,
Kannada,Tschechisch, ltalienisch, Ungarisch und viele weitere inVorbereitung).
Zusätzlich hat die Führung der ISKCON ein Pauschalverbot über das Verteilen
des Buches in allen ISKCON-Zentren verhängt. Aus diesen Gründen hat die
breite Masse der ISKCON die Abhandlung noch immer nicht gelesen, trotz
der ausführlichen Berichterstattung in den Medien und der Kontroverse. Doch
zumindest für die ranghöchsten Mitglieder der Führung der ISKCON und die
Gurus ist die Unkenntnis von Srila Prabhupadas Anweisung zur spirituellen
Einweihung keine Entschuldigung mehr. In der Einleitung zu
Die Letzte
Anweisung
schrieben wir, wir hielten es für:
„höchst unwahrscheinlich, dass irgendjemand vorsätzlich eine direkte
Anweisung unseres Gründer-
Acaryas
missachtet oder andere dazu
veranlasst, diese zu missachten.“
In Anbetracht der Ausflüchte, der Verschleierung von Tatsachen, der brutalen
Unterdrückung und der unverblümten Unehrlichkeit des GBCs, in Bezug auf
Die Letzte Anweisung
, muss der oben genannte Punkt nun vielleicht überarbeitet
werden.
Es gibt nun eine weltweite Organisation mit dem Namen
Bewegung zur
Erneuerung der ISKCON (IRM)
, deren Grundlage
Die Letzte Anweisung
ist
und die speziell gegründet wurde, um die Schlussfolgerungen des Buches publik
zu machen. Sie hat eine Webseite mit über 100Abhandlungen (www.iskconirm.
viii
Die Letzte Anweisung
com) desselben Autoren und veröffentlicht vierteljährlich ein Magazin namens
Back to Prabhupada (Zurück zu Prabhupada)
, welches Tausende Abonnenten
weltweit kostenlos erhalten. Über die Aktivitäten der IRM wurde weltweit in
den Medien berichtet, darunter waren viele Zeitungsberichte und
Reportagen
auf BBC. Die IRM hat auch Vorträge bei bedeutenden akademischen Tagungen
gehalten, einschließlichbei der International Cultic StudiesAssociation (Interna-
tionalerVerband für Sektenforschung), CESNUR und derAmericanAcademy of
Religion(AmerikanischeReligionsakademie.DarüberhinauswurdenWerkedes
Autoren von
Die Letzte Anweisung
von verschiedenen akademischen Verlagen
undBildungsverlagen veröffentlicht,dazuzählendieColumbiaUniversity Press,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Continuum International Publish-
ing und Facts on File. Dank dieser Medien wurde die IRM in großen Teilen der
Gelehrtenwelt als reformierende Kraft innerhalb der ISKCON anerkannt. Seit
Gründung der IRM hat eine wachsende Anzahl an Devotees und Zentren der
ISKCON auf der ganzen Welt die Schlussfolgerungen des Buches
Die Letzte
Anweisung
anerkannt.
Häufig gestellte Fragen über die Bewegung zur Erneuerung der ISKCON
(IRM)
1. Was ist die IRM?
Die IRM ist eine Organisation, die sich aus ISKCON Devotees aus der ganzen
Welt zusammensetzt, die möchten, dass die Gesellschaft wieder auf den
rechten Pfad gelangt und sich strikt an die Anweisungen ihres Gründers, Srila
Prabhupada, hält.
2. Warum existiert die IRM?
Die spirituelle Reinheit und das allgemeine Ansehen der ISKCON hat sich seit
dem Verscheiden ihres Gründers am 14. November 1977 massiv verschlechtert.
Srila Prabhupada hat die ISKCON 1966 ganz allein gegründet, als großes
GeschenkandieWeltundalserging,stelltesieeinesichausbreitendedynamische
Kraft dar, ein Leuchtfeuer für die Menschheit. Traurigerweise ist sie heute im
Begriff sich aufzulösen. Eine Tatsache, die in einem Memorandum zugegeben
wurde, welches der damalige Vorsitzende des GBC, Ravindra Svarupa das, im
Mai 2000 versandte:
„Darum bleibt die Frage: Was sollen wir nun tun? Wie sollen wir mit
unserer polarisierten und zerfallenden Gesellschaft umgehen?“
ix
Vorwort
Dieser
Niedergang
kann
auf
eine Vielzahl
von Abweichungen
von
den
Anweisungen und Regeln Srila Prabhupadas zurückgeführt werden, in erster
Linie jedoch auf seine Ersetzung als einziger
diksa
-Guru der ISKCON. Ziel
der Bewegung zur Erneuerung der ISKCON ist es, der ISKCON ihre frühere
Pracht, Reinheit und philosophische Klarheit zurück zu verleihen, indem alle
Anweisungen und Regeln von Srila Prabhupada wieder eingeführt werden,
angefangen bei seiner Rolle als einzige Autorität und alleiniger
diksa
-Guru
der ISKCON. Die Position der IRM wird in den Positionspapieren
Die Letzte
Anweisung
und
No Change in ISKCON Paradigm (Keine Veränderung im
Paradigma der ISKCON)
dargelegt. Diese beiden Papiere sind ebenfalls auf
unserer Webseite erhältlich: www.iskconirm.com
3. Ist die IRM getrennt von der ISKCON?
Es ist eine Bewegung innerhalb der Bewegung, bestehend aus ISKCON-
Mitgliedern, die die Gesellschaft reformieren und erneuern möchten.
4. Ist es das Ziel der IRM, eine neue Bewegung zu gründen?
Nein. Ziel ist es, die ursprüngliche ISKCON, wie Srila Prabhupada sie uns
hinterlassen hat, wiederherzustellen. Sobald dies erreicht ist, soll die IRM
aufgelöst werden.
5. Was würde sich ändern, wenn Srila Prabhupada wieder der einzige
diksa
-Guru werden würde?
Zuallererst besteht der fundamentalste Grundsatz des spirituellen Lebens darin,
dass wir nur Fortschritte machen können, wenn wir denAnweisungen des Gurus
richtig Folge leisten.Wenn der Guru um Milch bittet und wir ihmWasser bringen,
wie kann er dann erfreut sein? Und wenn der Guru nicht erfreut ist, wie können
wir uns dann jemals Sri Krishna nähern?
Seit fast drei Jahrzehnten hat die ISKCON nicht das getan, was Srila Prabhupada
angeordnet hat. Seit Srila Prabhupada seinen Körper verlassen hat, haben wir
ihm nicht erlaubt, auch nur eine Person über sein
Ritvik
- oder Vertretersystem
einzuweihen. Dies ist das einzige System der Einweihung, dessen Fortführung
in der Gesellschaft er jemals autorisiert hat. Wenn die ISKCON-Mitglieder
wieder seinerAnweisung folgen, werden sie Sri Krishna erfreuen, und der ganze
spirituelle Erfolg sollte sich natürlich anschließend einstellen. Dadurch, dass als
Schüler Srila Prabhupadas jeder die gleiche direkte Beziehung hat, wird auch
die Zersplitterung ein Ende haben. Zum ersten Mal in fast dreißig Jahren wird es
einen vereinten Teamgeist geben und jeder wird auf das gleiche Ziel hinarbeiten
x
Die Letzte Anweisung
– Srila Prabhupada und Sri Krishna zu dienen und sie zu preisen.Viele ISKCON-
„Gurus“ sind schwerwiegenden, sündhaften Aktivitäten verfallen und wenn sie
die Bewegung verlassen, nehmen sie häufig Hunderttausende Dollar und viele
ihrer Anhänger mit. Dieser anhaltende Verlust von Eigentum, Mitgliedern und
Vertrauen wird beendet werden, wenn das Vertrauen einzig in Srila Prabhupada
gesetzt wird und nicht in fehlbare Ersatz-„Gurus“. Das Geld, dass die derzeit
rund 80 „Gurus“ ihren Schülern als
daksina
(geschenktes Geld) abschöpfen,
wird stattdessen in Tempel fließen und diese gesund und stark werden lassen.
6. Wie kann sich die IRM so sicher sein, dass ihre Position richtig ist und
die des GBC nicht?
Die IRM hält ihre Position für korrekt, da sie auf unterzeichneten, rechtlichen
Dokumenten beruht, die an die gesamte Bewegung gerichtet waren. Auf der
anderen Seite hat der GBC mindestens drei sich gänzlich widersprechende
offizielle Positionen vorgelegt (von denen keine von rechtlichen Dokumenten
belegt wird) und darum hat er technisch gesehen keine Postion, ganz zu
schweigen von einer richtigen. Wir möchten betonen, dass diese verschiedenen
Darstellungen sich nicht nur gegenseitig widersprechen, sondern gelegentlich
auch in sich selbst Widersprüche enthalten. Wenn wir zum Beispiel nur die
einfache Frage betrachten, wann Srila Prabhupada angeblich seine Ersetzung
als
diksa
-Guru für die ISKCON autorisiert haben soll, dann bekommen wir die
folgenden Antworten aus den folgenden drei offiziellen Papieren des GBC:
a)
On My Order Understood
(GBC, 1995):
Srila Prabhupada gab dieAnweisung
für Gurus zur gleichen Zeit wie dieAnweisung, dass Devotees als seine Vertreter
agieren sollten und dies geschah am
7. Juli 1977
(S. 28 in
„Gurus and Initiation
in ISKCON
“ [Gurus und Einweihung in der ISKCON], GBC 1995)
b)
Disciple Of My Disciple [Schüler meines Schülers]
(H.H.Umapati Swami,
1997):
Elf
diksa
-Gurus wurden am
28. Mai 1977
ernannt und waren bereit,
denn „
ritvik
“ bedeutet „stellvertretender
acarya
“ was wiederum „
diksa
-Guru“
bedeutet.
c)
Prabhupada’s Order [PrabhupadasAnweisung]
(Badrinarayan das, 1998):
Am
9. Juli 1977
agierten die elf vollständig als Gurus, doch hielten sie sich in
Gegenwart von Srila Prabhupada an die Etikette.
Oben sehen wir, dass der GBC drei verschiedene Daten angegeben hat für
den Tag an dem Srila Prabhupada angeblich seine Ersetzung gutgeheißen hat.
Antwort a)
bezieht sich auf eine Unterhaltung im Garten,
b)
bezieht sich auf
xi
Vorwort
ein Treffen von Srila Prabhupada mit einigen seiner Senior-Schüler, während
c)
sich auf die unterzeichnete Anweisung zur Einweihung bezieht, nach der dieses
Buch benannt ist. Folglich erzählt jedes Positionspapier des GBC eine andere
Geschichte. Was alles noch schlimmer macht:
Im März 2004, bei seinem Jahrestreffen in Mayapur, zog der GBC offiziell
das Papier
On My Order Understood
zurück, und gab insgeheim zu, dass
es „Lügen“ enthalten und „die Wahrheit zurecht biegen“ würde. Es war
eben dieses Papier, dass
Die LetzteAnweisung
ursprünglich in Frage gestellt
hatte (siehe Einleitung) und die Tatsache, dass es nun so schmachvoll
zurückgezogen wurde, kann die Postion der IRM
nur noch weiter
bekräftigen.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass bei den Mitgliedern des GBC Verwirrung
darüber herrscht, wann nachfolgende
diksa
-Gurus autorisiert wurden. Die
IRM argumentiert, dass dies unvermeidlich sei, da Srila Prabhupada niemals
diksa
-Gurus, die ihn ersetzen sollen, erschaffen hat sondern lediglich
ritviks
;
und es war dieses
ritvik
-System, dass er in Kraft ließ, ohne Anweisung, dass es
beendet werden solle. Auf dieser Grundlage argumentieren wir, dass der GBC
sich zunächst für eine Position entscheiden muss und erst dann werden wir in
der Lage sein, deren Wirksamkeit zu beurteilen.
Traurig ist, dass selbst heute noch jeder, der die sich widersprechendenAussagen
des GBC anzweifelt, schonungslos aus der Gesellschaft vertrieben wird.
Krishnakant
September 2008
Wenn Sie weitere Informationen über die IRM erhalten möchten, einschließlich
eines kostenlosen Abonnements unseres Magazins oder Fragen zum Inhalt des
Buches
Die Letzte Anweisung
stellen möchten, dann schreiben Sie bitte dem
Autoren eine E-Mail unter:
irm@iskconirm.com
oder
besuchen Sie unsere Webseite unter:
www.iskconirm.com
www.iskconirm.com/D.htm
Einleitung
Dieses Büchlein ist ein demütiger Versuch, die Anweisungen darzulegen, die
Srila Prabhupada dem Führungsrat (GBC) darüber hinterlassen hat, wie seiner
Absicht nach
Einweihungen in der Internationalen Gesellschaft für Krishna-
Bewusstsein (ISKCON) fortgeführt werden sollten. Obgleich wir auf mehrere
Abhandlungen und Artikel verweisen werden, die von Senior-Devotees der
ISKCONzudieserThematikveröffentlichtwurden,werdenwirhauptsächlichauf
das aktuellste Handbuch der ISKCON zur Einweihung Bezug nehmen, welches
den Titel
„Gurus And Initiation in ISKCON
“ trägt (nachfolgend
GII
genannt),
sowie auf die Abhandlung
On My Order Understood
, die unter Abschnitt 1.1
der „Laws of ISKCON“ (Gesetze der ISKCON) erwähnt wird.
„Der GBC ist mit dem Positionspapier ,
On My Order Understood‘
einverstanden, das die letzte
siddhanta
hinsichtlich Srila Prabhupadas
WunschfürdieWeiterführungderSchülernachfolge nachdemVerscheiden
von His Divine Grace bildet, und akzeptiert es als gültiges Gesetz für die
ISKCON.“
[Siehe Teil II: GBC-Positionspapiere in diesem Band.]“ (
GII
, S.1)
In
GII
bringt der GBC deutlich zum Ausdruck, dass er Unstimmigkeiten und
Widersprüche aus den ISKCON-Normen und -Gesetzen entfernen möchte, die
die Gurus, Schüler und
gura-tattva
allgemein betreffen, wodurch eine endgültige
siddhanta
(philosophische Schlussfolgerung) eingeführt werden würde. Wir
beten inständig, dass diese Abhandlung genau die gleichen Ziele verfolgt.
Im Interesse einer immer größeren Folgerichtigkeit und philosophischen Rein-
heit, haben wir das Gefühl, dass es noch immer ein oder zwei Widersprüche
gibt, auf die in
GII
nicht gänzlich eingegangen wird und für die eine weitere
Untersuchung und Diskussion vorteilhaft wäre. Auch wenn die Behandlung
einiger Fragen, die aufgeworfen werden-um auf diese Widersprüche einzuge-
hen, ziemlich radikal, ja sogar schmerzhaft erscheinen mag, spüren wir, dass
sich künftige Verwirrung und potentielle Abweichung enorm verringern lassen,
wenn wir uns jetzt diesen Fragen stellen. Es ist nicht das erste Mal, dass die
Guru-Systeme in der ISKCON sich einer ziemlich radikalen Prüfung unter-
ziehen müssen. In der Vergangenheit wurden Symbole entfernt, Zeremonien
abgeändert und Paradigmen verschoben – all dies ohne langfristig für all zu
viele Störungen zu sorgen.
Insgesamt betrachtet ist die ISKCON zweifellos die wichtigste Gesellschaft
auf dem Planeten. Darum ist es unerlässlich, stets wachsam zu bleiben, um
sicherzustellen, dass sie nicht einmal um eine Millionstel Haaresbreite von
xii
Die Letzte Anweisung
xiii
den die Führung und Philosophie betreffenden Parametern abweicht, die unser
Gründer-
Acarya
festgelegt hat. Srila Prahupada hat immer wieder betont, dass
wir das, was er so sorgsam und mühevoll aufgebaut hat, nicht verändern, neu
erfinden oder darüber spekulieren dürfen, sondern es einfach nur weiter führen
sollen. Was für einen besseren Zeitpunkt als Srila Prabhupadas hundertsten
Geburtstag (1996) gibt es, um die Art wie wir seinen Auftrag fortführen genau
unter die Lupe zu nehmen?
Wir sind stark davon überzeugt, dass das derzeitige Guru-System innerhalb der
ISKCON gänzlich in Einklang mit Srila Prabhupadas letzter unterzeichneter
Anweisung bezüglich dieser Angelegenheit gebracht werden sollte; nämlich
mit seiner letzten Anweisung zu Einweihungen, die am
9. Juli 1977
gegeben
wurde (siehe Anhang, S. 115). Manchmal stellen die Menschen in Frage, warum
dieser Brief gegenüber anderen Briefen und Lehren so hervorgehoben wird. Als
Verteidigung möchten wir einfach einen Grundsatz wiederholen, den der GBC
selbst im
GII
-Handbuch verwendet:
„Der Logik nach sind spätere Aussagen von größerer Bedeutung als vor-
herige.“
(
GII
, S. 25)
Da der Brief vom 9. Juli wirklich die
letzte
an die gesamte Bewegung gerich-
tete Anweisung bezüglich Einweihungen in der ISKCON ist, muss sie in einer
eigenen Kategorie betrachtet werden. Es wird aufgezeigt werden, dass die
vollständige Annahme und Einführung dieser Anweisung in keinster Weise im
Widerspruch zu den Lehren Srila Prabhupadas steht.
Wir sind weder an Verschwörungstheorien interessiert, noch ist es unsere Ab-
sicht, die schaurigen Einzelheiten der spirituellen Schwierigkeiten, die einige
unglückliche Menschen erleben, ans Licht zu bringen. Was geschehen ist, ist
geschehen. Wir können mit Sicherheit aus Fehlern der Vergangenheit lernen,
doch wir möchten lieber den Weg in eine positive Zukunft der Wiedervereini-
gung und Vergebung ebnen, als uns zu lange mit den vergangenen Skandalen
aufzuhalten. Nach Ansicht des Autoren strebt die Mehrheit der Devotees in der
ISKCON aufrichtig danach, Srila Prabhupada zu erfreuen; darum halten wir es
für höchst unwahrscheinlich, dass jemand willentlich eine Anweisung unseres
Gründer-
Acaryas
missachtet oder andere dazu verleitet, diese zu missachten.
Dennoch scheint es, als hätten in den vergangenen neunzehn Jahren gewisse
Abweichungen von den Einzelheiten der Erkenntnistheorie und Art der Führung
irgendwie allgemeine Akzeptanz in der ISKCON gefunden. Wir beten, dass
wir zur Identifizierung dieser Grauzonen etwas beitragen können, um unnötige
Hindernisse auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes für Srila Prabhupada
und Krishna aus dem Weg zu räumen.
In diesem Büchlein werden wir als Beweise unterzeichnete Dokumente vorle-
gen, die von Srila Prabhupada persönlich herausgegeben wurden, sowie Nie-
xiv
Die Letzte Anweisung
derschriften von Unterhaltungen, die der GBC alle als authentisch anerkennt.
Anschließend werden wir uns eingehend sowohl den Inhalt als auch den Kontext
dieser Materialien ansehen, um heraus zu finden, ob sie wörtlich zu verstehen
sind oder ob anders lautende Anweisungen bestehen, die eine alternative Ausle-
gung ihrer Bedeutung oder ihresAnwendungsbereiches begründen. Desweiteren
werden wir alle relevanten philosophischen Fragen erörtern, die in Verbindung
mit diesen Beweisen aufgeworfen werden und Antworten auf alle gängigen
Einwände geben, die gegen ein wörtliches Verständnis des Dokuments über
das Einweihungssystem vom 9. Juli vorgebracht werden. Zum Schluss werden
wir uns ansehen, wie das „System der stellvertretenden
acarya
“, wie es in der
Anweisung vom 9. Juli beschrieben wird, so eingeführt werden kann, dass dabei
die geringst mögliche Störung verursacht wird.
Wir werden unsere Argumente einzig auf die Philosophie und die Anweisungen
stützen, die Srila Prabhupada in seinen Büchern, Briefen, Vorträgen und Un-
terhaltungen dargelegt hat. Wir bitten demütigst um die Gnade aller Vaisnavas,
uns dabei zu helfen, dass niemand Anstoß an unserem Buch nimmt und wir die
wichtige Mission von His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta auf keine Art und
Weise stören.
1
Introduction
Die Beweise
J
eder, der Srila Prabhupada kannte, bemerkte häufig seine akribische Art.
Die penible Aufmerksamkeit, die er jedem Detail seines hingebungsvollen
Dienstes zukommen ließ, war eine der Eigenschaften, die Srila Prabhupada am
meisten auszeichneten; und für jene, die in seiner Nähe gedient haben, war sie
ein unverkennbarer Beweis seiner tiefen Liebe und Hingabe für Sri Krishna. Sein
ganzes Leben war derAusführung desAuftrags seines spirituellen Meisters, Srila
Bhaktisiddhanta, gewidmet und diese Pflicht erfüllte er mit unbeschreiblichem
Fleiß. Er überließ nichts dem Zufall, stets berichtigte, führte und rügte er seine
Schüler in seinem Bemühen, die ISKCON aufzubauen. Seine Mission war der
Mittelpunkt seines Lebens.
Es wäre sicherlich gänzlich untypisch für Srila Prabhupada gewesen eine
wichtige Angelegenheit wie die Zukunft der Einweihung in seiner geliebten
Gesellschaft ungeklärt oder uneindeutig zu lassen, bzw. in diesem Punkt auf
irgendeine Weise Anlass für Debatten oder Spekulation zu geben. Dies trifft
insbesondere in Anbetracht der Geschehnisse in der Mission seines eigenen
spirituellen Meisters zu. Diese wurde, wie er oft angab, hauptsächlich durch den
Einsatz eines nicht autorisierten Guru-Systems zerstört. Mit diesem Wissen im
Hinterkopf möchten wir nun mit den Tatsachen beginnen, die von niemandem
angezweifelt werden:
Am 9. Juli 1977, vier Monate vor dem Verlassen seines Körpers, stellte Srila
Prabhupada ein Einweihungssystem auf, das von
ritviks
oder
„Vertretern des
acarya
Gebrauchmachte.SrilaPrabhupadagabdieAnweisung,dassseinSystem
der
„stellvertretenden
acarya
sofort in Kraft treten und ab diesem Zeitpunkt
oder
„von nun an“
(sieheAnhang, S. 115) gelten sollte. Diese Weisung, die allen
Mitgliedern des Führungsrats und allen Tempelpräsidenten der Internationalen
Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein gesandt wurde, ordnete an, dass neuen
Schülern von nun an spirituelle Namen verliehen werden sollten und dass diese
ihre Gebetsketten und
gayatri-
Mantras von den elf ernannten
ritviks
erhalten
sollten. Die
ritviks
sollten im Namen Srila Prabhupadas handeln, sodass alle neu
Eingeweihten Schüler von Srila Prabhupada würden. Srila Prabhupada übergab
den
ritviks
also die komplette Entscheidungsvollmacht darüber, wer eingeweiht
werden könne und er machte deutlich, dass er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr
um Rat gefragt werden musste. (Einzelheiten über die Pflichten eines
ritvik
:
Siehe
„Was ist ein
ritvik
?“
S. 99).
Unmittelbar nach Srila Prabhupadas Verscheiden am 14. November 1977 setzte
der GBC dieses
ritvik
-System außer Kraft. Bis Gaura Purnima 1978 hatten die elf
ritviks
die Rollen von
acarya diksa
-Gurus eingenommen, die jeweils bestimmte
1
Die Letzte Anweisung
2
Zonen verwalteten und Schüler in ihrem Namen einweihten. Das Mandat,
das dies erlaubte, war eine angebliche Anweisung von Srila Prabhupada, laut
der allein sie ihm als einweihende
acaryas
folgen sollten. Einige Jahre später
wurde dieses in Zonen eingeteilte
acarya
-System in Frage gestellt und ersetzt,
jedoch nicht indem das
ritvik
-System wiedereingeführt wurde, sondern indem
zusätzlich Dutzende weitere Gurus eingesetzt wurden, zusammen mit einem
ausgeklügelten Kontrollsystems um mit Abweichlern fertig zu werden. Die
Begründung für diese Veränderung war, dass die Anweisung Guru zu werden,
nichtwiezuerstbehauptet,
nur
fürdieseelfgalt,sonderneinegenerelleAnweisung
für jeden war, der sich streng an die Anweisungen Srila Prabhupadas hielt und
eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen des GBC erhielt.
Die obige Darstellung ist keine politische Meinung, sie ist eine historische
Tatsache, die von allen akzeptiert wird, einschließlich dem GBC.
Wie oben erwähnt, wurde der Brief vom 9. Juli an alle Mitglieder des GBC und
alle Tempelpräsidenten versandt und bleibt bis zum heutigen Tag die
einzige
unterzeichnete Anweisung für zukünftige Einweihungen, die Srila Prabhupada
jemals der gesamten Gesellschaft zukommen ließ. Als Kommentar zu der
Anweisung vom 9. Juli schrieb HH Jayadvaita Swami vor Kurzem:
„Seine Autorität steht außer Frage [...] Es ist klar, dass dieser Brief
ein
ritvik
-Guru-System einführt.“
(Jayadvaita Swami, ‘
Where the
Ritvik
People are Wrong’
, 1996)
DieQuellederKontroverseentspringtzweiÄnderungen,dienachträglichandieser
ansonsten eindeutigen und autoritativen Anweisung vorgenommen wurden:
Änderung a):
Dass die Ernennung von Stellvertretern oder
ritviks
nur
vorübergehend war und nach dem Verscheiden von Srila
Prabhupada beendet werden musste.
Änderung b):
Nach Ablauf ihrer stellvertretenden Funktion sollten die
ritviks
automatisch
diksa
-Gurus werden, dieAnwärter als ihre eigenen
Schüler einweihen würden und nicht als Schüler von Srila
Prabhupada.
Die Reformen des in Zonen eingeteilten
acarya
-Systems, welche um das Jahr
1987 stattfanden, ließen diese beiden Annahmen unangetastet. Dabei bildeten
genau diese Annahmen die Grundlage des Systems, welches ersetzt werden
sollte. Wir nennen die oben genannten Punkte a) und b) Änderungen, weil
diese Äußerungen weder in dem Brief vom 9. Juli selbst auftauchen noch in
irgendeiner anderen Anordnung oder einem anderen Dokument, das von Srila
Prabhupada nach dieser Anweisung herausgegeben wurde.
3
Die Beweise
Die Abhandlung des GBC,
GII
hält eindeutig an den oben genannten
Änderungen fest:
„Wenn Srila Prabhupada gefragt wurde, wer nach dem Verlassen
seines Körpers die Einweihungen durchführen würde, so antwortete
er, er würde „empfehlen“ und seine „Anweisung“ geben, dass einige
seiner Schüler zu seinen Lebzeiten in seinem Namen und danach als
„reguläre Gurus“ Einweihungen durchführen sollten, deren Schüler
dann Srila Prabhupadas Enkel-Schüler sein würde.“
(
GII
, S. 14)
Im Laufe der Jahre haben immer mehr Gottgeweihte begonnen, die Legitimität
dieser grundsätzlichen Annahmen in Frage zu stellen. Für viele wurden sie
nie ausreichend bestätigt und daher hat sich ein unbehagliches Gefühl des
Zweifels und Misstrauens sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gesellschaft
eingestellt. Derzeit bringen Bücher, Abhandlungen, E-Mail-Newsletter und
Webseiten nahezu täglichAktualisierungen über die ISKCON und ihr angeblich
abtrünniges Guru-System. Alles, das irgendeine Form von Lösung für diese
Kontroversebringt,musspositivfürjedensein,demSrilaPrabhupadasBewegung
wirklich am Herzen liegt.
Ein Punkt, in dem sich alle einig sind, ist dass Srila Prabhupada die höchste
Autorität für alle Mitglieder der ISKCON ist. Darum ist es unsere Pflicht, seine
letzte Anweisung auszuführen, ganz gleich worin diese bestand. Ein weiterer
Punkt in dem Übereinstimmung herrscht, ist dass die einzige unterzeichnete
Grundsatzerklärung bezüglich zukünftiger Einweihungen, die an alle
Führungsmitglieder der Gesellschaft gesandt wurde, die Anweisung vom 9.
Juli war.
Es ist wichtig zu bemerken, dass in
GII
noch nicht einmal von der Existenz
des Briefes vom 9. Juli die Rede ist, obwohl nur dort die ursprünglichen
elf
acaryas
überhaupt erwähnt werden. Diese Auslassung ist ein
Rätsel, insbesondere da
GII
die
„letzte
siddhanta
bezüglich der ganzen
Angelegenheit darstellen soll.
Lassen Sie uns also die Anweisung vom 9. Juli genau betrachten, um heraus
zu finden, ob sie tatsächlich irgend etwas enthält, dass die oben genannten
Annahmen a) und b) unterstützt:
Die Anweisung selbst
Wie bereits erwähnt, legt dieAnweisung vom 9. Juli fest, dass das
ritvik
-System
„henceforward“ („von nun an“)
eingehalten werden soll. Das besondere Wort,
das verwendet wird,
„henceforward“
, hat nur eine Bedeutung, nämlich
„vom
jetzigen Zeitpunkt an“.
Dies gilt sowohl gemäß Srila Prabhupadas vorherigem
Die Letzte Anweisung
4
Gebrauch des Wortes, als auch nach der Bedeutung, die ihm in der englischen
Sprachezukommt. ImGegensatzzuanderenWörternistdasWort
„henceforward“
unzweideutig, denn es besitzt laut Wörterbuch nur eine Definition. Bei den
anderen 86 in der Vedabase dokumentierten Gelegenheiten, bei denen Srila
Prabhupada das Wort
„henceforward“
verwendet hat, hat niemand auch nur
die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass das Wort irgendetwas anderes
als
„von nun an“
bedeuten könnte.
„Henceforward“
bedeutet nicht
„von nun
an bis ich verscheide“
. Es bedeutet schlicht
„von nun an“
. In dem Brief wird
nichts
davon erwähnt, dass dieses System bei Srila Prabhupadas Verscheiden
aufhören sollte, ebensowenig ist davon die Rede, dass das System
nur
während
seiner Anwesenheit Anwendung finden sollte. Das Argument, dass das gesamte
ritvik
-System an einem Wort -
„henceforward“
-
„hängt“
ist unhaltbar, denn
selbst wenn wir das Wort aus dem Brief
heraus
nehmen, ändert sich nichts.
Es gibt dann immer noch ein System, das Srila Prabhupada vier Monate vor
seinem Verscheiden aufgestellt hat und keine nachträglichen Anweisungen,
dieses zu beenden. Ohne eine solche Gegenanweisung muss dieser Brief als
Srila Prabhupadas letzte Anweisung zu Einweihungen betrachtet werden und
sollte dementsprechend befolgt werden.
Unterstützende Anweisungen
Aus denTagen die auf den Brief vom 9. Juli folgten, gibt es weitereAussagen von
Srila Prahupada und seinem Sekretär die klar belegen, dass das
ritvik
-System
dafür vorgesehen war, ohne Beendigung weitergeführt zu werden:
„...Einweihungsprozess, der in Zukunft befolgt werden soll.“
(11. Juli 1977)
„...fahre fort, ein
ritvik
zu werden und in meinem Auftrag zu handeln.“
(19. Juli 1977)
„...fahre fort, ein
ritvik
zu werden und in meinem Namen zu handeln.“
(31. Juli 1977)
(Siehe Anhang).
In diesen Dokumenten finden wir Worte wie
„fortfahren“
und
„Zukunft“
, die
neben dem Wort
„henceforward“ („von nun an“)
alle auf die Dauerhaftigkeit des
ritvik
-Systems hinweisen. Es gibt keineAussage von Srila Prabhupada, die auch
nur andeutet, dass dieses System bei seinem Verscheiden aufhören sollte.
Nachträgliche Anweisungen
Nachdem das
ritvik
-System eingeführt und in Kraft gesetzt worden war, gab
Srila Prabhupada niemals eine nachträgliche Anweisung es zu beenden. Ebenso
5
Die Beweise
wenig hat er gesagt, dass es bei seinem Verscheiden außer Kraft gesetzt werden
soll. Da er sich vielleicht der Tatsache bewusst war, dass so etwas aufgrund
eines Missverständnisses oder aus anderen Gründen geschehen könnte, legte er
am Anfang seines Testaments fest, dass das damals gültige
„Führungssystem“
innerhalb der ISKCON weitergeführt werden muss und nicht verändert werden
darf – eine Anweisung, die von einem Testamentsnachtrag, der nur neun Tage
vor seinem Verscheiden getätigt wurde, unangetastet blieb. Mit Sicherheit wäre
dies die perfekte Gelegenheit gewesen, um das
ritvik
-System außer Kraft zu
setzen, wenn dies seine Absicht gewesen wäre. Dass die Nutzung von
ritviks
,
die den Eingeweihten Namen verleihen, Teil des
„Führungssystems“
war, kann
folgendermaßen verdeutlicht werden:
1975 hieß eine der vorläufigen GBC-Resolutionen es gut, dass der
„GBC
alleinige Verantwortung für Führungsangelegenheiten“
haben sollte. Unten
stehend finden sich einige der
„Führungs“
-Angelegenheiten, mit denen sich
der GBC in jenem Jahr befasste:
„Um die Ersteinweihung zu erhalten, muss man sechs Monate
lang ein Vollzeit-Mitglied gewesen sein. Für die Zweiteinweihung
sollte mindestens ein weiteres Jahr nach der ersten Einweihung
vergehen.“
(GBC-Resolution Nr. 9, 25. März 1975)
„Methode zur Einweihung von
Sannyasis
.“
(GBC-Resolution Nr. 2, 27. März 1975)
Diese Resolutionen wurden von Srila Prabhupada persönlich bestätigt.
Sie zeigen, dass die Methodik zur Durchführung von Einweihungen von
Srila Prabhupada als ein Teil des
„Führungssystems“
betrachtet wurde.
Wenn die
gesamte
Methodik zur Durchführung von Einweihungen als Teils
des
„Führungssystems“
verstanden wurde, muss demnach
ein
Element der
Einweihung, nämlich der Gebrauch von
ritviks
zur Verleihung spiritueller
Namen, unter die gleichen Richtlinien fallen.
Eine Änderung des
ritvik
-Systems der Einweihung war daher ein direkter
Verstoß gegen Srila Prabhupadas letzten Willen.
Eine weitere Anweisung in Srila Prabhupadas Testament, die die vorgesehene
Dauer des
ritvik
-Systems aufzeigt, ist die Stelle, an der steht, dass die
Geschäftsführer seiner permanenten Grundstücke und Immobilien in Indien
nur aus dem Kreise von Srila Prahupadas
„eingeweihten Schülern“
ausgewählt
werden könnten.
Die Letzte Anweisung
6
„...einnachfolgenderGeschäftsführerodermehrereGeschäftsführer
können von den verbleibenden Geschäftsführern ernannt werden,
vorausgesetzt der neue Geschäftsführer ist mein eingeweihter
Schüler...“
(Srila Prabhupadas Testament, 4. Juni 1977)
Dies ist eine Sache, die nur dann geschehen könnte, wenn nach Srila Prabhupadas
Verscheiden weiterhin ein
ritvik
-System zur Einweihung gültig geblieben
wäre, denn sonst würde die Quelle potentieller Geschäftsführer eines Tages
versiegen.
Desweiteren hat Srila Prabhupada jedes Mal, wenn er nach dem 9. Juli von
Einweihungen sprach, nur das
ritvik
-System nochmals bestätigt. Er hat niemals
angedeutet, dass das System nach seinem Verscheiden aufhören sollte oder
dass es Gurus gäbe, die schon in den Startlöchern stünden, bereit die Rolle des
diksa
-gurus zu übernehmen. Darum scheint es, zumindest was einen direkten
Beweis betrifft, keinerlei Belege für die zuvor erwähntenAnnahmen a) und b) zu
geben. Wie bereits gesagt, stellen diese Annahmen – dass das
ritvik
-System bei
seinemVerscheiden beendet werden sollte, und dass die
ritviks
dann
diksa
-Gurus
werden müssten – die eigentliche Grundlage des derzeitigen Guru-Systems der
ISKCON dar. Sollten sie sich als ungültig erweisen, wird sicherlich ein radikales
Umdenken des GBC nötig sein
Das oben Genannte stellt den Hintergrund dar. Die Anweisung selbst sowie die
unterstützendenundnachträglichenAnweisungenkönnennurfürdieFortführung
des
ritvik
-Systems sprechen. Es wird von allen Beteiligten zugegeben, dass Srila
Prabhupada
keine
Anweisung zur Beendigung des
ritvik
-Systems bei seinem
Verscheiden erteilt hat. Weiterhin wird von allen Beteiligten akzeptiert, dass
Srila Prabhupada das
ritvik
-System aufgestellt
hat
, dass vom 9. Juli an in Kraft
treten sollte. Wir befinden uns also in einer Situation, in der der
acarya
:
1)
eine klare Anweisung zur Befolgung eines
ritvik
-Systems gegeben hat;
2)
keineAnweisung gegeben hat, die Befolgung des
ritvik
-Systems bei seinem
Verscheiden zu beenden.
Demzufolge muss ein Schüler der legitimerweise aufhören möchte diese
Anweisung zu befolgen, handfeste Gründe vorweisen können warum er dies
tut. Die einzige Sache, die Srila Prabhupada uns tatsächlich mitgeteilt hat, war,
dass wir das
ritvik
-System befolgen sollen. Er hat uns niemals gesagt, dass wir
aufhören sollen es zu befolgen, oder dass wir es
nur
während seiner physischen
Anwesenheitbefolgenkönnen.DieBeweislastliegtalsobeidenen,dieeinSystem,
das unser
acarya
eingeführt hat und für die künftige Anwendung bestimmt hat,
7
Die Beweise
beenden möchten. Dies ist offensichtlich; man kann nicht nach Lust und Laune
aufhören, der Anweisung des Gurus zu folgen:
„...gemäß dem Prozess kann man die Anweisung des spirituellen
Meisters nicht ändern.“
(
C.C. Adi
7.76-81, Vortrag, 2.2.67, San Francisco)
Ein Schüler muss sich nicht für die Fortführung einer direkten Anweisung des
Gurus rechtfertigen, besonders dann nicht, wenn ihm gesagt wurde, dass er
fortfahren solle, sie zu befolgen. Dies ist unumstößlich – dies ist die Bedeutung
des Wortes “Schüler“:
„Wenn jemand Schüler wird, kann er dieAnweisung des spirituellen
Meisters nicht missachten.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 11.2.75, Mexiko)
Da es keine direkten Beweise gibt, die belegen, dass das
ritvik
-System bei
Srila Prabhupadas Verscheiden hätte aufgegeben werden sollen, könnten die
Argumente für dessen Aufgabe nur auf indirekte Beweise gestützt werden.
IndirekteBeweisekönntenausdenbesonderenUmständen,unterdenendiedirekte
Anweisung entstanden ist, resultieren. Diese mildernden Umständen, sollten
sie existieren, könnten als Grundlage zur Interpretation der direkten wörtlichen
Anweisung genutzt werden. Wir werden nun die Umstände untersuchen, die
die Anweisung vom 9. Juli umgaben, um heraus zu finden, ob es solche die
Situation verändernden Umstände tatsächlich gegeben haben könnte, und ob es
demzufolge irgendwas gibt, dass die Annahmen a) und b) unterstützt.
Die Letzte Anweisung
8
Einwände, in direktem Zusammenhang mit der
Form und den Umständen Srila Prabhupadas
letzter Anweisung
1.
„Aus dem Brief vom 9. Juli geht deutlich hervor, dass er nur für die
Zeit gedacht war, in der Srila Prabhupada physisch anwesend war.“
Nichts in dem Brief gibt an, dass die Anweisung nur für die Zeit bestimmt war,
in der Srila Prabhupada physisch anwesend war. Tatsache ist, dass die einzige
Information, die gegeben wird, die Fortführung des
ritvik
-Systems nach Srila
Prabhupadas Verscheiden unterstützt.
Es ist wichtig, zu beachten, dass in dem Brief vom 9. Juli drei Mal angegeben
wird, dass die Eingeweihten Schüler Srila Prabhupadas werden würden.
Bei der Vorlage der Beweise für das gegenwärtige Guru-System hat der GBC
vehement argumentiert, dass Srila Prabhupada bereits deutlich gemacht hätte,
dass es seines Erachtens ein unverletzliches Gesetz sei, dass niemand in
seiner Gegenwart einweihen könne.
Daher muss die Notwendigkeit darauf
hinzuweisen, dass künftige Schüler Schüler von Srila Prahupada seien,
bedeuten, dass dieAnweisung dazu bestimmt war, während eines Zeitraums
gültig zu sein, in der die Zugehörigkeit der Schüler eine Frage darstellen
könnte, nämlich nach seinem Verscheiden.
Srila Prabhupada hatte seit einigen Jahren Stellvertreter verwendet, um auf
den
japa
-beads der Eingeweihten zu chanten, das Feuer-
yajna
durchzuführen,
den
gayatri
-Mantra zu geben usw. Niemand hatte jemals bezweifelt, zu wem
die neu Eingeweihten gehörten. Ganz am Anfang des Briefes vom 9. Juli steht
ausdrücklich, dass die Ernannten
„Stellvertreter“
von Srila Prabhupada seien.
Die einzige Neuerung die dieser Brief enthielt, war die Formalisierung der
Rolle der Stellvertreter; dies ist etwas, dass kaum mit einer direktenAnweisung,
vollwertige
diksa
-gurus zu werden verwechselt werden kann. Srila Prabhupadas
Betonung, dass die Schüler seine Schüler seien, wäre daher komplett überflüssig
gewesen, wenn das System nur in seiner Gegenwart hätte gültig sein sollen,
insbesondere da er solange er physisch gegenwärtig war, selbst sicherstellen
konnte, dass sich niemand fälschlicherweise seine Schüler zu eigen machte.
Wie bereits erwähnt, ist dieser Punkt
drei Mal
in einem Brief enthalten, der an
sich ziemlich kurz und prägnant ist.
„Sobald eine Sache drei Mal betont wird, bedeutet dies, dass sie
endgültig ist.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 27.11.68, Los Angeles)
Der Brief vom 9. Juli gibt an, dass die Namen der neu eingeweihten Schüler
„an
Srila Prabhupada“
gesendet werden sollten. Könnte dies ein Zeichen dafür sein,
8
9
Einwände
dass das System nur so lange gültig sein sollte, wie Srila Prabhupada physisch
anwesend war? Einige Devotees haben argumentiert, dass das
ritvik
-System
seine Gültigkeit verloren haben muss, da wir die Namen nicht mehr an Srila
Prabhupada senden können.
Der erste Punkt, der beachtet werden muss, ist der Zweck, der hinter der
Anweisung steckt, dass die Namen an Srila Prabhupada gesendet werden sollen,
d. h. damit sie in das
„Buch der eingeweihten Schüler“
aufgenommen werden
können. Wir wissen aus der Unterhaltung vom 7. Juli (sieheAnhang S. 134), dass
Srila Prabhupada nichts mit der Eintragung der neuen Namen in dieses Buch zu
tun hatte; dies wurde von seinem Sekretär erledigt. Ein weiterer Beweis, dafür,
dass die Namen zur Eintragung in das Buch gesandt werden sollten und nicht
speziell an Srila Prabhupada, wird in dem Brief gegeben, der gleich am nächsten
Tag an Hamsadutta geschrieben wurde, in dem Tamala Krishna Goswami ihm
seine neue Pflichten als
ritvik
erklärt:
„sollst Du den Namen senden, damit er in Srila Prabhupadas „Buch
der eingeweihten Schüler“ aufgenommen werden kann.“
(Brief an Hamsadutta von Tamala Krishna Goswami, 10.7.77)
Hier wird nicht erwähnt, dass es notwendig sei, die Namen an Srila Prabhupada
zu senden. Der Vorgang könnte nach Srila Prabhupadas Verscheiden einfach
fortgeführt werden. Nirgendwo in der letzten Anweisung steht, dass alle
Einweihungen aufhören müssen, wenn das
„Buch der eingeweihten Schüler“
physisch von Srila Prabhupada getrennt wird.
Der nächste Punkt ist, dass der Vorgang des Sendens der Namen von neu
eingeweihten Schülern an Srila Prabhupada auf alle Fälle eineAktivität
nach der
eigentlichenEinweihungist
.DieNamenkonntenerstgeschicktwerden,
nachdem
die Schüler bereits eingeweiht worden waren. Darum kann eine Anweisung
bezüglich dessen, was
nach
der Einweihung geschehen soll, nicht verwendet
werden, um Prozeduren vor oder während der Einweihung auf irgendeine Weise
zu verändern oder zu unterbrechen (die Rolle des
ritvik
ist bereits lange vor
Stattfinden der eigentlichen Einweihungszeremonie erfüllt). Ob die Namen an
Srila Prabhupada gesandt werden können oder nicht hat keinen Einfluss auf das
Einweihungssystem, da die Einweihung zu dem Zeitpunkt an dem die Namen
zum Versenden bereit sind, bereits stattgefunden hat.
Der letzte Punkt besteht darin, dass wenn das Senden der Namen an Srila
Prabhupada ein wichtiger Bestandteil der Zeremonie wäre, das System schon vor
Srila Prabhupadas Verscheiden ungültig gewesen wäre, oder zumindest ständig
ernsthaft Gefahr lief, ungültig zu sein. Allen war klar, dass Srila Prabhupada
bereit war, von uns zu gehen. Darum bestand vom ersten Tag an, an dem die
Anweisung erteilt wurde, das Risiko, dass die Namen nicht mehr versandt werden
Die Letzte Anweisung
10
könnten. Mit anderen Worten, wenn wir das mögliche Szenario betrachten, dass
Srila Prabhupada den Planeten an dem Tag verlässt, nachdem ein Schüler über
das
ritvik
-System eingeweiht wurde, dann wäre der Schüler gemäß der obigen
Behauptung eigentlich noch nicht eingeweiht worden, und dies nur aufgrund
der Zeit, die die Zustellung der Post in Anspruch nimmt. Wir finden in Srila
Prabhupadas Büchern keine Erwähnungen darüber, dass der transzendentale
Vorgang der
diksa
, dessen Vollendung viele Lebzeiten dauern kann, von den
Wechselfällen des Postdienstes behindert werden kann. Mit Sicherheit gäbe es
nichts, was daran hindern würde, dass die Namen der neu Eingeweihten selbst
heute in das
„Buch der eingeweihten Schüler“
von His Divine Grace eingetragen
werden. Dieses Buch könnte Srila Prabhupada dann zu einem geeigneten
Zeitpunkt übergeben werden.
2. „In dem Brief steht nicht explizit ‘Dieses System wird nach Srila
Prabhupadas Verscheiden fortbestehen’; darum war es richtig, das
ritvik
-System bei Srila Prabhupadas Verscheiden zu beenden.“
Bitte ziehen Sie folgende Punkte in Betracht:
1.
In dem Brief vom 9. Juli steht nicht explizit:
„Das
ritvik
-System soll bei
Srila Prabhupadas Verscheiden enden“
. Dennoch wurde es sofort bei seinem
Verscheiden beendet.
2.
In dem Brief steht auch nicht:
„Das
ritvik
-System soll angewandt werden,
während Srila Prabhupada noch gegenwärtig ist“.
Dennoch wurde es angewandt,
während er noch gegenwärtig war.
3. In dem Brief steht auch nicht:
„Das
ritvik
-System soll nur bis zumVerscheiden
Srila Prabhupadas angewandt werden“
. Dennoch wurde die Anwendung des
Systems nur bis zu seinem Verscheiden erlaubt.
4. In dem Brief steht auch nicht:
„Das
ritvik
-System muss beendet werden“.
Dennoch wurde es beendet. Zusammengefasst besteht der GBC auf
Folgendem:
• Das
ritvik
-System muss beendet werden.
• Das
ritvik
-System muss bei Srila Prabhupadas Verscheiden beendet werden.
Keine der oben genannten Festlegungen taucht in dem Brief vom 9. Juli oder
in irgendeiner anderen unterzeichneten Anweisung auf, dennoch bilden sie die
eigentliche Grundlage sowohl des in Zonen eingeteilten
acarya
-Systems als
auch des derzeitigen
„Multiple
Acarya
Successor System“
(System, bei dem
eine große Anzahl an
acaryas
die Nachfolge antritt), welches wir im Folgenden
als M.A.S.S. bezeichnen werden. (In diesem Zusammenhang verwenden wir das
11
Einwände
Wort
acarya
in seiner stärksten Bedeutung, nämlich der eines einweihenden,
spirituellen Meisters oder
diksa
-Gurus.)
Zu argumentieren, dass das System zum Zeitpunkt des Verscheidens beendet
werden muss, weil der Brief keinen genauen Zeitpunkt für die Anwendung
angibt, ist völlig unlogisch. Der Brief gibt auch nicht an, dass das
ritvik
-System
am 9. Juli befolgt werden soll. Dieser Logik zufolge hätte es also überhaupt
nie befolgt werden sollen. Selbst unter der Annahme, dass
„von nun an“
sich
zumindest bis zum Ende des ersten Tages, an dem die Anweisung erteilt wurde,
erstreckt, bedeutet dies nicht, dass sie am 10. Juli befolgt werden sollte, also
vielleicht hätte sie dann beendet werden sollen.
Die Forderung, dass das
ritvik
-System nur innerhalb eines vorgegebenen
Zeitraums gültig sein sollte, steht im Widerspruch dazu, dass es 126 einzelne
24-stündige Zeitabschnitte gab (d. h. vier Monate), in denen seine Gültigkeit
akzeptiert wurde. Keiner dieser einzelnen 24-stündigen Zeitabschnitte war in
in dem Brief angegeben, dennoch schienen alle ziemlich glücklich darüber zu
sein, dass das System in diesem Zeitfenster Anwendung fand. Wenn wir das
Wort
„henceforward“
nicht wörtlich nehmen und als
„auf unbestimmte Zeit“
definieren, könnten wir das System jederzeit nach dem 9. Juli beenden, warum
also den Zeitpunkt des Verscheidens wählen?
Es gibt keine Beispiele weder in den 86 Fällen in denen Srila Prabhupadas
Benutzung dieses Wortes dokumentiert ist, noch in der gesamten Geschichte
der englischen Sprache, in denen das Wort
„henceforward“
(von nun an) jemals
folgendes bedeutet hat:
„Jeder Zeitraum bis zum Verscheiden einer Person, die eine Anweisung
erteilt hat.“
Doch gemäß der derzeitigen Denkweise muss das Wort bei der Verwendung im
Brief vom 9. Juli diese Bedeutung gehabt haben. In dem Brief steht schlicht,
dass das
ritvik
-System
„von nun an“
befolgt werden soll. Warum wurde es also
beendet?
3. „Es ist offensichtlich, dass gewisse Anweisungen nach Srila Prab-
hupadas Verscheiden nicht fortgeführt werden können und darum ist
klar, dass sie nur für die Anwendung in Srila Prabhupadas Gegenwart
vorgesehen sein konnten; z. B. hätte jemand „von nun an“ ernannt
werden können, um Srila Prabhupada seine regelmäßige Massage zu
geben. Vielleicht ist die
ritvik
-Anweisung von solcher Natur?“
Wenn es unmöglich ist, eine Anweisung auszuführen, zum Beispiel Srila
Prabhupada nach dem Verlassen seines Körpers seine tägliche Massage zu
Die Letzte Anweisung
12
geben, steht die Ausführung dieser Handlung außer Frage. Die Pflicht eines
Schülers besteht darin, einenAuftrag auszuführen, bis es unmöglich wird, diesen
weiterhin auszuführen, oder bis der spirituelle Meister den Auftrag ändert. Die
Frage lautet also, ob es machbar ist, ein
ritvik
-System zu befolgen, ohne dass
die Person, die es eingeführt hat, physisch anwesend ist.
Tatsache ist, dass das
ritvik
-System
speziell
eingeführt wurde, um ohne
jegliche
physische Beteiligung seitens Srila Prabhupada angewandt zu werden. Wäre
das
ritvik
-System nach seinem Verscheiden fortgeführt worden, wäre es in jeder
Hinsicht identisch mit der Anwendung während Srila Prabhupadas Gegenwart.
Nach dem 9. Juli endete Srila Prabhupadas Beteiligung. Daher wurde das System
selbst zu diesem Zeitpunkt schon so angewandt, als ob er bereits verschieden
sei. Da dies der Fall war, können wir das
ritvik
-System nicht aufgrund von Srila
PrabhupadasVerscheidenalsnichtfunktionsfähigodernichtanwendbareinstufen,
da sein Verscheiden denAblauf des System in keinster Weise beeinträchtigt.
Mit
anderenWorten, da das System spezielleingeführt wurdeund funktionierte,
als ob Srila Prabhupada nicht auf dem Planeten wäre, kann sein Verlassen
des Planeten das System nicht ungültig machen.
4. „Die Tatsache, dass die Anweisung ‚nur’ in einem Brief erteilt wurde,
und nicht in einem Buch, gibt uns die Berechtigung, sie indirekt zu
interpretieren.“
Dieses
„Briefe vs. Bücher“
-Argument trifft in diesem Fall nicht zu, da dies kein
gewöhnlicher Brief war. Normalerweise schrieb Srila Prabhupada einen Brief,
um eine bestimmte Frage eines Schülers zu beantworten, oder um einzelnen
Schülern Führung oder Strafen zu erteilen. Natürlich kann in diesen Fällen die
ursprüngliche Frage, die Situation oder dieAbweichung des Devotees Raum für
Interpretationen lassen. Nicht alles in Srila Prabhupadas Briefen kann universell
angewandt werden (zum Beispiel riet er in einem Brief einem Gottgeweihten, der
nicht gut mit Gewürzen umgehen konnte, mit nur etwas Salz und Turmerik zu
kochen; mit Sicherheit war dieser Rat nicht für die gesamte Bewegung gedacht).
Die letzteAnweisung bezüglich Einweihungen hingegen lässt keinen Spielraum
für Interpretationen, da sie nicht als Antwort auf eine bestimmte Anfrage einer
bestimmten Person verfasst wurde oder um auf die Situation oder das Verhalten
eines bestimmten Schülers einzugehen.
Der Brief vom 9. Juli war eine Ver-
fahrensanweisung bzw. eine Grundsatzerklärung bezüglich der Führung,
die an alle leitenden Mitglieder der Bewegung gesandt wurde.
Der Brief hält das Format ein, das jede wichtige Anweisung hatte, die Srila Pra-
bhupada herausgab und von der er wünschte, dass sie ohne Interpretation befolgt
werden würde – er ließ sie schriftlich verfassen, er bestätigte sie, und schickte sie
13
Einwände
dann an seine Führer. Zum Beispiel ließ er am 22. April 1972 eine Anweisung
versenden, die an
„ALLE TEMPELPRÄSIDENTEN“
adressiert war:
„Die Pflicht des Sekretärs der jeweiligen Zone besteht darin, sicher
zu stellen, dass die spirituellen Prinzipien in allen Tempeln seiner
Zone sehr gut eingehalten werden. Ansonsten soll jeder Tempel
unabhängig sein und sich selbst finanzieren.“
(Brief von SP an alle
Tempelpräsidenten, 22.4.72)
Srila Prabhupada hat nicht jedes Mal, wenn er eine wichtigeAnweisung erteilte,
ein neues Buch veröffentlicht, unabhängig davon, ob dieAnweisung nach seinem
Verscheiden weiterhin befolgt werden sollte. Darum lässt die Form, in der die
Anweisung erteilt wurde, sie weder anfällig für eine indirekte Interpretation
werden, noch vermindert sie in irgendeiner Weise ihre Gültigkeit.
5. „Vielleicht gab es besondere Umstände bei der Verfassung der
Anweisung, die ihre Anwendung nach Srila Prabhupadas Verscheiden
ausschließen?“
Wenn solche Umstände existieren würden, hätte Srila Prabhupada sie in dem
Brief oder in einem beiliegenden Dokument erwähnt. Srila Prabhupada gab stets
ausreichende Informationen, um die korrekte Anwendung seiner Anweisungen
zu ermöglichen. Er hat mit Sicherheit nicht in derAnnahme gehandelt, dass seine
Tempelpräsidenten alle mystische Gedankenleser seien und dass er darum nur
bruchstückhafteundunvollständigeAnweisungengebenmüsse,derenSinnspäter
telepathisch erschlossen werden würde. Wenn Srila Prabhupada beispielsweise
vorgesehen hätte, dass das
ritvik
-System bei seinemVerscheiden beendet werden
sollte, hätte er die folgenden sieben Worte zum Brief vom 9. Juli hinzugefügt:
„Dieses System wird bei meinem Verscheiden enden.“
Ein kurzer Blick in den
Brief sagt uns, er wollte, dass es
„von nun an“
fortgeführt werden sollte (siehe
Anhang, S. 115).
Manchmal wird argumentiert, dass das
ritvik
-System nur eingeführt
wurde, weil Srila Prabhupada krank war.
Devotees sind sich möglicherweise der Schwere von Srila Prabhupadas
Erkrankung bewusst gewesen; aber wie kann denn plausibel von ihnen erwartet
werden, dass sie aus einem Brief, in dem nichts über seine Gesundheit steht,
schlussfolgern, dass diese der einzige Grund war, warum er die Anweisung
gegeben hat? Wann hat Srila Prabhupada gesagt, dass jede Anweisung, die er
erteilt, immer in Zusammenhang mit seinem neuesten medizinischen Befund
interpretiert werden muss? Warum sollten die Empfänger der letztenAnweisung
bezüglichEinweihungen
nicht
angenommenhaben,dassderBriefeineallgemeine
Die Letzte Anweisung
14
Anweisung war, die befolgt werden sollte, ohne interpretiert zu werden?
Srila Prabhupada hatte bereits angekündigt, dass er nach Vrindavan gekommen
war, um seinen Körper zu verlassen. Als
tri-kala-jna
(jemand, der die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt) war ihm höchstwahrscheinlich
bewusst, dass er seinen Körper in vier Monaten verlassen würde. Er hatte die
letzten Instruktionen zum Fortbestand der Bewegung in Gang gesetzt. Er hatte
bereits sein Testament erstellt und andere mit dem BBT (Bhaktivedanta Book
Trust) und dem GBC zusammenhängende Dokumente verfasst, speziell, umnach
seinembevorstehendenVerscheidendenWegzuweisen.DieeineAngelegenheit,
die noch nicht geregelt worden war, war die Frage, wie Einweihungen nach
seinem Verscheiden durchgeführt würden. Zu diesem Zeitpunkt bestand noch
Unsicherheit darüber, wie die Dinge gehandhabt werden sollten. DieAnweisung
vom 9. Juli machte für alle klar ersichtlich, wie Einweihungen in seiner
Abwesenheit durchgeführt werden sollten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man eine Anweisung nicht mit
Informationen ändern kann, zu denen diejenigen, an die dieAnweisung gerichtet
war, keinen Zugang hatten. Warum sollte Srila Prabhupada absichtlich eine
Anweisung erteilen, von der er im Voraus wusste, dass niemand sie korrekt
befolgen können würde, da er ihnen in der Anweisung nicht die relevanten
Informationen gegeben hatte? Wenn das
ritvik
-System nur aufgestellt worden
war, weil er krank war, hätte Srila Prabhupada dies in dem Brief oder einem
beiliegenden Dokument angemerkt.
Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass Srila Prabhupada sich jemals
absichtlich auf eine derart zweideutige und uninformative Art verhalten hätte,
insbesondere wenn er der gesamten Bewegung eine Anweisung erteilte. Srila
Prabhupada unterzeichnete nie etwas einfach so, und wenn man die Tragweite
der betreffenden Anweisung bedenkt, ist es unvorstellbar, dass er
irgendwelche
wichtigen Informationen ausgelassen hätte.
6. „Enthält das ‘Ernennungs-Tonband’ nicht relevante Informationen,
die deutlich belegen, dass dieAnweisung vom 9. Juli nur anwendbar war,
solange Srila Prabhupada auf diesem Planeten physisch gegenwärtig
war?“
In dem Handbuch
GII
des GBC, wird der einzige Beweis, der als Unterstützung
der Änderungen a) & b) dargelegt wird, einer Unterhaltung entnommen, die am
28. Mai 1977 statt fand. Es scheint, als ob dieses Positionspapier eingestehen
würden, dass es keine weiteren Beweise für eineAnweisung gibt, die sich direkt
auf die Funktion der
ritviks
nach Srila Prabhupadas Verscheiden bezieht:
15
Einwände
„Obwohl Srila Prabhupada seine früheren Aussagen nicht
wiederholte, war es klar, dass er von diesen Schülern erwartete, dass
sie in Zukunft einweihen würden.“
(
GII
, S.35)
Da die Unterhaltung vom 28. Mai der
einzige
Beweis ist, ist ein Abschnitt auf
Seite 37 dieses Werkes ausschließlich dieser Unterhaltung gewidmet. Es sei
hier angemerkt, dass auf diese Unterhaltung weder im Brief vom 9. Juli direkt
Bezug genommen wurde, noch Srila Prabhupada verlangte, dass eine Kopie der
auf Band aufgezeichneten Unterhaltung zusammen mit der letzten Anweisung
versandt werden sollte. Daraus können wir mit absoluter Sicherheit ableiten,
dass die Unterhaltung nicht einmal ansatzweise Informationen enthält, die für das
Verständnis der letzten Anweisung von Bedeutung sind und deren Ausführung
beeinflussenwürde.Faktist,dassdieUnterhaltungvom28.MaierstmehrereJahre
nach
Srila Prabhupadas Verscheiden veröffentlicht wurde. Somit wird wieder
einmal von uns verlangt, eine eindeutige, schriftliche Anweisung aufgrund von
Informationen abzuändern, die den Personen, denen diese Anweisung gegeben
wurde, nicht zugänglich waren. Wie wir später sehen werden, beinhaltet die
Unterhaltung vom 28. Mai nichts, das der letzten Anweisung widersprichen
würde.
Allgemein ersetzen spätere Anweisungen des Gurus stets die vorherigen
Anweisungen. Die letzte Anweisung ist die letzte Anweisung und muss befolgt
werden:
„Ich sage vielleicht viele Dinge zu euch, aber wenn ich euch etwas
direkt sage, dann tut ihr es. Eure erste Pflicht ist es, dies zu tun, und
ihr könnt nicht dagegen argumentieren. -
,Sir, Ihr habt mir früher
schon gesagt, dass ich dies so machen solle‘,
nein, dies ist nicht eure
Pflicht. Was ich euch jetzt sage, tut ihr; das ist-Gehorsamkeit, die
ihr nicht in Frage stellen könnt.“
(Srila Prabhupada
S.B.
Vortrag, 14.4.75, Hyderabad)
Auch Sri Krishna gab Arjuna in der
Bhagavad-gita
sehr viele Anweisungen.
Er sprach von allen Arten von Yoga, von
Dhyana
bis
Jnana
, doch all diese
Anweisungen wurden von der letzten Anweisung abgelöst:
„Denke immer an Mich und werde Mein Geweihter“- sollte als die
letzte Anweisung des Herrn betrachtet und befolgt werden.“
(
Die Lehren Sri Krishna Caitanyas
, Kapitel 11).
Die letzte Anweisung, die Sankaracarya gab,
bhaja Govinda
, sollte ebenfalls
viele seiner früheren Aussagen ersetzen – tatsächlich sogar alle. Wie in der
Einleitung dieses Werkes erwähnt, erkennt der GBC folgendes selbst als
unumstößliches logisches Prinzip an:
Die Letzte Anweisung
16
„Der Logik nach sind spätere Aussagen von größerer Bedeutung als
vorherige.“
(
GII
, S. 25)
Eine
„spätere“
Aussage als die
letzte
ist nicht möglich. Darum müssen wir gemäß
der Logik des GBC selbst, das
ritvik
-System befolgen.
7.
„Srila Prabhupada hat viele Male gesagt, dass alle seine Schüler Gurus
werden müssen. Dies beweist doch sicher, dass Srila Prabhupada das
ritvik
-System nicht als permanent vorgesehen hatte?“
Srila Prabhupada hat niemals jemanden dazu ernannt oder angewiesen nach
seinem Verscheiden
diksa
-Guru zu werden. Beweise für diese Behauptung
wurden niemals erbracht. In der Tat haben viele ältere, führende Mitglieder der
ISKCON dies zugegeben:
„Und es ist Fakt, dass Srila Prabhupada niemals sagte: ,Hier ist der
nächste
acarya
, oder hier sind die nächsten elf
acaryas
und sie sind
autorisierte Gurus für die Bewegung, für die Welt‘. Er hat dies nicht
getan.“
(Ravindra Svarupa das, San Diego Debatte, 1990)
Srila Prabhupada hat unmissverständlich gesagt, dass der
diksa
-Guru ein
mahabhagavata
(die höchste Stufe der Gottverwirklichung) und von seinem
eigenenspirituellenMeisterspeziell
autorisiert
seinmüsse.ErhattedieAnnahme
der Guruschaft jener, die nicht entsprechend qualifiziert waren und autorisiert
wurden, immer stark verurteilt. Wir zitieren untenstehend aus Srila Prabhupadas
Büchern, in denen die Qualifikationen des
diksa
-Gurus angegeben werden:
Maha-bhagavata
-srestho brahmano vai gurur nrnam
sarvesam eva lokanam asau pujyo yatha harih
maha-kula-prasuto’ pi sarva-yajnesu
diksitah
sahasra-sakhadhya yi ca na guruh syad avaisnavah
„Der
guru
muss auf der allerhöchsten Ebene hingebungsvollen
Dienstes verankert sein. Es gibt drei Arten von Gottgeweihten, und
der
guru
muss von der obersten Klasse akzeptiert werden.“
(
C.C. Madhya,
24.330, Erläuterung)
Wer die höchste Stellung eines
maha-bhagavata
erreicht hat, soll
als guru angenommen und genau wie Hari, die Persönlichkeit
Gottes, verehrt werden. Einzig ein solcher Mensch ist befähigt, die
Stellung eines guru einzunehmen.
(
C.C. Madhya,
24.330, Erläuterung)
Neben der Qualifikation hat Srila Prabhupada uns auch gelehrt, dass die spezielle
17
Einwände
Autorisierung durch den vorhergehenden
acarya
essentiell sei, bevor jemand
als
diksa
-Guru handeln könne:
„Allgemein wisst ihr sicherlich, dass er keine befreite Person ist, und
darum kann er niemanden in das Krsna-Bewusstsein einweihen.
Dies erfordert einen besonderen spirituellen Segen von höheren
Autoritäten.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Janardana, 26.4.68)
Man soll von einem echten spirituellen Meister, der der
Schülernachfolge angehört und der von seinem vorangegangenen
spirituellenMeisterautorisiertwordenist,dieEinweihungempfangen.
Dies nennt man
diksa-vidhana
.
(
S.B.
4.8.54, Erläuterung)
Indischer Mann:
Wann wurdet Ihr der spirituelle Führer des Krsna-
Bewusstseins?
Srila Prabhupada:
Wie bitte?
Brahmananda:
Er fragt, wann Ihr der spirituelle Führer des Krsna-
Bewusstseins wurdet?
Srila Prabhupada:
Als mein Guru Maharaja mir die Anweisung dazu erteilte.
Dies ist die Guru-
parampara
.
Indischer Mann:
Hat es...
Srila Prabhupada:
Versuchen Sie, zu verstehen. Überstürzen Sie nichts. Ein
Guru kann Guru werden, wenn er von seinem Guru die
Anweisung dazu erhält. Das ist alles. Ansonsten kann
niemand Guru werden.
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 28.10.75)
Demnach kann jemand laut Srila Prabhupada nur dann ein
diksa
-Guru werden,
wenn er sowohl die
Qualifikation
als
auch
die
Autorisierung
besitzt. Srila
Prabhupada erteilte seinen Schülern weder eine derartige Ermächtigung, noch
sagte er, dass irgendeiner seiner Schüler qualifiziert sei, Einweihungen zu geben.
Vielmehr äußerte er noch kurz vor dem 9. Juli in einer Unterhaltung, dass sie
alle noch
„bedingte Seelen“
seien und dass Wachsamkeit äußerst wichtig sei,
damit niemand sich als Guru aufspiele (siehe Anhang, Unterhaltung vom 22.
April 1977.)
Beweise, die vorgebracht werden um eine Alternative zum
ritvik
-System
zu bekräftigen, teilen sich in drei Hauptkategorien auf:
1.
Srila Prabhupadas häufige Forderung danach, dass jeder Guru werden solle,
oft in Verbindung mit dem
„amara ajnaya guru hana“
-Vers aus dem
Caitanya-
Caritamrta
.
2.
Das halbe Dutzend Briefe, in denen Srila Prabhupada erwähnt, dass seine
Die Letzte Anweisung
18
Schüler nach seinem Verscheiden
diksa
-Gurus werden würden.
3.
Andere Aussagen in Srila Prabhupadas Büchern und Vorträgen, in denen das
Prinzip, dass Schüler
diksa
-Gurus werden, erwähnt werden.
Betrachten wir zunächst Kategorie 1):
Die Anweisung, dass jeder Guru werden soll, findet sich im folgenden Vers des
Caitanya-Caritamrta,
welcher häufig von Srila Prabhupada zitiert wurde:
„Unterweise jeden, die Anweisung Sri Krsnas zu befolgen, wie sie in
der
Bhagavad-gita
und im
Srimad-Bhagavatam
gegeben sind. Werde
auf diese Weise ein spiritueller Meister und befreie jeden in diesem
Land.“
(
C.C. Madhya
, 7.128)
Die
Art
des Gurus, zu der Lord Caitanya
jeden
zu werden ermutigt, wird jedoch
in den auf den Vers folgenden detaillierten Erläuterungen deutlich festgelegt:
„das heißt, man soll zu Hause bleiben, den Hare-Krsna-mantra
chanten und die Unterweisung Krsnas in der
Bhagavad-gita
und im
Srimad-Bhagavatam
predigen.“
(
C.C. Madhya
, 7.128, Erläuterung)
„Man kann Haushälter, Arzt, Ingenieur oder was immer bleiben.
Es ist unerheblich. Man braucht nur der Anweisung Sri Caitanya
Mahaprabhus zu folgen, den Hare-Krsna-
maha-mantra
zu chanten
und Verwandte und Freunde in den Lehren der
Bhagavad-gita
und
des
Srimad-Bhagavatam
zu unterweisen. (...) Es ist am besten, keine
Schüler anzunehmen.“
(
C.C. Madhya
, 7.130, Erläuterung)
Wir können sehen, dass diese Anweisungen von den betreffenden Gurus nicht
verlangen, dass sie zunächst eine gewisse Stufe der Verwirklichung erreichen,
bevor sie handeln. Die Forderung ist unmittelbar. Daher ist klar, dass hier jeder
einfach nur dazu ermutigt wird, das zu predigen, was er weiß und dadurch
siksa
oder anweisender Guru zu werden. Dies wird noch weiter durch die Festlegung
verdeutlicht, dass die
siksa
-Gurus diese Position beibehalten und anschließend
keine diksa
-Gurus werden sollen:
„Es ist am besten, keine Schüler anzunehmen.“
(
C.C. Madhya
, 7.130, Erläuterung)
Schüler anzunehmen ist die Haupttätigkeit eines
diksa
-Gurus, während ein
siksa
-Guru einfach nur seine Pflichten ausführen und so gut er kann das Krsna-
Bewusstsein predigen muss. Aus Srila Prabhupadas Worten geht klar hervor,
dass Lord Caitanya in dem obigen Vers in der Tat
siksa
-Gurus autorisiert und
keine
diksa
-Gurus.
Dies wird auch anhand der vielen anderen Gelegenheiten, bei denen Srila
19
Einwände
Prabhupada jeden ermutigte Guru zu werden, mehr als deutlich:
yare dekha, tare kaha, krsna-upadesa
. Ihr müsst nichts erschaffen.
Was Krsna bereits gesagt hat, wiederholt ihr. Fertig. Fügt nichts
hinzu, verfälscht nichts. Dann werdet ihr Guru [...] Ich mag ein Narr
sein, ein Schurke [...] Daher müssen wir diesem Weg folgen, so dass
ihr Guru werdet, die Menschen in eurerUmgebung,Arbeitskollegen
erlöst, aber sprecht die autoritativen Worte Krsnas. Dann wird es
geschehen. [...] Jeder kann das tun. Sogar ein Kind kann das tun.“
(Srila Prabhupada Abend-darshan, 11.5.77, Hrsikesh)
„Weil sich die Menschen in Dunkelheit befinden, benötigen wir viele
Millionen Gurus, um sie zu erleuchten. Darum ist dies der Auftrag
Caitanya Mahaprabhus [...] Er sagte ‚Ihr sollt alle Gurus werden.‘“
(Srila Prabhupada Vortrag, 21.5.76, Honolulu)
„Du erklärst bloß: [...] ‚Denke einfach ständig an Mich‘, sagte Krsna,
‚Und werde einfach Mein Geweihter. Verehre Mich und erweise Mir
deine Ehrerbietungen.‘ Bitte tu diese Dinge.“ Wenn du also einen
Menschen dazu bewegen kannst, diese Dinge zu tun, wirst du Guru.
Gibt es dabei irgendwelche Schwierigkeiten?“
(Srila Prabhupada Unterhaltung, 2.8.76, New Mayapur)
„Ein echter Guru ist jemand, der Anweisungen über das gibt, was
Krsna gesagt hat.... Du musst einfach nur sagen: ,Das ist das.‘ Das
ist alles. Ist das eine sehr schwierige Aufgabe?“
(Srila Prabhupada Vortrag, 21.5.76, Honolulu)
„...,Aber ich habe keine Qualifikation. Wie kann ich denn dann Guru
werden?’EineQualifikationistnichtnötig.Unterrichteeinfachjeden,
den du triffst, über das, was Krsna gesagt hat. Das ist alles. Dann
wirst du Guru.“
(Srila Prabhupada Vortrag, 21.5.76, Honolulu)
(Erstaunlicherweise haben einige Gottgeweihte Zitate wie die obigen als
Rechtfertigung für
„minimal qualifizierte
diksa
-Gurus“ verwendet“
*(1)
, Ein
Ausdruck, der nicht ein einziges Mal in irgendeinem von Srila Prabhupadas
Büchern, Briefen oder in seinen Vorträgen und Unterhaltungen erwähnt
wird.)
Ein Beispiel eines Gurus, der keine Qualifikation hat, abgesehen davon, das
zu wiederholen, was er gehört hat, kann in jedem
bhakta
-Einführungskurs der
ISKCON gefunden werden. Es ist daher absolut klar, dass das oben Genannte
eigentlich eine Einladung darstellt, anweisende spirituelle Meister oder
siksa
-
Gurus zu werden. Wir wissen dies, da Srila Prabhupada uns bereits in seinen
Büchern die viel strengeren Anforderungen erklärt hat, die nötig sind, wenn
jemand ein
diksa
-Guru werden will:
Die Letzte Anweisung
20
„Wer die höchste Stellung eines
maha-bhagavata
erreicht hat, soll als
guru angenommen und genau wie Hari, die Persönlichkeit Gottes,
verehrt werden. Einzig ein solcher Mensch ist befähigt, die Stellung
eines guru einzunehmen.“
(
C.C. Madhya
, 24.330, Erläuterung)
„Man soll von einem echten spirituellen Meister, der der
Schülernachfolge angehört und der von seinem vorangegangenen
spirituellen Meister autorisiert worden ist, die Einweihung
empfangen. Dies nennt man
diksa-vidhana
.“
(
S.B.
4.8.54, Erläuterung)
Im obigen Zitat erklärt Srila Prabhupada, dass dieAnweisung, ein einweihender
Guru zu werden, direkt von seinem eigenen Guru empfangen werden muss. Die
allgemeine Anweisung von Lord Caitanya gab es bereits seit 500 Jahren. Es
ist offensichtlich, dass Srila Prabhupada nicht in Betracht zog
amara ajnaya
guru hana
, würde speziell auf
diksa
verweisen. Warum bräuchten wir denn
sonst
noch eine
besondere Anweisung von unserem direkten
acarya
? Diese
allgemeineAnweisung von Lord Caitanya muss sich auf
siksa
, nicht
diksa
-Gurus
beziehen.
Diksa
-Gurus sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wohingegen Srila
Prabhupada eine Vision von Millionen
siksa
-Gurus hatte, zu denen Männer,
Frauen und Kinder gehören sollten.
Betrachten wir nun Kategorie 2):
Es gab eine Handvoll zu selbstbewußter Devotees, die begierig darauf waren,
in Srila Prabhupadas Gegenwart ihre eigenen Schüler einzuweihen, denen
Srila Prabhupada Briefe schrieb. Diese Briefe werden verwendet, um das
M.A.S.S. zu bekräftigen. Srila Prabhupada hatte eine ziemlich standardisierte
Herangehensweise, wenn er sich mit solchen ehrgeizigen Individuen befasste.
Allgemein sagte er ihnen, sie sollten strikt weiter folgen, und in Zukunft, nach
seinem Verscheiden, könnten sie Schüler annehmen:
„Alsersteswarneichdich,Acyutananda,versuchenicht,einzuweihen.
DubistnichtinderrichtigenPosition,umjemandeneinzuweihen.[...]
Lass dich nicht von solch
maya
verleiten. Ich schule euch alle dazu,
in Zukunft spirituelle Meister zu werden. Überstürze nichts.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Acyutananda und Jaya Govinda,
21.8.68)
„Vor einer Weile batest du mich um meine Erlaubnis, einige Schüler
annehmen zu dürfen. Nun ist die Zeit gekommen, in der du aufgrund
deines starken Predigens bald sehr viele Schüler haben wirst.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Acyutananda, 16.5.72)
„Ich habe gehört, dass einige der anderen Devotees dich verehren.
21
Einwände
Natürlich ist es richtig, einem Vaisnava Ehrerbietungen zu machen,
jedochnichtinGegenwartdesspirituellenMeisters.NachVerscheiden
des spirituellen Meisters wird dieserPunkt kommen, doch nun warte.
Sonst wird es Zersplitterungen geben.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Hamsadutta, 1.10.74)
„Fahrefort,weiterhinstrengzulernen,dannwirstdueinwahrerGuru
undkannstnachdemgleichenPrinzipSchülerannehmen.Dochgemäß
der Etikette ist es zu Lebzeiten deines spirituellen Meisters üblich,
potentielle Schüler zu ihm zu bringen und in seinerAbwesenheit oder
bei seinem Verscheiden kannst du ohne Einschränkungen Schüler
annehmen. Dies ist das Gesetz der Schülernachfolge. Ich möchte
sehen, dass meine Schüler echte spirituelle Meister werden und das
Krsna-Bewusstsein sehr weit verbreiten, dies wird mich und Krsna
sehr glücklich machen.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Tusta Krsna, 2.12.75)
Es ist interessant festzustellen, dass obwohl
GII
das obige
„Gesetz“
als Beleg für
die M.A.S.S.-Doktrin verwendet, in exakt dem
gleichen
Dokument behauptet
wird, dass es eigentlich überhaupt kein Gesetz sei:
„Es gibt viele Stellen in den Schriften, die berichten, dass Schüler
in Gegenwart des Gurus Einweihungen durchführen, [...] In den
Schriften gibt es keine spezielleAnweisung darüber, dass ein Schüler
keine Einweihung geben darf, während der Guru gegenwärtig ist.“
(
GII
, S. 23)
Eifer, Verehrung und Anhänger anzunehmen ist eine Disqualifikation für einen
spirituellen Meister. Wir können nur über die Macht des falschen Egos staunen,
aufgrund dessen sich einige Personen selbst in Gegenwart des mächtigsten
acarya
, den dieser Planten jemals gesehen hatte, ausreichend qualifiziert fühlten,
um ihre eigenen Schüler direkt vor Srila Prabhupadas Nase einzuweihen!
*(2)
Es ist klar, dass Srila Prabhupada, als er diesen Devotees schrieb und ihnen
sagte, sie könnten Schüler annehmen, wenn sie nur noch etwas warten würden,
lediglich versuchte, sie weiterhin im hingebungsvollen Dienst zu beschäftigen.
Auf diese Weise bestand zumindest die Möglichkeit, dass ihre ehrgeizige
Mentalität geläutert werden würde.
Demütige Gottgeweihte, die fleißig ihren Dienst in selbstloser Aufopferung an
den spirituellen Meister erbrachten, hätten niemals einen Brief erhalten, der ihre
glänzende Zukunft als
diksa
-Gurus beschrieb. Warum sollte Srila Prabhupada
die
diksa
-Guruschaft nur denen ernsthaft versprechen, die am ehrgeizigsten und
somit am wenigsten qualifiziert waren?
Was Aussagen betrifft, die besagen, dass es ihnen frei stünde, nach seinem
Die Letzte Anweisung
22
Verscheiden einzuweihen, so sind diese wahr. Genau wie es in England jedem
freisteht,Auto zu fahren, sobald er 17 Jahre alt ist. Wir dürfen jedoch zwei kleine
Vorschriften nicht vergessen. Erstens muss man qualifiziert sein zu fahren und
zweitens muss man von der Führerscheinstelle dieAutorisierung erhalten, fahren
zu dürfen. Der Leser kann seine eigenen Parallelen ziehen.
In einem weiteren Brief, der zur Unterstützung des M.A.S.S. zitiert wird, heißt
es:
„Bis 1975 werden all jene, die alle oben genannten Prüfungen
bestanden haben, speziell dazu ermächtigt werden, Einweihungen
durchzuführen und die Zahl der Mitglieder des Krsna-Bewusstseins
zu erhöhen.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Kirtanananda, 12.1.69)
Bestätigt die obige Aussage die Einstellung der letzten Anweisung bezüglich
Einweihungen?
Da dies ein Versuch ist, das
ritvik
-System aufgrund von persönlichen
Briefen zu beenden, werden wir uns hier auf Srila Prabhupadas
„Gesetz der
Schülernachfolge“
berufen. Der erste Teil des
„Gesetzes“
besagt, dass ein
Schüler nicht als einweihender
acarya
handeln darf, wenn sein eigener Guru
physisch anwesend ist. Da dies das
„Gesetz“
war, konnte mit obigem Brief
sicher nicht gemeint sein, dass Srila Prabhupadas Schüler in ihrem eigenen
Namen Einweihungen durchführen sollten.
Srila Prabhupada war 1975 noch
auf der Erde.
Daraus können wir nur schlussfolgern, dass er bereits 1969 über
eineArt
„Stellvertreter“
-System für Einweihungen nachdachte. Wie sich heraus
stellte, hatte Srila Prabhupada bis 1975 tatsächlich Devotees wie Kirtanananda
„ermächtigt“
oder autorisiert, auf Gebetsketten zu chanten und in seinem Namen
Einweihungen durchzuführen. Der obige Brief scheint demnach die zukünftige
Verwendung von Stellvertretern zum Zwecke von Einweihungen vorherzusagen.
Später gab er diesen Stellvertretern den Titel
ritviks
und formalisierte ihre
Funktion in dem Brief vom 9. Juli. Auch hier wäre es irrsinnig zu behaupten,
dass Srila Prabhupada Kirtanananda eigentlich dazu autorisierte, als
sampradaya
einweihender
acarya
zu handeln, sofern er nur ein paar Prüfungen bestand.
„Jeder der denAnweisungen Sri Caitanyas unter der Führung seines
echten Stellvertreters folgt, kann ein spiritueller Meister werden,
und ich wünsche mir, dass in meinerAbwesenheit alle meine Schüler
echte spirituelle Meister werden, um das Krsna-Bewusstsein auf der
ganzen Welt zu verbreiten.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Madhusudana, 2.11.67)
UnterVerwendung des obigen Zitats wurde argumentiert, dass Srila Prabhupada,
da er erwähnt, dass Schüler in seiner Abwesenheit spirituelle Meister werden
23
Einwände
sollen, sich auf
diksa
bezogen haben muss, da sie bereits
siksa
-Gurus waren. Es
ist jedoch auch möglich, dass Srila Prabhupada ganz einfach seine allgemeine
Ermutigung wiederholte, dass alle seine Schüler gute
siksa
-Gurus werden sollten
und dass sie auch in seiner Abwesenheit weiterhin gute
siksa
-Gurus werden
sollten. Es wird im obigen Zitat definitiv nichts davon erwähnt, dass seine
Schüler ihre
eigenen
Schüler einweihen oder akzeptieren sollen. Der Ausdruck
„echter spiritueller Meister, um das Krsna-Bewusstsein auf der ganzen Welt zu
verbreiten“
gilt gleichermaßen für einen
siksa
-Guru.
Selbst wenn Briefe wie diese irgendeine andere Art von Guru-System andeuten
würden, könnten sie trotzdem nicht dazu verwendet werden, die Anweisung
vom 9. Juli zu verändern, da diese Anweisungen für den Rest der Bewegung
nicht wiederholt wurden. Die betreffenden Briefe wurden bis 1986 nicht einmal
veröffentlicht. Gelegentlich wird behauptet, dass einige dieser Briefe an andere
Mitglieder der Gesellschaft weitergegeben wurden. Dies mag so gewesen sein
oderauchnicht.DerentscheidendePunktjedoch,denes festzuhaltengilt,ist,dass
dieVerbreitung dieser Briefe scheinbar niemals von Srila Prabhupada angeordnet
oder persönlich genehmigt wurde. Wir haben keinen Beweis dafür gesehen, dass
Srila Prabhupada jemals angeordnet hat, dass seine private Korrespondenz an
alle und jeden weitergegeben werden sollte. Einmal schlug er beiläufig vor, dass
seine Briefe veröffentlicht werden könnten,
„wenn dazu Zeit wäre“
. Er deutete
aber niemals an, dass ohne diese Dokumente niemand wissen würde, wie das
M.A.S.S.-System nach seinem Verscheiden richtig funktionieren würde.
Um ein Argument dafür aufzubauen, was 1977 hätte getan werden sollen, kann
man nur die Beweise verwenden, die schon zu jener Zeit in autorisierter Form frei
verfügbar waren. Wenn solche Briefe wirklich unerlässlich für das Verständnis
wären, wie SrilaPrabhupada Einweihungen dienächsten Zehntausend Jahrelang
durchführen lassen wollte, hätte er ihre Veröffentlichung und flechendeckende
Verteilung zu einerAngelegenheit von höchster Dringlichkeit erklärt. Es bestand
schließlich durchaus die Möglichkeit, dass nicht alle führenden Mitglieder seine
private Korrespondenz gelesen und so ein klares Verständnis darüber gewonnen
hatten, wie genau Einweihungen nach seinem Verscheiden durchzuführen seien.
Wir wissen, dass dies durchaus mehr als nur eine Möglichkeit darstellt, da der
gesamte GBC selbst am 28. Mai 1977 noch keine Ahnung hatte, was Srila
Prabhupada plante (siehe Unterhaltung vom 28. Mai im Anhang, S. 133).
Angesichts der oben genannten Tatsachen, kann jeder Versuch, die Anweisung
vom 9. Juli auf Grund dieser Handvoll Briefe abzuändern, nur als grenzenlos
unangemessen eingestuft werden. Wenn solche Briefe wichtige Anhänge seiner
letzten Anweisung gewesen wären, hätte Srila Prabhupada dies mit Sicherheit
in der Anweisung selbst oder in einem begleitenden Dokument deutlich
gemacht.
Die Letzte Anweisung
24
Letztlich war die einzige Position, die irgendjemandem in Bezug auf Einwei-
hungen zugestanden wurde, die als Stellvertreter des
acarya
bzw.
ritvik
.
Betrachten wir zum Abschluss Kategorie 3):
Es gibt verschiedene Aussagen in Srila Prabhupadas Büchern und Vorträgen,
die benutzt wurden, um die Auflösung des
ritvik
-Systems zu rechtfertigen. Wir
werden diese Beweise nun untersuchen.
In Srila Prabhupadas Büchern sind die Qualifikationen eines
diksa
-Gurus nur
allgemein beschrieben. Es wird nicht direkt erwähnt, dass seine eigenen Schüler
fortfahren sollen,
diksa
-Gurus zu werden. Vielmehr wiederholen die Zitate
lediglich den Punkt, dass jemand hoch qualifiziert und autorisiert sein muss,
bevor er auch nur versuchen kann, ein
diksa
-Guru zu werden:
„Wer jetzt der Schüler ist, ist der nächste spirituelle Meister. Man
kann kein echter und bevollmächtigter spiritueller Meister sein,
wenn man nicht seinem spirituellen Meister streng gehorsam war.“
(
S.B.
2.9.43, Erläuterung)
Die obige Anordnung gibt wohl kaum jedem einen Freifahrtschein zur
Durchführung von Einweihungen, nur weil sein Guru den Planeten verlassen
hat. Der Gedanke, dass der Guru den Planeten verlässt, wird hier noch nicht
einmal erwähnt, sondern lediglich die Idee, dass sie autorisiert sein und streng
gehorsam gewesen sein müssen. Wir wissen außerdem, dass sie zunächst die
Ebene des
maha-bhagavata
erreicht haben müssen.
EinigeGottgeweihteverweisenaufdenAbschnittin
EasyJourneytoOtherPlanets
(S.32),dersichmit
„kontrollierenden“
oder
„überwachendenGurus“
(Engl.:
„monitor-Gurus“
)
befasst, um einen Beweis zur Unterstützung des M.A.S.S.
und der daraus resultierenden Auflösung des
ritvik
-Systems zu liefern. Diese
geschickteKlassenzimmer-AnalogiedefiniertjedocheindeutigdieStellungeines
siksa
und nicht eines
diksa
-Gurus. In diesem Abschnitt handelt der
„Wächter“
im Namen des Lehrers. Er selbst ist kein Lehrer. Er könnte sich als Lehrer
qualifizieren, aber dies ist ein Prozess und es wird nicht beschrieben, dass dies
automatisch beim Verscheiden des Lehrers (der offensichtlich dem
diksa
-Guru
entspricht) geschieht. Ein Wächter-Guru kann definitionsgemäß nur
siksa
-
Schüler haben und zwar eine begrenzte Anzahl. Sobald ein solcher
„Wächter“
sich qualifiziert hat, d. h. die Ebene des
maha-bhagavata
erreicht hat und dann
von seinem vorhergehenden
acarya
autorisiert wird, macht es keinen Sinn, ihn
weiterhin als
„Wächter“
zu bezeichnen. Er wird dann selbst zum Lehrer. Sobald
er selbst ein Lehrer ist, kann er eine unbegrenzteAnzahl an Schülern annehmen.
Der
„Wächter“
ist also der
siksa
-Guru, der Lehrer ist der
diksa
-Guru und wenn
der
siksa
-Guru dem
diksa
-Guru strikt folgt, kann er allmählich auf die Ebene
gelangen, die notwendig ist, damit die
diksa
-Autorisierung theoretisch erfolgen
25
Einwände
kann. Darüber hinaus hilft ein
„Wächter“
dem Lehrer lediglich, während der
Lehrer anwesend ist. Wären die
„Wächter“
tatsächlich
diksa
-Gurus, würde dies
wieder dem
„Gesetz“
der Schülernachfolge widersprechen, das verwendet wird,
um das M.A.S.S.-System zu unterstützen. Mit anderenWorten, ein
„Wächter“
ist
keine Person, die erscheint, um den Lehrer zu ersetzen oder abzulösen, sondern
er existiert parallel oder neben ihm.
Mit Sicherheit unterstützt das
„Wächter“
-System in keinerlei Hinsicht die
Behauptungen a) und b) des GBC: Dass das
ritvik
-System bei Srila Prabhupadas
Verscheiden beendet werden sollte und dass die
ritviks
dann automatisch
diksa
-
Gurus werden könnten.
Es gibt andere Stellen, außerhalb von Srila Prabhupadas persönlichen Briefen,
die zitiert werden, um eine Autorisierung herzuleiten, die es seinen Schülern
erlaubt,
diksa
-Gurus zu werden:
„Jetzt, Zehnter, Elfter, Zwölfter. Mein Guru Maharaja ist derZehnte
seit Caitanya Mahaprabhu, ich bin der Elfte, ihr seid der Zwölfte.
Verbreitet dieses Wissen weiter.“
(Srila Prabhupada Ankunfsvortrag 18.5.72, Los Angeles)
„Gleichzeitig werde ich sie alle bitten, spirituelle Meister zu werden.
Jeder von euch soll spiritueller Meister werden.“
(Srila Prabhupada
Vyasa-Puja
Ansprache, 5.9.69, Hamburg)
DasersteZitaterwähntdeutlich,dassSrilaPrabhupadasSchülerbereitsanzwölfter
Stelle stehen, d.h. der zwölften Generation nach Sri Caitanya angehören -
„ihr
seid
der Zwölfte“.
Somit ist dies keine Art von Autorisierung für sie, künftig
diksa
-Gurus zu werden, sondern lediglich eine Aussage, dass sie die Botschaft
der
parampara
bereits weiter verbreiten. Das zweite Zitat ist von ähnlicher
Natur. Es besagt zweifellos, dass seine Schüler die nächsten in der Reihe sind.
Doch wie das erste Zitat erklärt, ist die Nachfolge durch das kraftvolle Predigen
der Schüler bereits eingetreten. Auf jeden Fall gibt es keine klare, eindeutige
Anweisung, Schüler anzunehmen, sondern lediglich eine zu predigen. Nur weil
er seine Schüler bat, spirituelle Meister zu werden, bedeutet dies nicht, dass
er wollte, dass sie
einweihende
spirituelle Meister werden würden. Darauf zu
bestehen, dass er dies meinte, ist reine Spekulation. Vielmehr wissen wir, dass
dies
falsch
ist, denn die letzteAnweisung machte deutlich, dass seine Schüler nur
als Stellvertreter des
acarya
handeln sollten, und nicht die Funktion irgendeiner
Art von einweihendem oder
diksa
-Guru ausüben sollten.
Zu argumentieren, dass solche Aussagen die letzte Anweisung außer Kraft
setzen würden ist unhaltbar, und kann leicht widerlegt werden, indem man
andere Aussagen Srila Prabhupadas betrachtet, insbesondere in Bezug darauf,
was nach seinem Verscheiden geschehen würde, die der obigen Behauptung
Die Letzte Anweisung
26
völlig widersprechen:
Reporter:
Was wird mit der Bewegung in den Vereinigten Staaten
passieren, wenn Sie sterben?
Srila Prabhupada: Ich werde niemals sterben.
Devotees:
Jaya! Haribol!
(Gelächter)
Srila Prabhupada:
Ich werde durch meine Bücher weiterleben und die werdet
ihr verwenden.
(Srila Prabhupada Pressekonferenz, 16.7.75, San Francisco)
Wäre es seine Intention gewesen ein M.A.S.S. einzuführen, wäre dies eindeutig
eine Gelegenheit für Srila Prabhupada gewesen, seine Pläne offenzulegen.Aber
anstatt auszusagen, dass seine Schüler als
diksa
-Gurus seine Nachfolge antreten
würden, sagte er, er würde niemals sterben und seine Bücher würden alles
Notwendige darlegen. Aus dem obigen Wortwechsel lässt sich verstehen, dass
Srila Prabhupada ein
lebender
spiritueller Meister ist, der mittels seiner Bücher
fortfährt, transzendentalesWissen zu übermitteln (der wichtigste Bestandteil von
diksa
), und dass dies weiterhin so sein wird, solange die ISKCON existiert. Die
Rolle seiner Schüler war es, diesen Vorgang zu erleichtern.
„Werdet nicht vorzeitig
acarya
. Folgt zuallerst denAnweisungen des
acarya
, dann werdet ihr reifen. Dann ist es besser,
acarya
zu werden.
Denn wirsind interessiert daran,
acaryas
zu schaffen, abergemäß der
Etikette sollte niemand
acarya
werden solange derGuru gegenwärtig
ist. Selbst wenn jemand bereit ist, sollte er es nicht tun, denn die
Etikette besagt, dass wenn jemand eingeweiht werden möchte, es die
Pflicht dieser Person ist, den potentiellenAnwärter zu seinem
acarya
zu bringen.“
(Srila Prabhupada C.c. Vortrag, 6.4.75, Mayapur)
Das obige Zitat erwähnt in der Tat das Prinzip, dass seine Schüler später
acaryas
werden. Die Betonung liegt aber gänzlich darauf, dass sie es nicht
jetzt
tun
sollen. Tatsächlich scheint Srila Prabhupada das Prinzip, dass seine Schüler
acaryas
werden, nur dann zu erwähnen, wenn er sie warnt, dies nicht in seiner
Gegenwart zu tun. Ähnlich wie in den oben genannten persönlichen Briefe. Dies
ist ganz klar keine spezifischeAnweisung an bestimmte Individuen ihre eigenen
Schüler anzunehmen, sondern eher eine generelle Erklärung eines Prinzips. Wie
wir später anhand des
„Ernennungs-Tonbands“
(S. 37) sehen werden, welches in
GII
als Beweis für das M.A.S.S.-System verwendet wird, hatte Srila Prabhupada
selbst im Mai 1977 noch keineAnweisung für
diksa
-Gurus gegeben (
Auf
meine
Anweisung,[...]
Aber
aufmeineAnweisunghin,[...]
Wenn
icheuchdieAnweisung
gebe“
) und diese Situation blieb bis zu seinem Verscheiden unverändert. Später
ermutigt Srila Prabhupada seine Schüler in dem zitierten Vortrag außerdem,
diese Ambitionen
acarya
zu werden, wie folgt umzuwandeln:
27
Einwände
„Und es ist nicht sehr schwierig,
acarya
zu werden. [...]
amara ajnaya
guru hana tara ei desa, yare dekha tare kaha krsna-upadesa
: „Indem
Ihr meinen Anweisungen folgt, werdet ihr Guru.“ [...] Dann in
Zukunft... nehmen wir an, ihr seid jetzt Zehntausend. Dann werden
wir auf Hunderttausend anwachsen. Das ist erwünscht. Dann von
Hunderttausend auf eine Million; und von einer Million auf zehn
Millionen.“
(Srila Prabhupada C.c. Vortrag, 6.4.75, Mayapur)
Es wurde bereits aufgezeigt, dass Lord Caitanyas Anweisung darin bestand,
energisch zu predigen und viele Krsna-bewußte Anhänger zu gewinnen, aber
nicht
darin, Schüler anzunehmen. Dieser Punkt wird nochmals betont, wenn
Srila Prabhupada seine Schüler dazu ermutigt, viele neue Gottgeweihte zu
gewinnen. Es ist von Bedeutung, dass Srila Prabhupada sagt
„Nehmen wir an,
ihr seid
jetzt
Zehntausend...“
(d. h. in Srila Prabhupadas Gegenwart.) Daher ist
klar, dass er über die Anhänger des Krsna-Bewusstseins spricht, nicht über die
„Schüler seiner Schüler“
, da der Hauptpunkt des Vortrags war, dass sie in seiner
Gegenwart keine eigenen Einweihungen durchführen sollten. Damit wird also
angedeutet, dass es ebenso wie es zu jenem Zeitpunkt in etwa Zehntausend
Anhänger des Krsna-Bewusstseins gab, in Zukunft Millionen hinzukommen
würden. Das
ritvik
-System sollte sicher stellen, dass diese Anhänger
diksa
von Srila Prabhupada empfangen können, wenn sie sich ausreichend für die
Einweihung qualifiziert haben, genau so wie seine Schüler dies tun konnten,
als er den obigen Vortrag hielt.
Schlussfolgerung
EsgibtkeineBeweisedafür,dassSrilaPrabhupadaseinenSchülernkonkrete
Anweisungen gab,
diksa
-Gurus zu werden und damit eine Alternative zum
ritvik
-System einführte.
Was es
gibt
ist eine Handvoll von (zu jener Zeit) noch nicht veröffentlichten
persönlichen Briefen, die nur Individuen geschickt wurden, die den Wunsch
hegten, noch in Srila Prabhupada Gegenwart
diksa
-Gurus zu werden, auch
wenn sie manchmal erst kurze Zeit vorher der Bewegung beigetreten waren.
In solchen Fällen wurde ihnen gesagt, sie sollten warten, bis Srila Prabhupada
den Planeten verlässt, bevor sie ihre Ambitionen in die Tat umsetzen. Schon
die Tatsache, dass diese Briefe zum Zeitpunkt, als die Anweisung vom 9. Juli
herausgegeben wurde, noch nicht veröffentlicht worden waren, bedeutet, dass
sie nicht dafür vorgesehen waren, irgendeinen direkten Einfluss auf die Zukunft
des Einweihungssystems in der ISKCON zu haben.
Darüber hinaus enthalten Srila Prabhupadas Bücher und Unterhaltungen nur
Anweisungen an seine Schüler,
siksa
-Gurus zu werden. Obwohl das generelle
Prinzip erwähnt wird, wie ein Schüler
diksa
-Guru wird, gibt Srila Prabhupada
Die Letzte Anweisung
28
seinen Schülern nicht explizit die Anweisung, eigene Schüler anzunehmen und
einzuweihen.
Die obigen Zitate können in keinster Weise die explizite Anweisung vom 9.
Juli ersetzen. Eine Anweisung, die als spezielle Richtlinie an die gesamte
Bewegung verteilt wurde.
Es gibt kein vergleichbares Dokument, welches das
M.A.S.S. beschreibt.
Daher ist die Idee, Srila Prabhupada hätte immer und überall gelehrt, dass alle
seine Schüler direkt zum Zeitpunkt seines Verscheidens, kurz danach oder
überhaupt jemals,
diksa
-Gurus werden sollten, nichts weiter als ein Mythos.
Es wird häufig behauptet, dass Srila Prabhupada im Brief vom 9. Juli nicht
ausdrücklichformulierenbrauchte,wasbezüglichkünftigerEinweihungengetan
werden sollte, da er in seinen Büchern, Briefen, Vorträgen und Unterhaltungen
immer wieder genau erklärt hatte, was seinem Wunsch nach geschehen solle.
Traurigerweise ist diese Behauptung nicht nur völlig falsch, sondern wirft auch
weitere Absurditäten auf:
Wenn Srila Prabhupadas bisherige Lehren darüber, wie nach seinem
Wunsch Einweihungen in seiner Abwesenheit fortgeführt werden sollten,
so glasklar waren, dass er keinen Bedarf sah, eine spezielle Anweisung zu
diesem Thema herauszugeben, warum sandte der GBC dann überhaupt
eine Sonderdelegation an Srila Prabhupadas Krankenbett? Eine Delegation,
deren Hauptziel es war, herauszufinden, was bezüglich Einweihungen
getan werden sollte -
„insbesondere“
zu jener Zeit, in der er nicht mehr bei
ihnen war (siehe
„Ernennungs-Tonband“
, S.37)! Wir sollen also glauben,
dass Srila Prabhupadas Senior-Schüler Srila Prabhupada
grundlegende
Fragen stellten, als dieser krank war und kurz davor stand seinen Körper
zu verlassen, obwohl er diese Fragen im vorherigen Jahrzehnt angeblich
schon längst beantwortete hatte.
Wenn Srila Prabhupada das M.A.S.S.-System deutlich formuliert hatte,
warum ließ er dann so wenige Anweisungen bezüglich dessen Einführung
zurück, dass sich seine Senior-Schüler kurz nach seinem Verscheiden
gezwungen sahen, Sridhar Maharaja (von der Gaudiya Math) zu befragen,
wie es durchgeführt werden sollte?
Wennwirklichallensogenauklarwar,dassSrilaPrabhupadawünschte,jeder
solle
diksa
-Guru werden, stellt sich die Frage wieso der GBC dann zunächst
das Zonen-
acarya
-System einführte, in welchem die
diksa
-Guruschaft strikt
begrenzt war und ließ dieses fast ein ganzes Jahrzehnt lang in Kraft?
Auch wenn wir etwas kritisch gegenüber derAbhandlung
GII
des GBC gewesen
sind, enthält sie jedoch einen Abschnitt, der sich mit dieser Sache befasst,
29
Einwände
und von dem wir das Gefühl haben, dass er die Stimmung einfängt, die Srila
Prabhupadas Familie wieder vereinen wird:
„Die einzige Pflicht eines Schülers besteht darin, seinen spirituellen
Meisterzu verehren und ihm zu dienen. Ersollte sich keine Gedanken
darübermachen, wie erGuru werden könnte. Ein Gottgeweihter, der
ernsthaft spirituellen Forschritt erzielen möchte, sollte versuchen,
ein Schüler und nicht spiritueller Meister zu werden.“
(
GII
, S. 25, GBC 1995, Hervorhebung hinzugefügt).
Dieser Aussage stimmen wir vollkommen zu.
---------------------------------------------------------------------------------------------
* (1)
– Diese Interpretation wird inAjamila das’Abhandlung
„Regular or
Ritvik
vertreten, welche 1990 im
ISKCON Journal
des GBC veröffentlicht wurde.
* (2)
-Wir möchten darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der oben genannten
Gottgeweihten inzwischen ihre Fehler erkannt haben und möchten uns damit
für jegliche Beleidigung oder Bloßstellung, die wir zu verantworten haben,
entschuldigen. Vielleicht schätzen sie die Tatsache, dass von Srila Prabhupada
versandte Briefe, die sich speziell mit ihren individuellen
anarthas
auseinander-
setzen, derzeit verwendet werden, um das M.A.S.S. innerhalb der ISKCON zu
rechtfertigen.
8.„Vielleichtgibtesein
sastrisches
PrinzipinSrilaPrabhupadasBüchern,
welches es verbietet, dass
diksa
gewährt wird, wenn der Guru sich nicht
auf dem selben Planeten wie der Schüler befindet?“
Es gibt keine derartige Aussage in Srila Prabhupadas Büchern. Da Srila
Prabhupadas Bücher alle essentiellen Prinzipien der
sastras
enthalten, kann es
eine solche Einschränkung in unserer Philosophie einfach nicht geben.
Tatsächlich würde die Verwendung eines
ritvik
-Systems nach Srila Prabhupadas
Verscheiden mit den vielen Anweisungen Srila Prabhupadas übereinstimmen,
die darauf hinweisen, dass physische Gemeinschaft innerhalb der Guru-Schüler-
Beziehung unwichtig ist (siehe Anhang). Nach dem Lesen dieser Zitate wird
klar, dass einige Mitglieder des GBC in den vergangenen Jahren ein etwas
anderes Bild dargestellt haben:
„Srila Prabhupada hat uns gelehrt, dass die Schülernachfolge eine
lebendeAnlegenheit ist. [...] Das Gesetz derSchülernachfolge besteht
darin, dass jemand einen lebenden spirituellen Meister aufsucht -
lebend im Sinne von physisch anwesend.“
(Sivarama Swami,
ISKCON Journal
, S.31, GBC 1990)
Die Letzte Anweisung
30
Es ist schwierig, die obige Behauptung mit Aussagen wie dieser in Einklang
zu bringen:
„Physische Anwesenheit ist nicht wichtig.“
(Srila Prabhupada Private Unterhaltung, 6.10.77, Vrindavan)
oder
„Physische Anwesenheit ist nebensächlich.“
(Srila Prabhupada in einem Brief, 19.1.67)
Natürlich müssen wir einen externen Guru haben, denn im bedingten Zustand
ist es nicht möglich, sich lediglich auf die Überseele zu verlassen. Doch Srila
Prabhupada lehrt nirgends, dass dieser physische Guru auch physisch anwesend
sein muss:
„AusdiesemGrundmüssenwirdie
vani
nutzenundnichtdiephysische
Gegenwart.“
(
C.C. Antya,
Schlussworte)
Srila Prabhupada hat dieses Prinzip praktisch veranschaulicht, indem er eine
Vielzahl seiner Schüler einweihte, ohne ihnen jemals physisch zu begegnen.
Diese Tatsache an sich beweist, dass
diksa
ohne jegliche physische Beteiligung
des Gurus erlangt werden
kann
. Es gibt nichts in den
sastras
oder etwas, das
Srila Prabhupada geäußert hat, das
diksa
mit physischerAnwesenheit verknüpft.
Darum ist die Fortführung des
ritvik
-Systems vollkommen in Einklang sowohl
mit den
sastras
als auch dem Beispiel, das unser
acarya
gesetzt hat, während
er physisch anwesend war.
In einem der Hauptabschnitte über
diksa
in Srila Prabhupadas Büchern steht,
dass die einzige
Voraussetzung diksa
zu erlangen, die Zustimmung des Gurus
ist. Diese Zustimmung wurde in vollem Maße auf die
ritviks
übertragen:
„Also ohne auf mich zu warten, wen auch immer ihr für würdig
haltet. Es liegt also in eurem Ermessen.“
(Srila Prabhupada Private
Unterhaltung, 7.7.77, Vrindavan)
Srila Prabhupada erläutert:
„WasdenZeitpunktder
diksa
(Einweihung)betrifft,sohängtallesvon
derPosition des guru ab. [...]Wenn der
sad-guru
, derechte spirituelle
Meister,einverstandenist,kannmanaufderStelleeingeweihtwerden
und sollte nicht auf eine geeignete Zeit oder einen geeigneten Ort
warten.“
(
C.C. Madhya,
24.331, Erläuterung)
Es ist wichtig, anzumerken, dass es keine Festlegung darüber gibt, dass der
diksa
-Guru und der potentielle Schüler physischen Kontakt haben müssen oder
dass der
diksa-
Guru physisch anwesend sein muss, um seine Zustimmung zu
geben (es ist auch interessant, dass Srila Prabhupada den Begriff
sad-guru
mit
31
Einwände
dem Begriff
diksa
-Guru gleichsetzt). Srila Prabhupada hat viele Male gesagt,
dass dieAnforderung an jemanden, der eingeweiht werden möchte, ganz einfach
darin besteht, sich an die Regeln und Vorschriften zu halten, die er immer und
immer wieder gelehrt hatte:
„DiesistderVorgangderEinweihung.DerSchülermussversprechen,
keine sündhaften Tätigkeiten (unzulässige Sexualität, Fleischessen,
Glücksspiel und Berauschung) mehr auszuführen. [...] Er gelobt,
dem Befehl des spirituellen Meisters nachzukommen. Dann nimmt
sich der spirituelle Meister seiner an und erhebt ihn zur spirituellen
Befreiung.“
(
C.C. Madhya
, 24.256, Erläuterung)
Gottgeweihter:
Wie wichtig ist die formelle Einweihung?
Srila Prabhupada:
Formelle Einweihung bedeutet, offiziell zu akzeptieren,
die Befehle Krsnas und seines Stellvertreters zu befolgen.
Dies ist formelle Einweihung.
(Srila Prabhupada Vortrag, 22.2.73, Auckland)
Srila Prabhupada:
Wer ist mein Schüler? Zunächst muss er sich strikt an
die Regeln zur Disziplinierung halten.
Schüler:
Solange jemand den Regeln folgt, ist er...
Srila Prabhupada:
Dann ist er auf dem rechten Weg..
(Srila Prabhupada Morgenspaziergang, 13.6.76, Detroit)
„...ohne Disziplin, kann niemand ein Schüler sein. Schüler zu sein,
bedeutet, die Disziplin zu wahren.“
(Srila Prabhupada Morgenspaziergang, 8.3.76, Mayapur)
Deutet die Definition des Wortes
diksa
auf eine Verbindung mit der physischen
Gegenwart des Gurus auf dem Planeten hin?
Diksa
ist der Vorgang, durch den man sein transzendentales
Wissen erwecken und alle durch sündvolles Handeln verursachten
Reaktionen vernichten kann. Ein Mensch, der im Studium der
offenbarten Schriften bewandert ist, kennt diesen Vorgang unter
dem Namen
diksa
.“
(
C.C. Madhya
, 15.108, Erläuterung)
Siehe auch “
Diksa
“-Diagramm, S.101.
Nichts in dieser Definition von
diksa
deutet in irgendeiner Hinsicht darauf hin,
dass der Guru sich auf dem selben Planeten wie der Schüler befinden muss,
damit der Prozess richtig funktionieren kann. Umgekehrt ist es so, dass Srila
Prabhupadas Anweisungen und persönliches Beispiel eindeutig beweisen, dass
die verschiedenen Elemente von
diksa
ohne die Notwendigkeit der physischen
Beteiligung des Gurus angewandt werden können:
Die Letzte Anweisung
32
„MaterielleUmständekönnennichtverhindern,dassmanspirituelles
Wissen empfängt.“
(
S.B.
7.7.1, Erläuterung)
„Die Kraft transzendentalen Klanges wird niemals gemindert, nur
weil der Urheber scheinbar abwesend ist.“
(
S.B.
2.9.8, Erläuterung)
Aus diesem Grund können alle Bestandteile von
diksa
– transzendentales
Wissen, Empfangen des
mantras
usw. - ohne die physische Anwesenheit des
Gurus wirksam ausgeführt werden.
Zusammengefasst bedeutet das, dass in keinem der Bücher Srila Prabhupadas
ein
sastrisches
Prinzip erwähnt wird, das das Verleihen von
diksa
ausschließt,
sobaldderGurudenPlanetenErdeverlässt.AuchwennhistorischePräzedenzfälle
manchmal als Einwand herangezogen werden, ist ein historischer Präzedenzfall
kein
Prinzip
der sastras
. Obwohl ein historischer Präzedenzfall als Beweis
für die Anwendung eines
sastrischen
Prinzips dienen kann, beweist das
Nichtvorhandensein eines historischen Präzedenzfalls nicht zwangsläufig, dass
gegen ein
sastrisches
Prinzip verstoßen wurde. Daher beruht unsere Philosophie
darauf,
sastrischen
Vorschriften, nicht historischen Traditionen, zu folgen.
Dies ist genau das, was die ISKCON von so gut wie jeder anderen Gaudiya
Vaisnava Gruppierung unterscheidet. Es gibt in Indien viele einflussreiche
smarta brahmanas
, die Srila Prabhupadas mangelndes Traditionsbewußtsein
scharf kritisieren.
Aussagen der
sastras
sowie das praktische Beispiel Srila Prabhupadas selbst,
unterstützen vollkommen das Prinzip, dass
diksa
in keinerlei Hinsicht von der
physischen Anwesenheit des Gurus abhängt.
9. „Da diese Anweisung zur Einführung eines noch nie da gewesenen
Systems führen würde und keine geschichtliche Grundlage hat, sollte
sie abgelehnt werden.“
Dies kann kein Grund sein, die Anweisung vom 9. Juli abzulehnen, denn Srila
Prabhupada hat viele Präzedenzfälle geschaffen – er verringerte die Anzahl
der Pflichtrunden auf den
japa
-beads von vierundsechzig auf sechzehn,
führte Hochzeiten durch, erlaubte Frauen, in den Tempeln zu wohnen, gab
den
gayatri mantra
mittels einer Tonbandaufnahme usw. In der Tat ist es ein
Erkennungsmerkmal der
acaryas
in unserer Linie, dass sie fast ohne Ausnahme
ihre eigenen historischen Präzedenzfälle geschaffen haben. Als
acarya
ist es ihr
Vorrecht, dies zu tun, wenn auch in Einklang mit den Prinzipien
der sastras
.
Wie bereits gesagt, verstößt die Verwendung von
ritviks
ohne, dass der Guru
physisch auf dem Planeten anwesend ist, gegen kein sastrisches Prinzip. Srila
Prabhupadas Bücher enthalten alle essentiellen Prinzipien der
sastras
und da
33
Einwände
in seinen Büchern nichts davon erwähnt wird, dass sich der Guru zur Zeit der
Einweihung auf dem Planeten befinden muss, kann dies kein Prinzip sein. Der
historische Präzedenzfall der fortwährenden Nutzung von
ritviks
nach Srila
Prabhupadas Verscheiden kann daher nur die Änderung eines Details, nicht
eines generellen Prinzips, darstellen.
SrilaPrabhupadahatvieleDingegetan,insbesondereinBezugaufEinweihungen,
die noch nie zuvor getan wurden, dennoch lehnen wir diese Dinge nicht ab
(siehe Kasten auf Seite 53). Es mag argumentiert werden, dass er einige dieser
Veränderungen in seinen Büchern erklärte. Das stimmt, aber es gibt viele andere,
die er nicht in seinen Büchern erklärte.Außerdem bestand keine Notwendigkeit,
das
ritvik
-System in seinen Büchern ausführlich zu erläutern, da er jahrelang
praktische Beispiele für dessen Durchführung gab und letze Schritte zur
Fortführung in der Anweisung vom 9. Juli erläuterte. Srila Prabhupada hat uns
niemals gelehrt, blind der Tradition zu folgen:
„Unsere einzige Tradition besteht darin, Visnu zufrieden zu stellen.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 30.7.73, London)
„Nein. Tradition, Religion, sind alle materiell. Sie sind auch alle nur
Bezeichnungen.“
(Srila Prabhupada Private Unterhaltung, 13.3.75, Teheran)
Ob genau dieselben Anweisungen die wir von Srila Prabhupada erhalten haben,
jemals von einem vorherigen
acarya
erteilt wurden, ist vollkommen irrelevant.
Unsere einzige Pflicht ist es, den Anweisungen zu folgen, die uns unser eigener
acarya
erteilt hat.
Wenn ein Einweihungssystem nur deswegen abgelehnt werden kann,
weil es keinen historischen Präzedenzfall dafür gibt, dann wären wir mit
Sicherheit gezwungen, das derzeitige Guru-System der ISKCON aus dem
gleichen Grund abzulehnen.
Noch nie zuvor war eine Vielzahl von
diksa
-Gurus einem Ausschuss
untergeordnet, der ihre Einweihungshandlungen zeitweilig aussetzen oder
beenden konnte. Keiner der vorangegangenen einweihenden Gurus in unserer
Linie ist jemals durch eine Zweidrittelmehrheit ins Amt gewählt worden, noch
ist er anschließend schwerem sündhaftem Verhalten zum Opfer gefallen und
als Folge davon eiligst aus der
„Schülernachfolge“
entfernt worden. Wir lehnen
derartigePraktikennichtaufgrundvonmangelndenhistorischenPräzedenzfällen
ab, sondern weil sie in krassem Gegensatz zu vielen, in Srila Prabhupadas
Büchern zu findenden, Grundsätzen der Vaisnava-Philosophie stehen und gegen
Srila Prabhupadas letzte Anweisung verstoßen.
Die Tatsache, dass in den
sastras
oder alten vedischen Texten kein System
Die Letzte Anweisung
34
erwähnt wird, das mit dem
ritvik
-System identisch ist, ist auch nicht relevant.
Gemäß einiger vedischer Regeln, sollten auch
sudras
und Frauen nicht einmal
die
brahmana
-Einweihung erhalten:
Diksa
kann keinem
sudra
angeboten werden [...] Diese Einweihung
wird nicht in Übereinstimmung mit den vedischen Regeln angeboten,
denn es ist sehr schwer, einen qualifizierten
brahmana
zu finden.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 29.3.71, Bombay)
Streng genommen hätte Srila Prabhupada also keinen seiner westlichen Schüler
einweihen sollen, da sie alle von niederer Geburt waren, als die der untersten
vedischen Kaste. Srila Prabhupada konnte solche vedischen Gesetze unter
BerufungaufsastrischeVorschriftenvonhöhererBedeutungaufheben.Manchmal
legte er diese Vorschriften in einer Weise aus, in der sie noch niemals zuvor
angewandt wurden:
„So wie Hari nicht der Kritik weltlicher Regeln und Regulierungen
unterworfen ist, so ist auch der von Ihm ermächtigte spirituelle
Meister diesen nicht unterworfen.“
(
C.C. Madhya
, 10.136, Text und Erläuterung)
„Daher unterliegt die Barmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit
Gottes und Isvara Puris nicht irgendwelchen vedischen Regeln und
Vorschriften.“
(
C.C. Madhya
, 10.137)
Der wichtige Punkt ist, dass das
ritvik
-System auch wenn es gänzlich einzigartig
sein mag (zumindest so weit wir wissen), nicht gegen bedeutende sastrische
Prinzipien verstößt. Es zeugt von Srila Prabhupadas Genialität, dass er diese
Prinzipien der
sastras
dem Ort, der Zeit und den Umständen entsprechend auf
neue Weise und voller Barmherzigkeit anwenden konnte.
Vielleichtmussunserstnochrichtigklarwerden,wieeinzigartigSrilaPrabhupada
ist. Es hat niemals zuvor einen Welt-
acarya
gegeben. Kein vorheriger
acarya
hat
jemals gesagt, dass seine Bücher die Gesetzesbücher der nächsten Zehntausend
Jahre sein würden. Es hat niemals zuvor so etwas wie die ISKCON gegeben.
Warum sollte es uns so überraschen, dass eine so beispiellose Persönlichkeit
sich entschließen könnte, ein scheinbar ungewöhnliches Einweihungssystem
einzuführen?
10
. „Da das
ritvik
-System vor dem 9. Juli 1977 nicht erwähnt wurde,
konnte es unmöglich dafür vorgesehen sein, nach Srila Prabhupadas
Verscheiden fortgeführt zu werden.“
Dieser Einwand stützt sich auf die Prämisse, dass Srila Prabhupada niemals
35
Einwände
etwas Neues in der Bewegung eingeführt hätte. Dieser Einwand ist absurd, denn
er bedeutet, dass jede Anweisung des Gurus missachtet werden kann, wenn
sie neu ist oder auch nur etwas von zuvor erteilten Anweisungen abweicht.
Daraus würde folgen, dass Srila Prabhupada in seinen letzten Monaten keine
weitreichenden Anweisungen für seine Gesellschaft hätte erteilen sollen, wenn
nicht jeder bereits mit diesen vertraut gewesen wäre.
Wie wir erläutert haben, war das
ritvik
-System ohnehin nicht
„neu“.
Bereits vor
dem Brief vom 9. Juli, wurde die
diksa
-Einweihung in der Bewegung größtenteils
unter Verwendung von Stellvertretern durchgeführt. Srila Prabhupada war der
diksa
-GuruinderISKCON,unddiemeistenEinweihungszeremonien,besonders
in den späteren Jahre, wurden von einemTempelpräsidenten oder einem anderen
Stellvertreter oder Priester durchgeführt.
Der auffälligste Unterschied nach dem 9. Juli 1977 war, dass neue Schüler
nun akzeptiert wurden, ohne dass die Stellvertreter Rücksprache mit Srila
Prabhupada hielten. Der Brief, der an neue Eingeweihte gesandt wurde, wurde
nicht mehr von Srila Prabhupada unterzeichnet und die Auswahl der Namen
der Eingeweihten wurde von
ritviks
vorgenommen. Diese Prozedur war nun
mit dem relativ ungewohnten Wort
ritvik
verknüpft.
Bei der Einweihung mittels Stellvertretern mit dem wahren
acarya
verbunden
zu werden, war eine Erfahrung, die Tausenden Schülern bekannt war. Der
Brief vom 9. Juli definiert das Wort
ritvik
als
„Stellvertreter des
acarya
“.
Es ist klar, dass Srila Prabhupadas Einweihungssystem, das unter Nutzung
von Stellvertretern funktionierte, gar nichts
„Neues“
war. Es war lediglich die
Fortführung dessen, was Srila Prabhupada gelehrt und in die Praxis umgesetzt
hatte, als seine Bewegung sich rapide zu vergrößern begann.
Warum sollte es ein so großer Schock gewesen sein, dass dieses System nach
dem 14. November 1977 fortgeführt werden würde?
Obgleich das Wort
ritvik
vielen nicht vertraut war, so war es dennoch nicht
neu. Das Wort und seine Derivate waren bereits 31 Mal von Srila Prabhupada
in seinen Büchern definiert worden. Was
„neu“
war, war, dass das System, das
bereits seit vielen Jahren existierte, nun mit den nötigen Angleichungen für die
Zukunft verschriftlicht wurde. Dies überrascht kaum, denn Srila Prabhupada gab
zu dieser Zeit viele schriftliche Dokumente bezüglich der Zukunft der Bewegung
heraus. Diese Festlegung war eigentlich die erneute Bestätigung eines Systems,
das jedem bereits als standardmäßige Vorgehensweise bekannt war.
Was ironischerweise wirklich
„neu“
war, war die eigenartige
Metamorphose der
ritviks
in
„materiell und spirituell reine
Nachfolger-
acaryas
Srila Prabhupadas. Diese besondere Neuerung
Die Letzte Anweisung
36
war ein solcher Schock, dass viele Hunderte Schüler die Bewegung
kurz nach der Einführung dieses neuen Guru-Systems verließen,
denen Tausende weitere folgen sollten.
Zusammenfassung
Wir haben aufgezeigt, das es keine direkten Beweise gibt, die für die Beendigung
des
ritvik
-Systems bei Srila Prabhupadas Verscheiden sprechen, noch für
dieVerwandlung der
ritviks
in
diksa
-Gurus – Annahmen a) und b). Selbst
wenn es überzeugende indirekte Beweise für a) und b) gäbe, wäre immer noch
fraglich, ob sie die direkten Beweise ersetzen könnten, da diese normalerweise
Vorrang haben. Wie jedoch soeben gezeigt, gibt es noch nicht einmal den Hauch
eines indirekten Beweises für die Abschaffung des
ritvik
-Systems nach Srila
Prabhupadas Verscheiden. Somit:
1.
Wurde eine zu befolgende Anweisung an die gesamte Bewegung
herausgegeben –
Direkter Beweis
.
2.
Eine Untersuchung der Anweisung selbst, so wie anderer unterstützender
und nachfolgenderAnweisungen, spricht nur für die Fortführung des
ritvik
-
Systems –
Direkter Beweis
.
3.
Esgibt
keinedirektenBeweisedafür
,dassSrilaPrabhupadadieBeendigung
des
ritvik
-Systems bei seinem Verscheiden explizit angeordnet hat.
4.
Esgibtauch
keineindirektenBeweise
aufBasisderAnweisung,der
sastras
,
andererAnweisungen, besonderen Umständen, dem Hintergrund, der Natur
unddemKontextderAnweisungo.ä.,dieeineGrundlagefürdieBeendigung
des
ritvik
-Systems zum Zeitpunkt von Srila Prabhupadas Verscheiden
liefern würden. Interessanterweise finden wir bei der Untersuchung dieser
anderen Faktoren nur noch weitere indirekte Beweise
für
die fortwährende
Anwendung der Anweisung.
Angesichts der obigen Analyse möchten wir demütig vorbringen, dass die
Widerrufung Srila Prabhupadas letzterAnweisung bezüglich Einweihungen, am
14. November 1977, bestenfalls eine willkürliche und unautorisierte Handlung
gewesenseinkann.WirkönnenkeineBeweisefinden,diedieAnnahmena)undb)
unterstützen. Wie eingangs erläutert, bilden dieseAnnahmen die Grundlage der
jetzigenGuru-RichtlinienderISKCON.WiederSrilaPrabhupadasursprüngliche
Anweisung zu befolgen, ist die einzige Option, die wir als Schüler, Anhänger
und Diener Srila Prabhupadas haben.
Um bei der korrekten Befolgung weitere Hilfestellung zu leisten, werden wir
nun die Unterhaltung vom 28. Mai und eine Reihe damit verbundener Einwände
betrachten, die scheinbar für Verwirrung gesorgt haben.
37
Das „Ernennungs-Tonband
Das
„Ernennungs-Tonband“
Der GBC behauptet in
GII
, dass die einzige Rechtfertigung für die Änderungen a)
& b) an der letztenAnweisung vom 9. Juli auf einer aufTonband aufgezeichneten
privaten Unterhaltung beruht, die am 28. Mai 1977 in Vrindavan stattfand. Diese
Änderungen werden im Folgenden noch einmal zur Referenz angegeben:
Änderung a):
Dass die Ernennung von Stellvertretern oder
ritviks
nur
vorübergehend war und nach dem Verscheiden von Srila
Prabhupada beendet werden musste.
Änderung b):
Nach Ablauf ihrer stellvertretenden Funktion sollten die
ritviks
automatisch
diksa
-Gurus werden, dieAnwärter als ihre eigenen
Schüler einweihen würden und nicht als Schüler von Srila
Prabhupada.
Dieser Abschnitt wird sich darum mit einer genauen Untersuchung der
Unterhaltung vom 28. Mai befassen, um herauszufinden, ob diese legitim dazu
genutzt werden kann, die letzte Anweisung wie in a) und b) angegeben zu
modifizieren.
Da sich die gesamte Position des GBC nur auf dieses eine Beweisstück stützt, ist
es ziemlich beunruhigend, dass er bereits mindestens
vier
verschiedene offiziell
bestätigte Versionen oder Transkripte des gleichen Beweises veröffentlicht
hat. Diese unterschiedlichen Transkripte erschienen in den folgenden
Publikationen:
1983: Srila Prabhupada-Lilamrita, Band 6 (Satsvapura das Goswami, BBT)
1985: Under My Order (Ravindra Svarupa das)
1990:
ISKCON Journal
(GBC)
1995: Gurus and Initiation in ISKCON (GBC)
Allein die Tatsache, mit vier verschiedenen Versionen der gleichen
Tonbandaufnahmekonfrontiertzuwerden,wirfteineReiheernsthafterFragenauf.
Es wäre zum Beispiel nicht unberechtigt zu fragen, welche die korrekte Version
ist. Warum gibt es überhaupt verschiedene Versionen? Ist die Niederschrift eine
Zusammenstellung von mehr als einer Unterhaltung? Wurde das Tonband selbst
aus mehr als einer Unterhaltung zusammengefügt? Wenn dem so ist, können
wir dann sicher sein, dass irgendeine Version die eigentliche Unterhaltung
wahrheitsgemäß wiedergibt? Schon bevor wir den Beweis untersuchen,
befinden wir uns also in der misslichen Lage, dass von uns erwartet wird, einen
unterzeichneten Brief anhand derAnalyse vonTonbandabschriften zu verändern,
deren Authenzität ernsthaft in Frage steht.
Um die Unterhaltung zu analysieren, werden wir jedoch eine Zusammenstellung
der vier verschiedenen Transkripte verwenden. Es folgt die Unterhaltung, die
37
Die Letzte Anweisung
38
Variationen sind in Klammern angegeben.
(Bitte beachten Sie, dass die Unterhaltung in ihrer deutschen Übersetzung
wiedergegeben wird. Die Differenzen in den verschiedenen Transkripten
ergeben sich jedoch aus den unterschiedlichenAngaben englischerWörter, deren
Bedeutungen im Deutschen sehr stark voneinander abweichen, im Englischen
abereineähnlicheLautunghaben.UmdieUnterschiedeeindeutignachvollziehen
zu können finden Sie in
kursiv
, zusätzlich zur deutschen Übersetzung, an
entscheidenden Stellen auch die englischen Wörter.)
(1) Satsvarupa dasa Goswami:
Unsere nächste Frage betrifft zukünftige
Einweihungen,
(2)
insbesondere dann, wenn ihr nicht mehr bei
uns seid. Wir möchten wissen wie
(3)
(eine) Erst- und Zweiteinweihung(en) du-
rchgeführt werden soll(en).
(4)
Srila Prabhupada:
Ja. Ich werde einige von euch empfehlen.
Wenn dies abgeschlossen ist,
(5)
werde ich einige von euch als
stellvertre-
tende acaryas
empfehlen.
(6)
Tamal Krsna Goswami:
Wird dies
ritvik acarya
genannt?
(7)
Srila Prabhupada:
Ritvik. Ja. (Ja, ritviks)
(8) Satsvarupa dasa Goswami:
Wie ist (dann) die Beziehung zwischen der
Person, die einweiht und ...
(9)
Srila Prabhupada:
Er ist Guru. Er ist Guru.
(10)Satsvarupa dasa Goswami:
Aber er tut es in eurem Namen.
(11)
Srila Prabhupada:
Ja. Das ist eine Formalität. Denn in meiner
Gegenwart sollte niemand Guru werden,
(12)
daher in meinem Namen. Auf meine An-
weisung,
amara ajnaya guru hana
, (ist er
[
he is
]) (sei / [
be
]) tatsächlich Guru.
(13)
Aber auf meine Anweisung hin.
(14)Satsvarupa dasa Goswami:
Also (dann [
then
]) (werden sie [
they`ll
])
(können [
may
]) (sie [
they
]) auch als eure
Schüler betrachtet werden?
(15)
Srila Prabhupada:
Ja, sie sind [
they are
] (ihre [
their
]) Schüler,
(doch) (warum) bedenke ... wer
(16)
Tamal Krsna Goswami:
Nein. Er fragt nach diesen
ritvik acaryas
,
die Stellvertreter sind,
diksa
geben,
(17)
(Ihre)... die Leute, denen sie
diksa
geben,
wessen Schüler sind sie?
39
Das „Ernennungs-Tonband
(18)
Srila Prabhupada:
Sie sind seine (die Schüler desjenigen der
einweiht ) Schüler.
(19)
Tamal Krsna Goswami:
Sie sind seine Schüler (?)
(20)
Srila Prabhupada:
Desjenigen der einweiht... (Und sie sind
meine) (seine [his]) (er ist [he is]) Enkel-
Schüler...
(21)Satsvarupa dasa Goswami:
(Ja)
(22)
Tamal Krsna Goswami:
(Das ist klar)
(23)
Tamal Krsna Goswami:
(Lasst uns weitermachen)
(24)Satsvarupa dasa Goswami:
Dann haben wir eine Frage bezüglich ...
(25)
Srila Prabhupada:
Wenn ich euch die Anweisung gebe Guru
zu werden, wird /werdet er (ihr) reguläre/r
Guru/s.
(26)
Das ist alles. Er (Und sie) wird/werden
Schüler meines Schülers. (Das ist alles).
(Seht nur.)
WiewirschonzuvorbemerkthabenbeziehtsichwederdieAnweisungvom9.Juli
noch irgendein nachfolgendes von Srila Prabhupada unterzeichnetes Dokument
explizit
auf die obige Unterhaltung. Dies ist ziemlich seltsam, denn das zentrale
Argument von
GII
ist, dass dieser kurze Wortwechsel absolut unerlässlich für
das richtige Verständnis der Anordnung vom 9. Juli ist.
Es warnicht Srila PrabhupadasArt seinergroßen, weltweiten Organisation
Anweisungen in Form von unvollständigen und irreführenden schriftlichen
Dokumenten zu erteilen, die nur richtig verstanden werden konnten, wenn
man Mitschnitte von alten Unterhaltungen durchforstete.
WennmanzumeinendasAusmaßderbetreffendenAnweisungbedenkt-nämlich
die Fortführung der
sankirtan
-Mission für bis zu Zehntausend Jahre - und zum
anderen die Geschehnisse aufgrund der Guru-Thematik innerhalb der Gaudiya
Math, erscheint es unvorstellbar, dass Srila Prabhupada die Dinge so geregelt
hätte. Genau das müssen wir jedoch glauben, wenn wir die gegenwärtige Position
des GBC akzeptieren wollen. Wir wollen nun das zusammengestellte Transkript
sorgsam durchgehen, und dabei all jenen Zeilen besondere Aufmerksamkeit
schenken, von denen
GII
behauptet, dass sie für die oben genannten Änderungen
der Anweisung vom 9. Juli sprechen.
Zeilen 1-3:
Hier stellt Satsvarupa dasa Goswami Srila Prabhupada eine
spezielle Frage darüber, wie Einweihungen in der Zukunft ablaufen sollen –
„insbesondere dann, wenn ihrnicht mehrbei uns seid“
. Egal, welcheAntwort
Srila Prabhupada gibt, wir wissen, dass sie besonders relevant für die Zeit nach
seinem Verscheiden sein wird, da dies der Zeitrahmen ist, um den Satsvarupa
Die Letzte Anweisung
40
sich eindeutig Gedanken macht –
„wenn ihr nicht mehr bei uns seid“
.
Zeilen 4-7:
Hier beantwortet Srila Prabhupada die Frage von Satsvarupa dasa
Goswami. Er sagt, er wird einige Schüler zu
stellvertretenden acaryas
oder
ritviks
ernennen. Nachdem Srila Prabhupada die Frage eindeutig beantwortet
hat, schweigt er.
Er führt dies an dieser Stelle weder weiter aus, noch schränkt er seine Antwort
ein oder versucht, seine Antwort einzuschränken. Daher müssen wir annehmen,
dass dies seine Antwort war. Die einzigen Alternativen zu dieser Ansicht sind
entweder:
1)
Srila Prabhupada beantwortete die Frage absichtlich inkorrekt oder
irreführend.
Oder
2)
ErhörtedieFragenichtrichtigunddachte,dassSatsvarupadasaGoswaminur
danach fragte, was getan werden sollte, solange er noch gegenwärtig war.
Kein Schüler Srila Prahupadas würde jemals Option 1) in Betracht ziehen und
wennOption2)zutreffendwäre,kannunsdieUnterhaltungnichtsüberzukünftige
Einweihungen nach dem Verscheiden Srila Prabhupadas sagen. Somit bleibt
die Anweisung vom 9. Juli - als seine einzige Aussage bezüglich zukünftiger
Einweihungen - unverändert.
Manchmal wird argumentiert, dass die vollständige Antwort Stück für Stück
innerhalb der restlichen Unterhaltung deutlich wird. Problematisch an diesem
Vorschlag ist, dass bei einem derartigen Erteilen von Anweisungen, die
ursprünglichevonSatsvarupadasaGoswamigestellteFragevonSrilaPrabhupada
nur dann korrekt beantwortet werden würde, wenn die folgenden Bedingungen
erfüllt wären:
Dass es jemand auf sich genommen hätte, weitere Fragen zu stellen.
Dass diese Person(en) durch Zufall auf die richtigen Fragen gestoßen
wäre(n), um die korrekte Antwort auf Satsvarupa Mahrajas ursprüngliche
Frage zu erhalten.
Dies wäre nicht nur eine exzentrischeArt, eine Frage zu beantworten, geschweige
denn eine weltweite Organisation zu leiten, sondern auch mit Sicherheit nicht
Srila Prabhupadas Stil. Wenn, wie der GBC es darstellt, Srila Prabhupada sich
die Mühe machte, einen Brief mit Anweisungen bezüglich Einweihungen an
die gesamte Bewegung zu verschicken, die nur vier Monate lang gelten sollten,
hätte er Anweisungen, die bis zu Zehntausend Jahre Bestand haben könnten,
sicherlich nicht auf so obskure Weise gehandhabt.
WennwirunsdiesesTranskriptansehen,umdieÄnderungena)&b)unbestreitbar
41
Das „Ernennungs-Tonband
zu belegen, gelingt uns dies bisher offensichtlich nicht sehr gut. Srila Prabhupada
wird gefragt, was bezüglich der Einweihungen geschehen soll, insbesondere,
wenn er seinen Körper verlässt: Er antwortet, er wird
ritviks
ernennen.
Dies widerspricht sowohl den vom GBC vorgeschlagenen Änderungen und
untermauert außerdem die Vorstellung, dass die Anweisung vom 9. Juli
„von
nun an“
gelten soll. Lesen wir weiter:
Zeilen 8-9:
Hier fragt Satsvarupa dasa Goswami, welche Beziehung der
Einweihende
zu dem Eingeweihten hat. Satsvarupa Dasa Goswami hat seine
Frage noch nicht ganz zu Ende gestellt, als Srila Prabhupada unmittelbar ant-
wortet
„er ist Guru“
. Da
ritviks
der definitionsgemäß
nicht
selbst die Einwei-
hung erteilen, kann Srila Prabhupada nur sich als
„Guru“
derer, die eingeweiht
werden, bezeichnet haben. Dies wird in dem Brief vom 9. Juli bestätigt, in dem
drei Mal geäußert wird, dass die Eingeweihten
„Schüler Srila Prabhupadas“
sein würden.
ZuweilenwirddiesonderbareTheorieaufgestellt,dassSrilaPrabhupada,wenner
„er ist Guru“
sagt, in Wirklichkeit von den
ritviks
selbst spricht. Dies ist ziemlich
bizarr, da Srila Prabhupada gerade erst das Wort
ritvik
als
„stellvertretender
acarya
definiert hat – im wörtlichen Sinne ein Priester, der eine Art religiöse
oder zeremonielle Funktion einnimmt. In dem Brief vom 9. Juli stellt Srila
Prabhupada präzise klar, welche zeremoniellen Funktionen diese Priester
ausführen sollten. Sie sollten neuen Schülern spirituelle Namen verleihen, und
bei der Zweiteinweihung auf ihrer
gayatri
-Schnur chanten – alles im Namen Srila
Prabhupadas. Das war alles. Es wird nicht erwähnt, dass sie
diksa
-Gurus sind,
ihre eigenen Schüler einweihen oder selbst spirituelle Meister sind. Der Brief
definiert
ritvik
explizit als
„Stellvertreter des
acaryas
. Sie sollten im Namen des
acaryas
handeln, nicht als eigenständige
acaryas
.Warum sollte Srila Prabhupada
die Angelegenheit durcheinander bringen, indem er die
ritviks
jetzt
„Gurus“
nannte? Wenn sie die ganze Zeit schon einweihende Gurus waren, warum sollte
man sie nicht einfach auch so nennen, um Verwirrung zu vermeiden?
WennSrilaPrabhupadaphilosophischeThemenoderAngelegenheitenbezüglich
seiner Position als
acarya
erörterte, so sprach er von sich selbst häufig in der
dritten Person. Es ist besonders verständlich, dass er dies hier ebenfalls tun
muss, da Satsvarupa dasa Goswamis Fragen an diesem Punkt auch in der dritten
Person gestellt werden.
Daher kann die Unterhaltung nur Sinn ergeben, wenn wir davon ausgehen,
dass Srila Prabhupada der
„Guru“
ist, der neue Schüler über seine
Stellvertreter, die
ritviks
, einweiht.
Obwohl Srila Prabhupadas Antworten ziemlich eindeutig und schlüssig sind,
scheint es, als ob im Geist des Fragenden an diesem Punkt dennoch etwas
Die Letzte Anweisung
42
Verwirrung herrscht. Wir beziehen uns hier auf die Stelle, an der Satsvarupa
dasa Goswami in
Zeile 10
fragt –
Aber er tut es in eurem Namen
.“
. Mit
„er“
bezieht sich Satsvarupa dasa Goswami auf den
ritvik
, während das
„er“
, auf
das Srila Prabhupada sich bezog, wie wir gezeigt haben, nur er selbst gewesen
sein kann, da er der einzige
Einweihende
innerhalb des
ritvik
-Systems ist. Trotz
der offensichtlichen Verwirrung seines Schülers, passt Srila Prabhupada seine
nächsteAntwortgeschicktdemeigentlichenAnliegenSatsvarupadasaGoswamis,
nämlich dem Status dieser zukünftigen
ritviks
, an.
Zeilen 11-13:
In
GII
wird behauptet, dass dies die Stelle sei, die Beweise für
die Änderung a) liefert. Bevor wir untersuchen, ob diese Zeilen einen solchen
Beweis darstellen oder nicht, sollten wir uns zunächst an die Analyse der
Zeilen
1-7
erinnern.
Wenn die
Zeilen 11-13
Änderung a) begründen, kann dies nur imWiderspruch zu
den
Zeilen1-7
geschehen,indenenSrilaPrabhupadabereitsdeutlichgeantwortet
hat, dass die
ritviks
„insbesondere“
für die Zeit nach seinem Verscheiden
ernannt werden sollen. Wenn die Änderung a) also tatsächlich in den
Zeilen
11-13
begründet wird, impliziert dies, dass Srila Prabhupada einer Aussage,
die er nur einen Augenblick zuvor selbst gemacht hat, widerspricht. Sollte das
der Fall sein, würde dies wieder bedeuten, dass das Transkript unbrauchbar ist,
um irgendetwas bezüglich zukünftiger Einweihungen festzustellen, da zwei
sich gänzlich widersprechende Positionen in ein und derselben Unterhaltung
gleichermaßen bestätigt werden würden. Wieder bliebe die letzte Anweisung
vom 9. Juli in unverändertem Zustand erhalten und damit gezwungenermaßen
unser Referenzpunkt.
Lassen Sie uns untersuchen, ob dem tatsächlich so ist. Bedenken Sie, dass
wir nach einer expliziten Aussage suchen, welche besagt, dass die
ritviks
ihre
Pflichten einstellen müssen, sobald Srila Prabhupada seinen Körper verlässt.
Mit anderen Worten, sie können
nur
in seiner Gegenwart tätig sein.
Wenn wir die
Zeilen 11-13
lesen, können wir sehen, dass lediglich erklärt wird,
dass die
ritviks
in seiner Gegenwart tätig sein müssen, da sie in seiner Gegenwart
keine Gurus sein können. Demzufolge wiederholt Srila Prabhupada einfach ein
Prinzip, das er gelegentlich in Auseinandersetzungen mit übereifrigen Schülern
anführte: dass man in Gegenwart des Gurus nur in dessen Namen handeln
darf. Was Srila Prabhupada jedoch nicht sagt, ist, dass dieses
„Handeln in
seinem Namen“
aufhören
muss
, sobald er den Planeten verlässt. Er sagt auch
nicht, dass dieses
„Handeln in seinem Namen“
nur
geschehen kann, während
er gegenwärtig ist. In der Tat hat er bisher seine physische Gegenwart noch
nirgendwo und in keiner Weise mit dem Konzept des Handelns an seiner Stelle
verknüpft. Stattdessen sagt er ganz einfach, dass dies der Grund sei, der seine
Schüler daran hindert, Guru zu sein. Es ist dieses
„nicht Guru sein“
, dass an
43
Das „Ernennungs-Tonband
das Handeln als
ritvik
geknüpft ist.
Mit anderen Worten, zum Zeitpunkt der Unterhaltung war einer der Gründe,
warum sie keine
diksa
-Gurus sein konnten, Srila Prabhupadas physische
Gegenwart. Doch dies ist nicht die einzige Hürde, die seine Schüler davon
abhält, das Amt des
diksa
-Gurus zu übernehmen, wie wir gleich in der nächsten
Zeile erfahren.
In
Zeile 12
sehen wir, dass Guru zu sein auch von einer spezifischenAnweisung
von Srila Prabhupada abhängig ist –
Auf meineAnweisung
. Er wiederholt diese
Bedingung in
Zeile 13
Aber auf meine Anweisung hin
, und noch einmal in
Zeile 25
Wenn ich euch die Anweisung gebe
. Es ist also ziemlich eindeutig,
dass dies nicht die richtige Anweisung sein kann, warum sollte er sonst sagen:
Wenn
ich euch die Anweisung gebe“
? Wenn dies die eigentliche Anweisung
wäre, nach seinem Verscheiden Guru zu werden, wie der GBC behauptet, hätte
er sicherlich etwas gesagt wie:
Ich erteile euch die Anweisung, sobald ich von
euch gehe, aufzuhören
ritviks
zu sein und
diksa
-Gurus zu werden
. Eine derartige
Aussage würde der gegenwärtigen Position des GBC und der M.A.S.S.-Doktrin
sicherlich einige Glaubwürdigkeit verleihen. Wie jedoch ersichtlich ist, kann
in der Unterhaltung vom 28. Mai keine Aussage gefunden werden, die dieser
auch nur im Entferntesten ähnelt.
Weiterhin wird argumentiert, dass der Gebrauch des
amara ajanya
-Verses an
dieser Stelle bedeutet, dass dieAnweisung,
diksa
-Guru zu werden, bereits erteilt
wurde, da diese Anweisung von Sri Caitanya viele Male von Srila Prabhupada
wiederholt wurde. Die
amara ajnaya
-Anweisung bezieht sich jedoch, wie wir
gesehen haben, nur auf
siksa
-Gurus.Wir wissen, dass dieAnweisung,
diksa
-Guru
zu werden, noch nicht erteilt wurde, da Srila Prabhupada äußert:
Wenn ich die
Anweisung gebe
“.
Folglich gebraucht Srila Prabhupada diesen Vers an dieser
Stelle nur, um dieAuffassung zu vermitteln, dass eineAnweisung erteilt werden
muss, bevor eine Guruschaft gleich welcher Art aufgenommen werden kann.
Offensichtlich findet sich in den
Zeilen 11-13
nichts, was Srila Prabhupadas
deutlicheAntwortaufSatsvarupasursprünglicheFrage(
Zeilen1-7
)inirgendeiner
Weise ändert. Unser Verständnis der
Zeilen 1-7
bleibt damit unberührt. Srila
Prabhupada widersprach sich nicht selbst, die Anweisung vom 9. Juli bleibt so
weit unverändert.
Wovon die
Zeilen 11-13
wirklich zeugen, ist dass das
ritvik
-System gültig sein
sollte, solange Srila Prabhupada noch gegenwärtig war, aber nicht, dass es
nur
,
wenn er gegenwärtig ist, gültig sein kann. Der Brief vom 9. Juli macht dies
durch die Verwendung der Worte
„von nun an“
ohnehin deutlich. Die Worte
„von nun an“
umfassen alle Zeiträume ab diesem Tag, unabhängig von Srila
Prabhupadas physischer Position. Lesen wir weiter.
Die Letzte Anweisung
44
Zeilen 14-15:
Interessanterweise stellt Satsvarupa dasa Goswami an diesem
Punkt eine Frage in direktem Bezug zu Srila Prabhupadas Position:
„Also
(dann) (können) (sie) (werden sie) auch als eure Schüler betrachtet
werden?“
Srila Prabhupada antwortet:
„Ja, sie sind Schüler...“
und bestätigt
damit einmal mehr die Zugehörigkeit aller zukünftigen Schüler. Auch wenn
nicht klar ist, was Srila Prabhupada noch sagen wollte, ist seine anfängliche
Antwort vollkommen eindeutig. Ihm wird eine direkte Frage zu seiner Position
gestellt und er antwortet
Ja
.
Wenn es für die Position des GBC irgendeine Hoffnung geben sollte, die
Änderungen a) & b) aufrecht zu erhalten, hätte Srila Prabhupada diese Frage in
etwa so beantworten müssen:
Nein, sie sind nicht meine Schüler
.“
Egal, was
Srila Prabhupada noch sagen wollte, es ist irrelevant, da niemand es jemals
erfahren kann. Wir wissen nur, dass er, als er gefragte wurde, ob zukünftige
Eingeweihte seine Schüler sein würden, mit
Ja
antwortete. Wieder kein gutes
Zeichen für die Änderungen a) & b).
Zeilen 16-18:
Tamal Krsna Goswami scheint hier Verwirrung zu vermuten und
unterbricht Srila Prabhupada. Er macht Satsvarupa dasa Goswamis Frage noch
deutlicher, indem er Srila Prabhupada fragt, wessen Schüler die Personen sind,
die von den
ritviks diksa
erhalten. Wieder antwortet Srila Prabhupada in der
dritten Person (da ihm die Frage in der dritten Person gestellt wurde):
Sie sind
seine Schüler
“.
Wie wir bereits erörtert haben, kann er nur
sich selbst
meinen,
da
ritviks
definitionsgemäß keine eigenen Schüler besitzen. Außerdem wissen
wir, dass er definitiv sich selbst meinte, da er die Frage im Singular beantwortet
(„
seine Schüler...Desjenigen der einweiht
.“
), obwohl ihm die Frage über die
ritviks
im Plural gestellt wurde (
„diese
ritvik
-
acaryas
).
Eine Idee, die manchmal aufgeworfen wird, ist dass Tamal Krsna Goswami
an diesem Punkt der Unterhaltung die Frage auf eine vage futuristische Weise
stellt, in Bezug auf einen nicht näher benannten Zeitraum, in dem die
ritviks
auf irgendeine Weise zu
diksa
-Gurus geworden sind. Gemäß dieser Theorie
meint Srila Prabhupada, der nun mutmaßlich auf mystische Weise an Tamal
Krsna Goswamis Denkweise angepasst ist, wenn er antwortet, dass künftige
Eingeweihte
„seine Schüler“
sind, eigentlich, dass sie Schüler der
ritviks
sind,
die dann überhaupt keine
ritviks
mehr sind, sondern
diksa
-Gurus. Abgesehen
davon, dass dieses fantasievolle
„Zusammentreffen der Geister“
sowohl
unwahrscheinlich als auch in hohem Maße spekulativ ist, gibt es mindestens
ein weiteres Problem bei dieser Hypothese:
Bis zu diesem Punkt hat Srila Prabhupada nicht gesagt, dass die
ritviks
, die
er erst noch ernennen muss, jemals eine andere Funktion als die von
ritviks
inne haben werden.Warum sollteTamal Krsna Goswami also angenommen
45
Das „Ernennungs-Tonband
haben, dass sich ihr Status ändern würde?
Zeilen 19-20:
Tamal Krsna Goswami (TKG) wiederholt die Antwort und Srila
Prabhupada fährt fort:
Desjenigen der einweiht... sein Enkel-Schüler.
Wir
haben die Version des Transkripts mit der Aussage
„sein Enkelschüler“
der
Version mit der Aussage
„er ist Enkel-Schüler“
vorgezogen, da sie dem uns
vorliegenden Exemplar der Aufnahme am nächsten kommt und am besten in
den Gesprächsfluss zu passen scheint. (Andernfalls würde der Einweihende
gleichzeitig zum Enkel-Schüler werden! -
desjenigen
der einweiht ... er ist
Enkel-Schüler.“)
DasArgument, dass Srila Prabhupada, wenn er hier in der dritten Person spricht,
sich auf die
ritviks
und nicht auf sich selbst beziehen muss, kann auf die Probe
gestellt werden, indem wir die Unterhaltung dieser Ansicht anpassen und in
den
Zeilen 17-20
die Aussagen um den Ausdruck
ritvik
ergänzen (in Klammern
angegeben):
TKG:
Wessen Schüler sind sie?
Srila Prabhupada:
Sie sind Schüler (des
ritvik
).
TKG:
Sie sind Schüler (des
ritvik
).
Srila Prabhupada:
(Der
ritvik
) weiht ein... Die Enkel-Schüler (des
ritvik
)...
Gemäß der Voraussetzung, dass die
ritviks
nur Stellvertreter sind und ihre Rolle
nur eine repräsentative Funktion hat, sollte es für den Leser offensichtlich sein,
dass diese Interpretation der
Zeilen 17-20
widersinnig ist. Es ist ein logischer
Widerspruch, dass ein
ritvik
eigene Schüler hat, ganz zu schweigen von Enkel-
Schülern.
EsmagderVorwurferhobenwerden,dasswirSrilaPrabhupadasWorteverdrehen,
indem wir Aussagen in der dritten Person als solche der ersten Person auslegen.
Wir haben jedoch das Gefühl, dass unsere Interpretation mit der Funktion
übereinstimmt, die Srila Prabhupada seinen
ritviks
zuwies. Es scheint nur zwei
Interpretationsmöglichkeiten dieser Unterhaltung zu geben:
1)
Zukünftige neue Schüler sollten zu
ritvik
Priestern gehören, die der Definition
nach keine
diksa
-Gurus sind, sondern Stellvertreter, die extra eingeführt
wurden, um als Bevollmächtigte zu agieren.
2)
Zukünftige neue Schüler sollten zum
diksa
-Guru, Srila Prabhupada,
gehören.
Option 1) ist einfach absurd. Wir haben uns daher für Option 2) als die
einzig rationale Möglichkeit entschieden und das Tonband entsprechend
interpretiert.
Die Letzte Anweisung
46
Zeilen 25-26:
Srila Prabhupada beendet die Unterhaltung mit der
unmissverständlichen Festlegung, dass jemand
nur
auf seine Anweisung hin
Guru werden kann. Wenn dem so wäre, würden neu Eingeweihte
Schüler
meines Schülers
werden.
Es wird viel Aufhebens um den Begriff
„Enkel-Schüler“
gemacht. Für viele
stellt diese Phrase Srila Prabhupadas ein entscheidendes Argument dar, da man
nur Enkel-Schüler haben kann, wenn es weitere
diksa
-Gurus gibt. Das ist wahr.
Leider werden die Worte, die dem Begriff
„seine Enkel-Schüler“
folgen für
gewöhnlichignoriert.SrilaPrabhupadasagtanschließend,dasseinEnkel-Schüler
und damit auch ein
diksa
-Guru nur existieren wird,
wenn
er seinem Schüler die
Anweisung gibt,
diksa
-Guru zu werden. Anders ausgedrückt: Srila Prabhupada
erklärt bloß, dass ein Guru Enkel-Schüler haben wird (
„sein Enkel-Schüler“
),
wenn ein Guru seinem Schüler die Anweisung gibt,
diksa
-Guru zu werden,
da der neue
diksa
-Guru
dann
eigenständig einweihen wird (
„er wird Schüler
meines Schülers“
). Dies erscheint eindeutig zu sein und dürfte von niemandem
bestritten werden. Doch wo ist dieAnweisung, dass diese Guruschaft stattfinden
soll? Mit Sicherheit nicht in den
Zeilen 25-26
und auch nicht an einer anderen
Stelle in der Unterhaltung.
Tatsächlich wird in der Unterhaltung vom 28. Mai keiner bestimmten Person die
Anweisung gegeben, irgendetwas zu tun. Srila Prabhupada macht einfach nur
seine Absicht deutlich, irgendwann in der Zukunft
ritviks
ernennen zu wollen.
Anschließend beantwortet er einige leicht konfuse Fragen zur Guru-Schüler-
Beziehung innerhalb des
ritvik
-Systems. Er beendet die Unterhaltung dann mit
der Aussage darüber, was passieren würde, wenn er sich jemals entschließen
würde, jemandem die entsprechende Anweisung,
diksa
-Guru zu werden, zu
erteilen. Es ist jedoch klar, dass die spezielle Anweisung, die spezielle Personen
damit beauftragt, spezielle Funktionen zu erfüllen, erstmals am 7. Juli erteilt
(siehe Anhang) und dann in dem unterzeichneten Brief vom 9. Juli bestätigt
wurde. Doch wie aus dem Brief vom 9. Juli ersichtlich ist, wird weder erwähnt,
dass die elf ernannten
ritviks jemals diksa
-Gurus werden sollen, noch dass das
ritvik
-System jemals beendet werden soll.
Nach unserer umfassenden Analyse der Unterhaltung vom 28. Mai ist klar,
dass der GBC einen klassisches Zirkelschluss präsentiert:
Um die Änderungen a) und b) zu stützen, die unerlässlich für die jetzige Position
bezüglich Gurus innerhalb der ISKCON sind, wird uns gesagt, wir müssten den
Brief vom 9. Juli verändern, indem wir eine
„Anweisung“
verwenden, die Srila
Prabhupada angeblich in der Unterhaltung vom 28. Mai gegeben hat. Nachdem
wir das Transkript der Unterhaltung jedoch gründlich gelesen haben, sehen wir,
dass Srila Prabhupada sagt, seine Schüler können nur Gurus sein
Wenn
ich die
47
Das
„Ernennungs-Tonband“
Anweisung gebe“
. Wie kann also behauptet werden, dass Srila Prabhupadas
Aussage
„Wenn ich die Anweisung gebe“
sich auf dieselbe
„Anweisung“
bezieht, die schließlich am 7. und 9. Juli gegeben wurde? Diese Anweisung
beinhaltet ausschließlich die Ernennung von
ritviks
und ist gleichzeitig genau
die
„Anweisung“
, von der der GBC verlangt, sie müsse modifiziert werden, um
die entscheidenden Änderungen a) und b) zu stützen?
Wenn wir dieArgumentationskette, die in
GII
vertreten wird, übernehmen,
geraten wir unausweichlich in die oben dargestellte, absurde dialektische
Sackgasse. Zur Verständnishilfe, siehe Diagramm auf Seite 103.
Das letztlich größte Problem an der ganzen
„Änderungs“
-Theorie - abgesehen
vomoffensichtlichenFehlenjeglicherunterstützenderBeweise-istderUmstand,
dass eine Anweisung mit Hilfe von Informationen, die den Personen, die die
Anweisung ausführen sollten, nicht zugänglich waren, nicht auf legitime Weise
verändert werden kann.
Hätte die Unterhaltung vom 28. Mai tatsächlich klare Anweisungen enthalten,
die die Änderungen a) und b) rechtfertigen, dann hätte der letzte Brief zumindest
einen kleinen Hinweis auf diese beinhalten sollen. In der Tat lag der Hauptzweck
des Treffens am 28. Mai darin, herauszufinden, was bezüglich Einweihungen
geschehen sollte, nachdem Srila Prabhupada den Planeten verlassen würde.
Dennoch wird behauptet, dass Srila Prabhupada, als er schließlich seine letzte
schriftliche Anweisung bezüglich Einweihungen herausgab, nur ansprach, was
getan werden sollte, bevor er den Planeten verließ.
Mit anderen Worten, Srila Prabhupada gab angeblich klare und nachdrückliche
Anweisungen zu einem Thema, zu dem er nicht befragt wurde, während er
die wirklich wichtigen Anliegen, über die jeder Bescheid wissen wollte, d. h.
die Zukunft der Einweihungen für bis zu Zehntausend Jahre, in seiner letzten
unterzeichneten Anweisung gänzlich außer Acht ließ.
Wir können kein Beispiel dafür finden, dass Srila Prabhupada, seine Gesellschaft
jemals auf folgende Weise leitete:
1)
Indem er wichtige Anweisungen erteilte, die das eigentliche Anliegen,
aufgrund dessen sie verfasst wurden, nicht erwähnten.
2)
Indem er absichtlich wesentliche Informationen für ein wichtiges neues
Führungssystem zurückhielt.
3)
Indem er von den Empfängern seiner Anweisungen erwartete, mystische
Gedankenleser zu sein, damit sie die Anweisungen korrekt befolgen
konnten.
Die Letzte Anweisung
48
Der übliche Einwand, Srila Prabhupada hätte in seiner letzten Anweisung nicht
formulieren müssen, was bezüglich künftiger Einweihungen getan werden soll,
da er bereits deutlich in seinen Büchern und Vorträgen erklärt hatte, dass er
wollte, dass jeder
diksa
-Guru wird, wurde bereits oben in Einwand 7 widerlegt
(siehe S. 16).
In
GII
wird noch ein weiterer Versuch unternommen, etwas aus der Unterhaltung
vom 28. Mai heraus zu ziehen, um die Änderungen a) und b) zu unterstützen,
nämlich wenn auf Srila Prabhupadas Gebrauch des
amara ajnaya guru hana
-
Verses in
Zeile 12
hingewiesen wird. Dieser Vers wurde im weiteren Verlauf
der Unterhaltung vom 28. Mai nochmals wiederholt, nachdem die Übersetzung
seiner Bücher besprochen wurde. Dieser Ansicht nach ist die
ritvik
-Anweisung
identisch mit der Anweisung,
diksa
-Guru zu werden, nur weil Srila Prabhupada
die berühmte Anweisung Lord Caitanyas
„dass jeder Guru werden soll“
, in der
gleichen Unterhaltung erwähnt, in der er über die
ritviks
spricht. Das einzige,
was Srila Prabhupada sagt, ist jedoch:
„...jemand, der die Anweisung des Gurus versteht, die gleiche
parampara
, kann Guru werden. Und daher werde ich einige von
euch auswählen.“
(Unterhaltung vom 28. Mai 1977)
Die essentiellen Punkte, die hier beachtet werden müssen, sind:
1.
Was war die
„Anweisung des Gurus“
, die sie verstehen sollten? - Als
ritviks
zu agieren.
(
„Ich werde einige von euch als stellvertretende acaryas
empfehlen.“
)
2.
Zu was wurden sie letztendlich ausgewählt? - als
ritviks
zu agieren (siehe
Brief vom 9. Juli, S. 115)
3.
Was für eine Art Guru werden sie durch die Befolgung der Anweisung des
Gurus? Wie wir zuvor bei derAnalyse von Lord CaitanyasAnweisung
„Guru
zu werden“
gesehen haben, qualifiziert sich jeder, der diese Anweisung
gewissenhaft ausführt, automatisch als
siksa
-Guru.
GII präsentiert die widersprüchliche Behauptung, dass jemand der
die Anweisung als
ritvik
(und nicht als
diksa
-Guru) zu handeln befolgt,
automatisch als
diksa
-Guru handeln soll
.
Dieser Logik zufolge hat jeder, der irgendeine Anweisung des Gurus befolgt,
automatisch auch die konkrete Anweisung erhalten,
diksa
-Guru zu werden!
Leider bietet
GII
keinerlei Beweise für diese These. Wie bereits gezeigt, stellt
derGebrauch des
amara ajnaya
-Verses lediglich eineAufforderung an alle dar,
49
Das „Ernennungs-Tonband“
siksa
-Guru zu werden. (
„Es ist am besten, keine Schüler anzunehmen.“
).
Schlussfolgerung
1.
Am 9. Juli 1977 ernannte Srila Prabhupada 11
ritviks
, die
„von nun an“
Erst- und Zweiteinweihungen durchführen sollten.
2.
Es gibt keine Beweise in der Unterhaltung vom 28. Mai, die verwendet werden
können, um die Anweisung vom 9. Juli so zu verändern, dass die ernannten
ritviks
ihre Pflichten bei Srila Prabhupadas Verscheiden beenden müssen.
3.
Es gibt auch keine Belege in der Unterhaltung vom 28. Mai, die dieAnweisung
vom 9. Juli dahingehend verändern, dass die
ritviks
zu
diksa
-Gurus werden
sollten, sobald Srila Prabhupada den Planeten verließ.
4.
Eine Sache wird in der Unterhaltung vom 28. Mai jedoch eindeutig belegt,
und das ist die Tatsache, dass die
ritviks
nach Srila Prabhupadas Verscheiden
agieren sollten.
Es sollte noch einmal bemerkt werden, dass mindestens vier verschiedene
Transkripte sowie drei unterschiedliche
„offizielle“
Interpretationen des GBC
dieser einen Unterhaltung aufgetaucht sind. Viele Gottgeweihte haben das
Gefühl, dass die Unterhaltung allein aus diesem Grund nicht als schlüssiger
Beweis betrachtet werden kann. Sollte dies auch die Schlussfolgerung des
Lesers sein, wird er keine andere Wahl haben, als sich erneut der Anweisung
vom 9. Juli zuzuwenden, da dies ein unterzeichnetes Dokument ist, welches
unmissverständlich verfasst und an die gesamte Bewegung versendet wurde.
Vor Gericht wäre dies sicherlich die Schlussfolgerung, da unterzeichnete,
schriftlicheBelegestetsmehrGewichtalsTonbandaufnahmenhaben.Dereinzige
Grund, warum wir die Unterhaltung vom 28. Mai hier so sorgfältig analysiert
haben, ist, dass der GBC diese als
einzigen
Beweis für die Änderungen a) und
b) präsentiert hat.
Wir sind somit gezwungen, die Änderungen a) und b), welche die Grundlage
der jetzigen Position des GBC bezüglich Einweihungen innerhalb der ISKCON
bilden, gänzlich abzulehnen. Es gibt keine Beweise, die diese Änderungen
stützen würden. Demzufolge stellen die Anweisungen, die in der Richtlinie
vom 9. Juli gegeben wurden, tatsächlich Srila Prabhupadas letzte Anweisung
bezüglich Einweihungen dar und sollten daher befolgt werden.
Es folgen nun einige weitere Einwände, von denen wir denken, dass es hilfreich
wäre, sie hier zu thematisieren.
Die Letzte Anweisung
50
Sonstige zugehörige Einwände
1.
„Srila Prabhupada hat die Verwendung von
ritviks
nicht in seinen
Büchern erwähnt.“
1)
DasWort
ritvik
(welches
„Priester“
bedeutet) und seineAbleitungen werden
in Wirklichkeit an 31 verschiedenen Stellen in Srila Prabhupadas Büchern
erwähnt, nur geringfügig seltener als das Wort
diksa
und seine Ableitungen,
das an 41 verschiedenen Stellen in Srila Prabhupadas Büchern erwähnt wird.
Es ist sicher, dass die Verwendung von
ritvik
-Priestern, die bei Zeremonien
assistieren, ein Konzept ist, das in Srila Prabhupadas Büchern voll und ganz
genehmigt wird:
Ritvik
: 4.6.1 / 4.7.16 / 5.3.2 / 5.3.3 / 5.4.17 / 7.3.30 / 8.20.22 / 9.1.15
Rtvijah
: 4.5.7 / 4.5.18 / 4.7.27 / 4.7.45 / 4.13.26 / 4.19.27 /
4.19.29 / 5.3.4 / 5.3.15 / 5.3.18 / 5.7.5 / 8.16.53 / 8.18.21 / 8.18.22
/ 9.4.23 / 9.6.35
Rtvijam
: 4.6.52 / 4.21.5 / 8.23.13 / 9.13.1
Rtvigbhyah
: 8.16.55
Rtvigbhih
: 4.7.56 / 9.13.3
(alle Angaben stammen aus dem
Srimad-Bhagavatam
)
2)
Obwohl sich Srila Prabhupada in seinen Büchern ausführlich mit spirituellen
Prinzipien auseinander gesetzt hat, wurden häufig keine
genauen Angaben
hinsichtlich dieser Prinzipien gemacht (zum Beispiel bei der Verehrung der
Bildgestalten). Diese genauen Angaben wurden für gewöhnlich durch Briefe
und praktische Demonstration vermittelt. Demzufolge muss man zwischen dem
Prinzip
der
diksa
oder Einweihung unterscheiden und den
genauen
Angaben
für ihre Formalisierung. Srila Prabhupada hat
diksa
niemals als eine rituelle
Zeremonie definiert, sondern als das Empfangen transzendentalen Wissens,
welches zur Befreiung führt:
„Mit anderen Worten, der spirituelle Meister erweckt das
schlummernde
Lebewesen zu seinem ursprünglichen Bewußtsein,
so dass es Sri Visnu verehren kann.DasistderZweckvon
diksa
oder
Einweihung. Einweihung bedeutet das
reine Wissen spirituellen
Bewußtseins zu empfangen.“
(
C.C. Madhya
, 9.61, Erläuterung)
Diksa
bedeutetimGrunde,einenSchülerintranszendentalesWissen
einzuweihen, durch das er von aller materiellen Verunreinigung
befreit wird.“
(
C.C. Madhya,
4.111, Erläuterung)
Diksa
ist der Vorgang, durch den man sein transzendentales
50
51
Sonstige zugehörige Einwände
Wissen erwecken und alle durch sündvolles Handeln verursachten
Reaktionen vernichten kann. Ein Mensch, der im Studium der
offenbarten Schriften bewandert ist, kennt diesen Vorgang unter
dem Namen
diksa
.“
(
C.C. Madhya,
15.108, Erläuterung)
Diksa
beinhaltet normalerweise eine Zeremonie, aber diese ist nicht unbedingt
notwendig, sondern eher eine Formalität:
„Von1922bis1933waricheigentlichnichteingeweiht,aberichbekam
eine genaueVorstellung von derBedeutung derPredigtarbeit von Sri
Caitanya Mahaprabhus Mission. Dies waren meine Gedanken. Und
dies war die Einweihung durch meinen Guru Maharaja.“
(Srila Prabhupada Vortrag, 10.12.76, Hyderabad)
„Die Einweihung selbst ist eine Formalität. Wenn man ernsthaft
bemüht ist, ist dies die eigentliche Einweihung.[...] Meine Berührung
ist lediglich eine Formalität. Es geht um deine Entschlossenheit. Das
ist Einweihung “
(„
The Search for the Divine
“ („Die Suche nach dem
Göttlichen“),
Back To Godhead
#49)
„...Schülernachfolge bedeutet nicht immer, dass man offiziell
eingeweiht sein muss. Schülernachfolge bedeutet vielmehr, die
Schlussfolgerung der Schülernachfolge zu akzeptieren.
(Srila Prabhupada in einem Brief an Dinesh, 31.10.69)
„Das Chanten von Hare Krishna ist unsere Hauptbeschäftigung, dies
ist die wirkliche Einweihung. Und da du in diesem Zusammenhang
meine Richtlinien befolgst, ist der Initiator bereits vorhanden.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Tamal Krsna, 19.8.68)
„Nun,EinweihungoderkeineEinweihung,derersteSchrittistWissen
zu erlangen... Wissen. Einweihung ist eine Formalität. Genauso wie
man in eine Schule geht um Wissen zu erlangen, die Zulassung ist
nur eine Formalität. Das ist nicht der wichtigste Teil.“
(Srila Prabhupada Interview, 16.10.76, Chandigarh)
Srila Prabhupada:
Wer ist mein Schüler? Zunächst muss er sich strikt an
die Regeln zur Disziplinierung halten.
Schüler:
Solange jemand den Regeln folgt, ist er...
Srila Prabhupada:
Dann ist er auf dem rechten Weg..
(Srila Prabhupada Morgenspaziergang, 13.6.76, Detroit)
„...ohne Disziplin, kann niemand ein Schüler sein. Schüler zu sein,
bedeutet, die Disziplin zu wahren.“
(Srila Prabhupada Morgenspaziergang, 8.3.76, Mayapur)
„Wenn jemand die Disziplin nicht wahrt, ist er kein Schüler.“
(
S.B.
Vortrag, 21.1.74)
Die Letzte Anweisung
52
Demnach ist die Einweihungszeremonie eine Formalität, die dem Schüler noch
einmal die Ernsthaftigkeit derVerpflichtung verdeutlicht, die er mit demVorgang
der
diksa
eingegangen ist. Zu diesen Verpflichtungen gehören:
• Der Empfang transzendentalen Wissens, das ihn von aller Verunreinigung
befreien wird.
• Die Entschlossenheit zu bewahren, stets den Anweisungen des
diksa
-Gurus
zu folgen.
• Damit zu beginnen, voller Enthusiasmus die Anweisungen des spirituellen
Meisters auszuführen.
Srila Prabhupada hat deutlich gesagt, dass die formelle Zeremonie eben nur
eine Formalität und kein grundlegender Bestandteil ist. Diese Formalisierung
der Einweihung durch eine Zeremonie enthält wiederum eine Reihe von
Elementen:
1.DieEmpfehlungvoneinemoffiziellenMitgliedderBewegung,üblicherweise
dem Tempelpräsidenten.
2. Die Annahme durch den
ritvik
.
3. Die Teilnahme an einem Feuer-
yajna
.
4. Die Annahme eines spirituellen Namens.
Nur für die Punkte 2 und 4 ist zwingend ein
ritvik
-Priester nötig. 1 und 3 werden
für gewöhnlich vom jeweiligen Tempelpräsidenten durchgeführt.
Wie zuvor schon erwähnt, wird nirgendwo gesagt, dass Guru und Schüler auf
dem gleichen Planeten sein müssen, damit der Schüler eines der Elemente
der
diksa
- transzendentales Wissen, Reinigung von sündhaften Reaktionen,
eine Feuer-
yajna
-Zeremonie und einen spirituellen Namen – empfangen kann.
Andererseits kann jedes Element der
diksa
problemlos ohne die physische
Gegenwart des Gurus vermittelt werden. Dies wurde von Srila Prabhupada
praktisch demonstriert, da er alle Elemente der
diksa
über Zwischenstufen
wie seine Schüler und Bücher vermittelte. Durch die Verwendung von
ritviks
werden also keine spirituellen Prinzipien verändert. Es handelt sich nur um eine
Veränderung von Details.
Um die Verwendung von
ritviks
also ins rechte Licht zu rücken, wurde gezeigt,
dass wir es mit den Einzelheiten einer formalisierenden Zeremonie zu tun haben.
Eine Zeremonie, die selbst nur ein einziges, nicht grundelegendes Element,
des transzendentalen Vorgangs der
diksa
(siehe
Diksa
-Diagramm, S.102),
darstellt.
Es ist anzumerken, dass Srila Prabhupada all diese Elemente im Verhältnis zu
ihrer Bedeutung behandelte:
53
Sonstige zugehörige Einwände
Gegenstand
In den
Büchern
erklärt?
Tradition
befolgt?
Entscheidende
Veränderung(en)
der Tradition?
Veränderung(en)
der Tradition
in den Büchern
erklärt?
Diksa
JA
NEIN
Wissen wird haupt-
sächlich durch
vani
und nicht durch
physischen Kontakt
vermittelt
Persönliche
pariksa
wenig genutzt
Neue
Einweihungsstandards
TEILWEISE
Prozedur der
Einweihungs-
zeremonie
NEIN
NEIN
Verwendung von
Stellvertretern, die
auf den
japa
-
malas
der Eingeweihten
chanten
Vermittlung des
gayatri-Mantras
über
Tonband
NEIN
Vorgang der
Namensvergabe
NEIN
NEIN
Name zum Zeitpunkt
der
harinam
diksa
vergeben
Verwendung von
Stellvertretern zur
Vergabe des Namens
NEIN
Dass in Srila Prabhupadas Büchern keine näheren Angaben über die
Verwendung von
ritviks
bei Einweihungszeremonien gemacht werden
- weder im historischen Kontext, noch auf unsere Gegenwart bezogen
- entspricht also durchaus Srila Prabhupadas Umgang mit Fragen zur
Einweihungsthematik; denn Erwähnungen näherer Details in seinen Büchern
finden sich proportional zu der Wichtigkeit der betreffenden Neuerungen.
2
. „Wie kann
pariksa
(gegenseitiges Prüfen zwischen Schüler und Guru),
ein grundlegendes Element der
diksa
, ohne physischen Kontakt erreicht
werden?“
Diese Frage ergibt sich aus der von Srila Prabhupada genannten Notwendigkeit,
dass ein Schüler sich an einen Guru
„wenden“, „ihm Fragen stellen“
und
Die Letzte Anweisung
54
ihm
„dienen“
muss (
Bg
. 4.34) und dass der Guru den Schüler
„prüfen“
(
C.C.
Madhya
24.330) muss. Wenn wir diese Verse sorgfältig untersuchen, werden
die folgenden Punkte deutlich:
Es wird nicht erwähnt, dass dieses
„Befragen“, „Dienen“
und
„Prüfen“
direkten physischen Kontakt erfordern.
Die Erläuterung von
Bg
4.34 spricht davon, dass diese Aktivitäten für einen
Schüler
grundlegend sind.Wenn dieseAktivitäten also unbedingt erfordern,
dass der Guru auf dem gleichen Planeten sein muss, dann ist seit dem 14.
November 1977
niemand
mehr Srila Prabhupadas Schüler gewesen.
Dem
„spirituellen Meister“
werden
„Fragen gestellt“
, damit dieser
„Wissen
offenbaren“
kann.
„Wissen offenbaren“
ist jedoch auch die Definition von
siksa
und es wird akzeptiert, dass der Guru sich nicht auf dem Planeten
befinden muss, um
siksa
zu erteilen oder Anfragen hinsichtlich
siksa
anzunehmen. (Siehe S. 103 –
„Muss der Guru physisch anwesend sein?“
).
Wie oben bereits erläutert, würde der Logik dieser Behauptung zufolge
niemandem
seit 14. November 1977
„Wissen offenbart“.
Das
„Prüfen“
bezieht sich auf die Zustimmung des potentiellen Schülers,
die regulierenden Prinzipien zu befolgen und kann von Stellvertretern des
Gurus überwacht werden:
„UnsereBewegungfürKrsna-BewußtseinmachtzurBedingung,dass
man gewillt ist, die vier Säulen sündhaften Lebens aufzugeben (...)
Vorallem in den westlichen Ländern beobachten wirzunächst, ob ein
potentiellerSchülergewilltistdenregulierendenPrinzipienzufolgen.“
(
C.C. Madhya
, 24.330, Erläuterung, Hervorhebung hinzugefügt)
Diese Möglichkeit, Stellvertreter zu verwenden, wird einige Zeilen später
nochmals wiederholt, wenn die erforderliche Beobachtung für potentielle
Kandidaten für die Zweiteinweihung erwähnt wird:
„AufdieseWeisebringtderSchülerunterderFührungdesspirituellen
Meisters oder dessen Repräsentanten mindestens sechs Monate lang
hingebungsvollen Dienst dar.“
(
C.C. Madhya
, 24.330, Erläuterung, Hervorhebung hinzufügt)
Wieder einige Zeilen später sehen wir, wie unabdingbar die Verwendung von
Stellvertretern wirklich ist:
„Der spirituelle Meister sollte die Wissbegierde des Schülers
mindestens sechs Monate oder ein Jahr lang prüfen.“
(
C.C. Madhya
, 24.330, Erläuterung)
Wenn wir bedenken, auf welche Weise Srila Prabhupada die Gesellschaft
aufgebaut hatte, wäre es
unmöglich
gewesen, die obige Bedingung zu
55
Sonstige zugehörige Einwände
erfüllen. Er hätte niemals
jeden einzelnen seiner Tausenden Schüler
ganze sechs Monate beobachten können. Darum stand die Verwendung
von Stellvertretern nicht zur Wahl, sondern sie war absolut
unumgänglich
,
wenn die obige Bedingung von Srila Prabhupada erfüllt werden sollte.Wenn
persönliche
pariksa
(also solche, an der er physisch beteiligt war) des Gurus
ein unantastbares
sastrisches
Prinzip wäre, warum hätte Srila Prabhupada
dann absichtlich eine Predigtmission (mit Schülern und Zentren auf der
ganzen Welt) aufbauen sollen, die ein solches persönliches Überprüfen
unmöglich
machte? So wird faktisch argumentiert, dass Srila Prabhupada
seinen Erfolg im Predigen nur erzielte, indem er gegen die
sastras
verstieß
- ein Argument, das häufig von anderen Gaudiya Vaisnava-Gruppen in
Indien verwendet wird.
Alle obigen Punkte werden durch den stärkst möglichen Beweis noch
weiter gestützt – weitreichende praktische Beispiele des
acarya
selbst.
Srila Prabhupada hat die Mehrzahl seiner Schüler ohne jegliche persönliche
pariksa
eingeweiht. So hat Srila Prabhupada ein System eingeführt, indem
es das Gleiche war, sich für die
diksa
an seine Stellvertreter zu wenden
wie an ihn direkt. Es mag argumentiert werden, dass die Abschaffung der
persönlichen
pariksa
gerechtfertigt war, da sich der Guru noch auf dem
Planeten befand. So hätte eine persönliche
pariksa
zumindest theoretisch
statt finden können. Dieses Argument entbehrt jeder Grundlage, denn:
i)
Diese besondere Ausschlussklausel für persönliche
pariksa
wird in keiner
der Schriften erwähnt. Sie wäre schlicht eine Erfindung, um die Umstände den
Fakten anzupassen.
ii)
WennSrilaPrabhupadadieVerwendungvonStellvertreternfürdiepersönliche
pariksa
beschreibt, sagt er niemals, dass diese nur dann existieren können, wenn
er sich auf dem Planeten befindet. Welches bislang nicht erwähnte
sastrische
Prinzip erfordert eine Einschränkung der Verwendung von Stellvertretern
aufgrund von Umständen, die die physische Nähe der Person betreffen, die
diese Stellvertreter nutzt?
iii)
Wie gezeigt, ist die Erfordernis persönlicher
pariksa
keine Bedingung der
sastras
. Srila Prabhupada unterstützt die Verwendung von Stellvertretern, wie
beispielsweise seinen Schülern und Büchern, als Ersatz für persönliche
pariksa
.
Die Frage, wann persönliche
pariksa
abgeschafft werden kann oder nicht, stellt
sich somit gar nicht erst.
iv)
Dass
diksa
ohne physischen Kontakt gegeben wurde ist bereits ein Beweis
dafür, dass sie ohne persönliche
pariksa
stattfinden kann.
v)
Die bloße Tatsache, dass persönliche
pariksa
selbst dann nicht immer von
Srila Prabhupada durchgeführt wurde, wenn es ihm möglich war, dies zu tun,
Die Letzte Anweisung
56
bedeutet, dass sie für den Vorgang der
diksa
nicht notwendig sein kann.
Srila Prabhupada machte sehr deutlich, welche Standards er von einem Schüler
erwartete. Die Tempelpräsidenten und
ritviks
sollten sicherstellen, dass diese
fortgeführt werden würden. Die heutigen Standards für die Einweihung sind
identisch mit jenen, die Srila Prabhupada eingeführt hat, während er gegenwärtig
war. Wenn er also darum bat, nicht um Rat gefragt zu werden, während er
gegenwärtig war, was lässt uns denn denken, er würde jetzt dringend eingreifen
wollen? Unser einziges Anliegen ist es, dafür zu sorgen, dass diese Standards
ohne Veränderung oder Spekulation streng eingehalten werden.
3. „Wir mögen vielleicht Srila Prabhupada akzeptieren, aber woher
wissen wir, dass er uns als seine Schüler akzeptiert, auch wenn er nicht
physisch anwesend ist?“
Am 7. Juli, als Srila Prabhupada das
ritvik
-System einführte, sagte er, dass
die
ritviks
Gottgeweihte als seine Schüler annehmen können, ohne ihn um
Rat zu befragen. Somit war Srila Prabhupada an dem Prozess der Auswahl
oder der Annahme neuer Schüler nicht beteiligt. Die
ritviks
hatten die volle
Entscheidungsvollmacht und alles lag in ihrem Ermessen. Srila Prabhupadas
physische Beteiligung war nicht erforderlich:
Srila Prabhupada:
Also ohne auf mich zu warten, wen auch immer ihr
für würdig haltet. Es liegt also in eurem Ermessen.
Tamal Krsna Goswami:
In unserem Ermessen.
Srila Prabhupada:
Ja.
(Srila Prabhupada Private Unterhaltung 7.7.77, Vrindavan)
Darüber hinaus würden die von den
ritviks
vergebenen Namen von Tamal
Krsna Goswami in das
„Buch der eingeweihten Schüler“
eingetragen werden.
Daher wäre Srila Prabhupada zumindest äußerlich nicht einmal die Existenz
des Schülers bekannt. Dementsprechend wäre der Vorgang heute der gleiche
wie damals, da der
ritvik
die Entscheidungsvollmacht besitzt.
4. „Nur wenn die
diksa
-Einweihung statt gefunden hat, bevor der Guru
den Planeten verlässt, ist es auch möglich, sich weiterhin an ihn zu
wenden, ihm Fragen zu stellen und ihm zu dienen, wenn er physisch
nicht gegenwärtig ist.“
Zumindest räumt die obige Behauptung ein, dass es überhaupt möglich
ist
, sich
an einen physisch nicht anwesenden spirituellen Meister zu wenden, ihm Fragen
zu stellen und ihm dienen. Die Bedingung, dass dies
nur
möglich ist,
„wenn die
57
Sonstige zugehörige Einwände
diksa
-Verbindung geschlossen wird, bevor der Guru den Planeten verlässt“
, ist
eine reine Erfindung, für die es in Srila Prabhupadas Büchern keinen Nachweis
gibt und die somit ignoriert werden kann.
Diksa
erfordert noch nicht einmal eine
formelle Einweihungszeremonie, um zu funktionieren.
Diksa
ist dieVermittlung
transzendentalen Wissens durch den Guru an den aufnahmebereiten Schüler
(zusammen mit der Reinigung von sündhaften Reaktionen):
„...Schülernachfolge bedeutet nicht immer, dass man offiziell
eingeweiht sein
muss. Schülernachfolge bedeutet vielmehr, die
Schlussfolgerung der Schülernachfolge zu akzeptieren.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Dinesh, 31.10.69)
„Nun,EinweihungoderkeineEinweihung,derersteSchrittistWissen
zu erlangen...Wissen. Einweihung ist eine Formalität. Genauso wie
man in eine Schule geht um Wissen zu erlangen, die Zulassung ist
nur eine Formalität. Das ist nicht der wichtigste Teil.“
(Srila Prabhupada Interview, 16.10.76 Chandigarh)
Es ist irrational zu behaupten, dass der transzend entale Vorgang der
diksa
nicht
richtig funktionieren kann, wenn der Guru während eines nicht essentiellen
Feuer-
yajna
nicht physisch gegenwärtig ist; insbesondere da:
Srila Prabhupada bei Einweihungszeremonien häufig nicht physisch
anwesendwar.DiesewurdenvielfachvonseinenStellvertreterndurchgeführt,
d. h. den Tempelpräsidenten, Senior-
sannyasis
und
ritviks
.
Es wird akzeptiert, dass viele Tausende von Srila Prabhupadas Schülern
noch immer von dem Vorgang der
diksa
profitieren, obwohl ihr Guru seit
fast zwei Jahrzehnten nicht mehr physisch anwesend ist.
Es könnte argumentiert werden, dass obwohl Srila Prabhupada bei diesen
Einweihungennichtgegenwärtigwar,erdennochzuderZeit,alsdiesestattfanden,
zumindestaufdemgleichenPlanetenphysischgegenwärtigwar.Istdiephysische
Gegenwart des Gurus auf dem Planeten während der Einweihung also essentiell
für
diksa
? Um diesem Argument Gewicht zu verleihen, müssten wir in Srila
Prabhupadas Büchern eine Vorschrift finden, die besagt:
,
Diksa
kann nur dann stattfinden, wenn der Guru sich während der formellen
Einweihungszeremonie in einem Abstand zum Schüler befindet, der nicht den
Durchmesser der Erde überschreitet’.
Bis heute hat es noch niemand geschafft, eine solche Vorschrift zu finden.
Vielmehr widerspricht ein bekanntes Beispiel für
diksa
in unserer Philosophie
(
Bg
. 4.1) der obigen Annahme, wie das unten stehende Zitat zeigt:
„Es gab also keine Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit
Manu oder Manus Sohn Iksvaku. Die Kommunikation war da, bzw.
Die Letzte Anweisung
58
das Funksystem war so gut, dass die Kommunikation von einem
Planeten zum anderen übertragen werden konnte.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 24.8.68)
Es wird ersichtlich, dass
diksa
von der physischen Distanz zwischen Gurus und
Schülern nicht beeinträchtigt wird.
5. „Diese Vorschläge klingen verdächtig nach Christentum!“
1)
Nicht
wir
schlagen das
ritvik
-System vor, sondern Srila Prabhupada – in der
letzten Anweisung vom 9. Juli 1977. Also selbst wenn es wie das Christentum
ist, müssen wir es trotzdem befolgen, da es die Anweisung des Gurus
ist
.
2)
Srila Prabhupada hat die Idee der Christen deutlich gutgeheißen, dem ver-
schiedenen Jesus Christus als ihrem Guru weiterhin zu folgen. Er lehrte, dass
jeder, der den Lehren Christi folge, dessen Schüler sei und die Stufe der Befreiung
erreichen würde, die von Jesus Christus angeboten wurde:
Madhudvisa:
GibteseineMöglichkeitfüreinenChristen,denspirituellen
Himmel ohne die Hilfe eines spirituellen Meisters zu
erreichen, indem er den Worten Jesu Christi glaubt und
versucht, seinen Lehren zu folgen?
Srila Prabhupada:
Ich kann nicht folgen.
Tamal Krsna:
Kann ein Christ in diesem Zeitalter ohne spirituellen
Meister, aber durch Lesen der Bibel und Befolgen der
Worte Jesu den...
Srila Prabhupada:
Wenn man die Bibel liest, folgt man dem spirituellen
Meister. Wie kannst du sagen ohne? Sobald man die Bibel
liest, bedeutet dies, dass man denAnweisungen des Herrn
Jesus Christus folgt und dies bedeutet, dass man einem
spirituellen Meister folgt. Wo gibt es also die Möglichkeit,
ohne spirituellen Meister zu sein?
Madhudvisa:
Ich meinte in Bezug auf einen lebenden spirituellen
Meister.
Srila Prabhupada:
Spiritueller Meister ist keine Frage von...spiritueller
Meister ist ewig. Spiritueller Meister ist ewig...Deine
Frageistalso
„ohnespirituellenMeister“
.Ohnespirituellen
Meister kann man an keinem Punkt seines Lebens sein.
Man akzeptiert vielleicht diesen spirituellen Meister oder
jenen spirituellen Meister. Das ist eine andere Sache. Doch
man muss einen akzeptieren. Du sagst
„durch Lesen der
59
Sonstige zugehörige Einwände
Srila Prabhupada:
Bibel“,
wenn man die Bibel liest, bedeutet dies, dass man
dem spirituellen Meister folgt, der von einem Priester oder
Geistlichen in der Linie des Herrn Jesus Christus vertreten
wird. (Morgenspaziergang, 2.10.68, Seattle)
„Was das Ende der Geweihten Jesu Christi betrifft, so können
sie in den Himmel kommen, das ist alles. Das ist ein Planet in
der materiellen Welt. Ein Geweihter des Herrn Jesus Christus ist
jemand, der sich strikt an die Zehn Gebote hält. [...] Darum lautet
die Schlussfolgerung, dass die Geweihten des Herrn Jesus Christus
zu den himmlischen Planeten aufsteigen, die sich innerhalb dieser
materiellen Welt befinden.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Bhagavan, 2.3.70)
„Jemand, der sich tatsächlich von Jesus Christus leiten läßt, wird
zweifellos Befreiung erlangen.“
(Vollkommene Fragen, Vollkommene Antworten, Kapitel 9)
„...Oder die Christen folgen Christus, einer großen Persönlichkeit.
mahajano yena gatah sa panthah
. Ihr folgt einem
mahajana
, einer
großen Persönlichkeit [...] Ihr folgt einem
acarya
, sowie die Christen
Christus, ihrem
acarya
, folgen. Die Mohammedaner, sie folgen dem
acarya
Mohammed.Dasistgut.Manmussirgendeinem
acarya
folgen.
[...]
evamparampara-praptam
.“
(SrilaPrabhupadaPrivateUnterhaltung,
20.5.75, Melbourne)
3)
Dieser Einwand gegen
„christliche“
Elemente ist paradox, da das derzeitige
Guru-System in der ISKCON selbst gewisse christliche Vorgehensweisen
übernommen hat. Das Prinzip der Wahl von Gurus durch den GBC ähnelt dem
System des Kardinalskollegiums, das in der katholischen Kirche den Papst
wählt:
„Die Wahlprozeduren [...] für einen Guru-Anwärter [...] der von
den wählenden Mitgliedern aufgestellt wird [...] stimmen für Guru-
Ernennung ab[...] mit einer Zweidrittelmehrheit des GBC [...] alle
Mitglieder des GBC sind Anwärter für die Ernennung zum Guru.“
(GBC Resolutionen)
Der GBC bezeichnet sich selbst außerdem als
„die höchste kirchliche
(“ecclesiastical“) Einrichtung zur Führung der ISKCON“
(
Back To Godhead
,
1990-1991); wiederum
„christliche“
Terminologie.
Diese speziellen
„christlichen“
Praktiken wurden niemals von Jesus gelehrt und
wurden von Srila Prabhupada in vollem Maße verurteilt:
Die Letzte Anweisung
60
„Weltliche Stimmen sind nicht dazu berechtigt, einen Vaisnava-
acarya
zu wählen. Ein Vaisnava-
acarya
ist selbstleuchtend; deshalb
besteht zu seiner Ernennung keine Notwendigkeit ein Gerichtsurteil
heranzuziehen.“
(
C.C. Madhya
, 1.220, Erläuterung)
„Sri Jiva Gosvami rät, keinen spirituellen Meister anzunehmen,
der seine Berechtigung aus erblichen oder herkömmlichen
gesellschaftlichen und kirchlichen Konventionen herleitet.“
(
C.C. Adi
, 1.35, Erläuterung)
6. „Die
ritviks
geben eine Art
diksa
. Srila Prabhupada ist nur unser
siksa
-Guru“
1)
Die Funktion eines
ritvik
unterscheidet sich von der eines
diksa
-Gurus. Sein
einziger Zweck besteht darin, dem
diksa
-Guru bei der Einweihung von
Schülern zu
helfen und nicht darin, sie selbst anzunehmen.
2)
Der
ritvik
überwacht nur die Einweihungsprozedur, vergibt einen spirituellen
Namen usw. - er führt aber noch nicht einmal unbedingt das Feuer-
yajna
durch. Für gewöhnlich tat dies der Tempelpräsident. Niemand behauptet
deshalb aber, dass
dieser
der
diksa
-Guru sei.
3)
Warum erlauben wir Srila Prabhupada nicht, zu sein, was er möchte? Er ist
mit Sicherheit unser
siksa
-Guru, doch wie er am 9. Juli deutlich erkennen
liess, sollte er auch unser
diksa
-Guru sein.
4)
Da Srila Prabhupada unser vorherrschender
siksa
-Guru ist, ist er
de facto
auch unser
diksa
-Guru, denn:
• Er vermittelt
divya-jnana
oder transzendentale Wissen – Definition von
diksa
.
• Er pflanzt den
bhakti lata bija
- Definition von
diksa
.
Gottgeweihte können bei den beiden obigenAktivitäten helfen (durch Predigen,
das Verteilen von Büchern usw.), aber sie sind
vartma-pradasaka
-Gurus, keine
diksa
-Gurus, auch wenn sie durch solche Dienste ebenfalls befreite Seelen
werden können.
5)
Der vorherrschende
siksa
-Guru wird normalerwise auch der
diksa
-Guru:
„Srila Prabhupada ist der grundlegende
siksa
-Guru für alle
Gottgeweihten der ISKCON [...] Srila Prabhupadas Anweisungen
sind die essentiellen Lehren für jeden ISKCON-Gottgeweihten.“
(GBC Resolutionen, Nr. 35, 1994)
„Im allgemeinen wird ein spiritueller Meister, der einen Schüler
61
Sonstige zugehörige Einwände
ständig in der spirituellen Wissenschaft unterweist, später auch sein
einweihender spiritueller Meister.“
(
C.C. Adi
, 1.35, Erläuterung)
„Es ist die Pflicht des
siksa
-guru oder
diksa
-guru, den Schüler richtig
zu unterweisen, und es hängt von dem Schüler ab, den Vorgang
auszuführen. Den Anweisungen der
sastras
gemäß gibt es keinen
Unterschied zwischen dem
siksa
-guru und dem
diksa
-guru, und im
Allgemeinen wird der
siksa
-guru später der
diksa
-guru.“
(
S.B.
4.12.32, Erläuterung)
7. „Wenn Srila Prabhupada der
siksa
-Guru von allen ist, wie kann erdann
auch der
diksa
-Guru sein?“
Die Verwechslung von
diksa
- und
siksa
-Gurus geschieht, weil ihre Titel mit
ihren Funktionen verwechselt werden. Es wird daher manchmal angenommen,
dass nur der
siksa
-Guru
siksa
geben kann, und nicht der
diksa
-Guru. Das vorige
Zitat zeigt jedoch, dass der
diksa
-Guru auch unterweist. Dies sollte einleuchtend
sein, denn wie sollte er sonst
divya-jnana
vermitteln?
Pradyumna:
Guru-padasrayah
.
„Zuerst müsst ihr Zuflucht bei den
Lotusfüßen eines spirituellen Meisters suchen.“
Tasmat
Krsna-diksadi-siksanam. Tasmat
,
„von ihm“
,
Krsna-
diksadi-siksanam
,
„solltet ihr
Krsna
-
Diksa
empfangen,
die Einweihung, und
Siksa
.“
Srila Prabhupada:
Siksanam
. Wir müssen lernen. Wenn ihr nicht lernt, wie
wollt ihr dann Fortschritte erzielen? Was dann?
Dass die transzendentale
siksa
die Essenz der
diksa
ist, geht offensichtlich aus
den bekanntesten Versen über die Guru-Schüler-Beziehung hervor (
Bg
. 4.34). In
diesem Vers, wird das Wort
upadeksyanti
in der Wort-für-Wort-Übersetzung
mit
„zuteil werden lassen“
übersetzt. Doch in der eigentlichen Übersetzung
wird
„zuteil werden lassen“
durch
„Wissen offenbaren“
ersetzt, ein Vorgang, der
Srila Prabhupada:
Diksa
bedeutet
divya-jnanam ksapayati
iti
diksa
. Was
divya-jnana
erklärt, transzendental, das ist
Diksa
.
Di,
divya,diksanam
.
Diksa
. Also
divya-jnana
,transzendentales
Wissen... Wenn ihr keinen spirituellen Meister akzeptiert,
wie wollt ihr dann transzen... Ihr werdet hier und dort
unterrichtet werden, hier und dort, und Zeit verschwenden.
Die Zeit des Lehrers und eure kostbare Zeit verschwenden.
Daher müsst ihr von einem erfahrenen spirituellen Meister
geführt werden. Lies.
Die Letzte Anweisung
62
durch das
„Fragen stellen“
seitens des Schülers unterstützt wird. DerVorgang der
Einweihung wird hier also als
„Wissensvermittlung“
beschrieben. Demzufolge
sind die Befürworter der Aussage
„Prabhupada ist
siksa
-, nicht
diksa
-Guru“
in
eine Logikfalle getappt, die sie sich selbst gestellt haben. Wenn Srila Prabhupada
fähig ist,
„Wissen zu offenbaren“
, wenn er nicht auf dem Planeten ist – dann
muss er der Definition nach
divya-jnana
geben – transzendentales Wissen. Wenn
Srila Prabhupada also ein
siksa
-Guru sein kann, ohne dass die Notwendigkeit der
physischen Beteiligung besteht, warum kann er dann kein
diksa
-Guru sein? Es
ist grotesk, zu argumentieren, dass Srila Prabhupada
siksa
geben kann, obwohl
er sich nicht auf dem Planeten befindet, wenn er als
siksa
-Guru handelt, aber
keine
siksa
geben kann, wenn wir seinen Titel ändern.
Die bloße Tatsache, dass er
siksa
-Guru sein kann, während er nicht auf
dem Planeten ist, ist schon Beweis dafür, dass er gleichzeitig auch
diksa
geben kann.
Einige gehen sogar noch einen Schritt weiter und argumentieren, dass Srila
Prabhupada ohne physischen Körper noch nicht einmal transzendentale
siksa
geben kann. Wenn dies der Fall wäre, stellt sich die Frage, warum Srila
Prabhupada sich die Mühe gemacht hat, so viele Bücher zu schreiben und
einen Trust zu gründen, der ausschließlich den Zweck hatte, diese Bücher die
nächsten Zehntausend Jahre lang zu verbreiten? Wenn es nicht mehr möglich
ist, transzendentale Instruktionen aus Srila Prabhupadas Büchern zu erhalten,
warum verteilen wir diese dann und warum ergeben sich Menschen noch immer
einzig und allein aufgrund ihrer Aussagekraft?
8
. „Soll das bedeuten, dass Srila Prabhupada keine reinen Gottgeweihten
erschaffen hat?“
Nein,wirsagenlediglich,dassSrilaPrabhupada,das
ritvik
-Systemeingeführt
hat
,
um Einweihungen fortführen zu lassen. Ob Srila Prabhupada reine Gottgeweihte
erschaffen hat oder nicht, ist für diese klare und unmissverständliche letzte
Anweisung nicht von Bedeutung. Als Schüler ist es unsere Pflicht, einfach
den Anweisungen des Gurus zu folgen. Es ist unangemessen, aufzuhören, die
Anweisung des Gurus zu befolgen und stattdessen zu spekulieren, wie viele
reine Gottgeweihte es jetzt gibt oder in Zukunft geben wird.
Selbst wenn wir den ungünstigsten Fall voraussetzen, dass es derzeit tatsächlich
keine reinen Geweihten gibt, sollte man die Situation in Betracht ziehen, die nach
dem Verscheiden Srila Bhaktisiddhanta Sarasvatis herrschte. Srila Prabhupada
erklärte, dass es nach fast 40 Jahren nur einen autorisierten einweihenden
acarya
gäbe, der aus der Gaudiya Matha hervorgegangen war:
„Unter meinen Gottbrüdern ist niemand wirklich dazu qualifiziert,
63
Sonstige zugehörige Einwände
acarya
zu werden.*. [...] anstatt unsere Studenten und Schüler zu
inspirieren, können sie sie manchmal verunreinigen. [...] sie können
unseren natürlichen Fortschritt schnell hemmen.“
(Srila Prabhupada in einem Brief Rupanuga, 28.4.74)
*(Srila Prabhupada benutzte die Begriffe “
acarya
“ und “Guru“ im gleichen
Sinne):
„Ich werde einige Gurus hervorbringen. Ich werde mitteilen, wer
Guru sein wird, ‘Jetzt wirst du
acarya
.’[...] Du kannst betrügen, aber
das wird nicht effektiv sein. Schau dir nur unsere Gaudiya Matha
an. Jeder wollte Guru sein. Ein kleiner Tempel und ‘Guru’. Welche
Art von Guru?“
(Srila Prabhupada Morgenspaziergang, 22.4.77)
Dies
könnte
als ein vernichtendes Urteil der Predigtarbeit Srila Bhaktisiddhantas
betrachtet werden. Es wäre jedoch äußerst unklug zu argumentieren, Srila
Bhaktisiddhanta hätte
„versagt“
. Es ist bekannt, dass Srila Bhaktisiddhanta sagte,
seine Mission wäre ein Erfolg, wenn sie nur einen einzigen reinen Gottgeweihten
hervorbringen würde.
AufjedenFallschließtdieEinführungeines
ritvik
-SystemsdiemöglicheExistenz
von reinen Gottgeweihten nicht
a priori
aus. Es gibt verschiedene Szenarien,
in denen es ohne Weiteres sowohl
ritviks
als auch reine Gottgeweihte geben
könnte.
SrilaPrabhupadakönntebeispielweisevielereineGottgeweihtegeschaffenhaben,
die kein Verlangen verspüren,
diksa
-Gurus zu werden. Es gibt keinen Beweis,
der darauf hindeutet, dass die fortgeschrittensten Geweihten in der ISKCON
zwangsläufig jene Personen sind, die sich jedes Jahr zur Wahl aufstellen. Diese
reinen Gottgeweihten könnten den einfachen Wunsch haben, Srila Prabhupadas
Mission demütig zu helfen. Es steht nirgendwo geschrieben, dass ein reiner
Gottgeweihter
verpflichtet
ist, ein
diksa
-Guru zu werden. Solchen Menschen
wäre es eine große Freude innerhalb des
ritvik
-Systems zu wirken, wenn dies
die Anweisung des Gurus war.
Srila Prabhupadas mag sich eine großeAnzahl an anweisenden Gurus gewünscht
haben, aber nicht unbedingt mehr einweihende Gurus. Dies wäre sowohl im
Einklang mit den zuvor zitierten Anweisungen, dass jeder
siksa
-Guru werden
soll als auch mit Srila Prabhupadas Warnung, keine Schüler anzunehmen. Dies
würde auch mit der Tatsache übereinstimmen, dass Srila Prabhupada den Erfolg
seiner Mission bereits eigenhändig herbei geführt hatte:
(Es sei hier angemerkt, dass das folgende Gespräch in der englischen Fassung
ein Wortspiel beinhaltet, dass in der deutschen Übersetzung so nicht deutlich
wird. Es bezieht sich auf die Worte
„successor“
(Nachfolger) und
„success“
(Erfolg). Neben der ähnlichen Lautierung der Worte, besteht ein weiterer
Die Letzte Anweisung
64
Zusammenhang über das Wort
„to succeed“
, welches sowohl
„Erfolg haben“
als auch
„nachfolgen“
bedeuten kann.An den entscheidenden Stellen, geben wir
daher zum besseren Verständnis sowohl die deutsche Übersetzung als auch – in
Klammern und
kursiv
– die eigentlichen englischen Worte an.)
Gast:
Planen sie, einen Nachfolger (successor) auszuwählen?
Srila Prabhupada:
Sie
(die Bewegung)
ist bereits erfolgreich.
(It is already
successful.)
Gast:
Aber es muss doch jemand benötigt werden, der die Dinge
regeln wird.
Srila Prabhupada:
Ja. Daran arbeiten wir. Wir bilden Gottgeweihte aus,
die dies tun werden..
Hanuman:
Eine Sache, die dieser Herr sagt, würde ich gern wissen.
Ist ihr Nachfolger
(successor)
schon benannt oder wird
ihr Nachfolger
(successor)
...
Srila Prabhupada: Mein Erfolg
(success)
ist immer da.
(Srila Prabhupada Private Unterhaltung, 12.2.75 Mexiko)
“„EsgibtnunnichtsNeueszusagen. Alles,dasicheuchzusagenhabe,
habe ich in meinen Büchern gesagt. Jetzt versucht, es zu verstehen
und fahrt mit euren Bemühungen fort. Ob ich gegenwärtig bin oder
nicht spielt keine Rolle..“
(Srila Prabhupada Ankunftsunterhaltung, 17.5.77, Vrindavan)
Reporter:
Was wird mit der Bewegung in den
Vereinigten
Staaten passieren, wenn Ihr sterbt?
Srila Prabhupada:
Ich werde niemals sterben.
Devotees:
Jaya! Haribol!
(Gelächter)
Srila Prabhupada:
Ich werde durch meine Bücher weiterleben und die werdet
ihr verwenden.
(Srila Prabhupada Pressekonferenz, 16.7.75, San Francisco)
Reporter:
Bilden sie einen Nachfolger aus?
Srila Prabhupada:
Ja, mein Guru Maharaja ist da.
(Srila Prabhupada Pressekonferenz, 16.7.75, San Francisco)
„Nur Sri Caitanya kann meinen Platz einnehmen. Er wird sich um
die Bewegung kümmern.“
(Srila Prabhupada Private Unterhaltung– übersetzt aus dem Hindi,
2.11.77)
Interviewer:
Wasgeschieht,wennderunvermeidlicheZeitpunktkommt,
an dem ein Nachfolger benötigt wird?
65
Sonstige zugehörige Einwände
Ramesvara:
Er fragt nach der Zukunft, wer die Bewegung in der
Zukunft leiten wird.
Srila Prabhupada:
Sie werden sie leiten, ich bilde sie dazu aus.
Interviewer:
Aber wird es einen spirituellen Leiter geben?
Srila Prabhupada:
Nein, ich bilde einen Führungsrat (GBC – der Verf.) aus,
18 auf der ganzen Welt.
(Srila Prabhupada Interview, 4/6/76, Los Angeles)
Reporter:
Werden sie eine Person als ihren Nachfolger benennen
oder haben sie dies bereits getan?
Srila Prabhupada:
Darüber denke ich zur Zeit nicht nach. Doch es wird
keine einzelne Person benötigt.
(Srila Prabhupada Interview, 4/6/76, Los Angeles)
Interviewer:
Ich habe mich gefragt, ob er einen Nachfolger hätte,
um.... Haben sie einen Nachfolger, wenn sie sterben?
Srila Prabhupada:
Noch nicht entschieden. Noch nicht entschieden.
Interviewer:
Was für ein Prozess also? Würden die Hare Krsnas...
Srila Prabhupada:
Wir haben Sekretäre. Sie verwalten alles.
(Srila Prabhupada Interview, 14/7/76, New York)
Die Tatsache, dass Srila Prabhupada keinen seiner Schüler dazu autorisierte, als
diksa
-Guru zu handeln, bedeutet nicht zwingenderweise, dass keiner von ihnen
ein reiner Geweihter war. Ein
siksa
-Guru kann auch eine befreite Seele sein. Es
könnte einfach sein, dass Krsnas Plan es nicht erforderte, dass sie eine solche
Rolle annahmen. Trotzdem haben Anhänger Srila Prabhupadas eine wichtige
Aufgabe, genauso wie zu der Zeit als Srila Prabhupada physisch auf dem
Planeten gegenwärtig war. Diese Aufgabe besteht darin, als seine Assistenten
zu fungieren, nicht als nachfolgende
acaryas
:
„Die Mitglieder des GBC sollen alle anweisende Gurus sein. Ich
bin der einweihende Guru und ihr sollt alle anweisende Gurus sein,
indem ihr lehrt, was ich lehre und tut, was ich tue.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Madhudvisa, 4.8.75)
„Manchmal ist ein
diksa
-Guru nicht immer gegenwärtig. Daher
kann man von einem fortgeschrittenen Gottgeweihten lernen und
sich von ihm unterweisen lassen. Dieser wird
siksa
-Guru genannt.“
(Srila Prabhupada
Bg
. Vortrag, 4.7.74, Honolulu)
Esgehtalsonichtdarum,obSrilaPrabhupadairgendwelchereinenGottgeweihten
erschaffen hat, sondern um die Tatsache,
dass
er das
ritvik
-System eingeführt
hat
. Obwohl der
diksa
-Guru zu diesem Zeitpunkt nicht physisch anwesend ist,
bedeutet dies nicht, dass er nicht der
diksa
-Guru ist. Wenn er nicht gegenwärtig
Die Letzte Anweisung
66
ist, wird von uns erwartet, Anweisungen von wahren
siksa
-Gurus entgegen zu
nehmen, von denen es eines Tages Millionen geben könnte.
9. „Solange ein Guru strikt folgt, spielt es keine Rolle, wie fortgeschritten
er ist, er wird sich letztlich qualifizieren und seine Schüler zu Gott
zurückführen.“
Wie zuvor erläutert, muss man zunächst die höchste Stufe der hingebungsvollen
Verehrung,nämlich
maha-bhagavata
erlangen,umals
diksa
-Guruzuhandeln,und
dannvonseinemvorhergehenden
acarya
dafürautorisiertwerden,Einweihungen
durchzuführen. Die obige Guruphilosophie nach dem Muster eines vordatierten
Schecks ist, wie das folgende Zitat aufzeigt, eine beleidigende Spekulation:
„Obwohl Prthu Maharaja tatsächlich eine Inkarnation derHöchsten
Persönlichkeit Gottes war, lehnte er die ihm dargebrachten
Lobeshymnen ab, weil die Eigenschaften der Höchsten Person noch
nicht in ihm sichtbar waren. Er wollte betonen, dass jemand, der
diese Eigenschaften nicht tatsächlich besitzt, nicht versuchen sollte,
seine Anhänger und Geweihten dazu zu bringen, ihn für solche
Eigenschaften zu lobpreisen, obwohl diese Eigenschaften in der
Zukunftsichtbarwerdenmögen.Wennjemand,derdieEigenschaften
einer großen Persönlichkeit nicht tatsächlich besitzt, seineAnhänger
veranlasst,ihnzulobpreisen,inder Erwartung,solcheEigenschaften
würden sich in derZukunft entwickeln, ist dieseArt von Lobpreisung
im Grunde eine Beleidigung.“
(
S.B.
4.15.23, Erläuterung)
Genauso wie es einVergehen wäre, einen Blinden als
„Lotusäugigen“
anzureden,
ist es ein ähnliches Vergehen, teilweise bedingte Seelen als
„so gut wie Gott“
(
GII
, Punkt 8, S.15) zu bezeichnen. Dies ist ein Vergehen nicht nur gegen die
Person, der fälschlicherweise geschmeichelt wird, sondern auch gegen die reine
Schülernachfolge der tatsächlich verwirklichten Seelen bis hin zum Höchsten
Herrn selbst.
„Strikt zu folgen“
ist der Vorgang, durch den ein Schüler Fortschritte erzielt,
und keine Qualifikation an sich. Gottgeweihte verwechseln den
Vorgang
oftmals
mit der
Qualifikation
und predigen manchmal sogar, dass diese Dinge ein und
dasselbe wären. Nur weil jemand strikt folgt, bedeutet dies nicht, dass er ein
maha-bhagavata
ist oder dass er von seinem eigenen spirituellen Meister gebeten
worden ist, einzuweihen. Wenn ein Schüler aber anfängt einzuweihen, bevor
er entsprechend qualifiziert ist und autorisiert wurde,
„folgt“
er mit Sicherheit
auch nicht
„strikt“.
Manchmal zitieren Devotees Text 5 aus
Nektar der Unterweisung
(Erläuterung),
67
Sonstige zugehörige Einwände
um zu beweisen, dass
„ein Vaisnava-Neuling oder ein Vaisnava auf der
Zwischenstufe“ „ebenfalls Schüler annehmen“
kann. Aus irgendeinem Grund
bemerken sie nicht, dass der Rest des Satzes Schüler solcher Gurus warnt,
„dass
sie unter seiner unzulänglichen Führung keine sehr großen Fortschritte auf dem
Pfad zum endgültigen Ziel des Lebens machen können.“
Dann heißt es:
„Ein Schüler soll daher darauf achten, einen
uttama-adhikari
als
spirituellen Meister anzunehmen.“
Unqualifizierte Gurus werden ebenfalls gewarnt:
„Man soll nicht spiritueller Meister werden, solange man nicht die
Ebene des
uttama-adhikari
erreicht hat.“
(
Nektar der Unterweisung
, Text 5, Erläuterung)
Wenn ein Guru nur
„unzulängliche“
Führung bietet, kann er der Definition nach
kein
diksa
-Guru sein, da dies die Vermittlung des vollständigen
divya-jnana
erfordert.
„Unzulänglich“
bedeutet
„nicht genug“
. Es versteht sich von selbst,
dass maneinweihende Gurus, die niemandem helfen können
„große Fortschritte“
zu machen, am besten ganz und gar meiden sollte.
10. „Das
ritvik
-System bedeutet erklärtermaßen das Ende der
Schülernachfolge.“
Die Schülernachfolge oder Guru-
parampara
ist ewig, sie kann also gar nicht
beendet werden. Laut Srila Prabhupada wird die
Sankirtan
-Bewegung (und
damit die ISKCON) nur noch weitere 9500 Jahre bestehen. Verglichen mit der
Ewigkeit sind 9500 Jahre nichts, nur ein winziges Bruchstück in der kosmischen
Zeit. Dies wäre damit der Zeitraum, in dem Srila Prabhupada das
„derzeitige
verbindende Glied“
innerhalb der ISKCON bleiben soll, solange er oder Krsna
dieAnweisung vom 9. Juli nicht widerrufen oder äußere Umstände es unmöglich
machen, ihr zu folgen (wie zum Beispiel eine vollkommene thermo-nukleare
Auslöschung).
Vorherige
acaryas
sind für lange Zeit aktuell geblieben, Tausende (Srila
Vyasadeva) oder sogar Millionen Jahre (siehe Zitat unten). Wir sehen keinen
Grund, warum die Dauer von Srila Prabhupadas Herrschaft als das
„derzeitige
verbindende Glied“
irgendein Problem darstellen sollte, selbst wenn sie sich
wirklich bis zum Ende der
Sankirtan
-Bewegung erstreckt.
„Was das
parampara
-System betrifft: Wir brauchen uns über große
Abstände nicht wundern [...] wir sehen in der
Bhagavad-gita
, dass die
Gita
dem Sonnengott vor einigen Millionen Jahren gelehrt wurde,
Die Letzte Anweisung
68
aberKrsnahatnurdreiNamenindiesem
parampara-
Systemerwähnt,
nämlich Vivasvan, Manu, und Iksvaku. Von daher hindern diese
Lücken uns nicht daran, das
parampara
-System zu verstehen. Wir
müssen die herausragenden
acaryas
aufgreifen und ihnen folgen.[...]
Wir müssen die Autorität des
acarya
aufgreifen, ganz gleich welcher
sampradaya
wir angehören.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Dayananda, 12.4.68)
Die Anweisung vom 9. Juli ist wichtig, da sie bedeutet, dass Srila Prabhupada,
zumindest für die Mitglieder der ISKCON, der herausragende
acarya
sein
soll, solange die Gesellschaft besteht. Nur durch direktes Eingreifen Srila
Prabhupadas oder Krsnas kann die letzte Anweisung widerrufen werden
(wobei ein solches Eingreifen mindestens so deutlich und unmissverständlich
sein muss wie eine unterzeichnete, an die gesamte Gesellschaft versandte
Anweisung). Bis eine Gegenanweisung erteilt wird, soll die Wissenschaft
des hingebungsvollen Dienstes daher weiterhin direkt von Srila Prabhupada
an nachfolgende Generationen seiner Schüler vermittelt werden. Da dies ein
geläufiges Phänomenen in unserer Schülernachfolge ist, besteht kein Grund zur
Beunruhigung. Die Nachfolge kann nur dann als
„beendet“
betrachtet werden,
wenn die Wissenschaft des hingebungsvollen Dienstes verloren geht. Wenn
so etwas geschieht, kommt Sri Krisna für gewöhnlich selbst herab, um die
religiösenPrinzipienwiederherzustellen.SolangesichSrilaPrabhupadasBücher
im Umlauf befinden, wird diese
„Wissenschaft“
jedoch zweifellos unversehrt
und für jeden zugänglich bleiben.
11. „Das
ritvik-
System bedeutet ein Ende der Guru-Schüler-Beziehung,
die seit Tausenden von Jahren Tradition gewesen ist.“
Durch das
ritvik
-System wird eine potentiell unbegrenzte Anzahl aufrichtiger
Schüler mit dem größten
acarya
verbunden, den diese Erde jemals gesehen
hat, nämlich Srila Prabhupada. Diese Schüler werden mit Srila Prabhupada in
Beziehung stehen, indem sie seine Bücher studieren und ihm innerhalb seiner
Gesellschaft dienen, in welcher wiederum eine unbegrenzte Anzahl an
siksa
-
Guru-Schüler-Beziehungen möglich ist. Inwiefern beendet dies die Tradition
der Guru-Schüler-Beziehung?
Die Einzelheiten darüber, wie die
diksa
-Guru-Schüler-Beziehungen formell
geschlossen werden, können vom
acarya
der Zeit, dem Ort und den Umständen
entsprechend angepasst werden, doch das Prinzip bleibt das gleiche:
„Srimad Viraraghava Acarya, ein
acarya
in der Schülernachfolge
derRamanuja-
sampradaya
, hat in seinem Kommentarbemerkt, dass
candalas
oder bedingte Seelen, die in Familien geboren sind, die noch
69
Sonstige zugehörige Einwände
unter den
sudras
stehen, ebenfalls den Umständen entsprechend
eingeweiht werden können. Die Formalitäten können hier und dort
leicht geändert werden, um sie zu Vaisnavas zu machen.“
(
S.B.
4.8.54, Erläuterung)
Gleichermaßen wird dieses Prinzip der Einweihung durch einen echten
spirituellen Meister durch das
ritvik
-System in keinerlei Hinsicht vermindert
oder beeinträchtigt.
Manchmal wird auf traditionelle Gurus, die in Dörfern in Indien leben, als
Vorbilder für die ISKCON verwiesen. Jeder dieser Gurus hat ein paar Schüler,
die er persönlich ausbildet. Egal wie angenehm dies auch klingen mag, hat es
nicht einmal annähernd etwas mit der weltweiten Mission gemein, die von Sri
Caitanya vorhergesagt und von Srila Prabhupada aufgebaut wurde. Innerhalb
dieserMissionistSrilaPrabhupadaderWelt-
acarya
mitTausendenundpotentiell
Millionen von Schülern. Srila Prabhupada hat eine globale Mission aufgebaut,
durch die ihm sich jeder, überall auf der Welt an ihn
„wenden“,
ihm
„dienen“
und ihm
„Fragen stellen“
kann. Warum sollten wir ein dörfliches Guru-System
in der ISKCON einführen, wenn dies nicht dem entspricht, was Srila Prabhupada
angewiesen oder eingeführt hat?
WiekannesEinheitgeben,wennjederüberverschiedeneGurusmitverschiedenen
Ansichten, Meinungen und Stufen der Verwirklichung meditiert? Im Gegensatz
zu dieser
„auf-gut-Glück“
-Herangehensweise an das spirituelle Leben, hat uns
Srila Prabhupada, wie wir aufgezeigt haben, ein bewährtes System gegeben,
dass es ermöglichte, sich ihm - dem wir hundertprozentig vertrauen können
– direkt zu ergeben. Wir wissen, dass er uns niemals enttäuschen wird und so
wird die ISKCON vereint bleiben, nicht nur dem Namen nach, sondern im
Bewusstsein.
Einige Gottgeweihte haben das Gefühl, dass die Wissenschaft des
hingebungsvollen Dienstes ohne eine Nachfolge von lebenden, physisch
gegenwärtigen einweihenden
diksa
-Gurus verloren geht. Dieses Prinzip
wird jedoch nicht ein einziges Mal von Srila Prabhupada dargelegt und kann
demzufolge in unserer Philosophie nicht existieren. Solange das
ritvik
-System in
Kraft bleibt (sobald es wieder eingeführt wird), wird es eine Nachfolge lebender
siksa
-Gurus geben, die im Namen eines lebenden, wenn auch nicht physisch
gegenwärtigen
maha-bhagavatas
handeln. Solange diese
siksa
-Gurus nichts
verändern, ihre eigene Philosophie erfinden, wichtigeAnweisungen missachten
oder sich selbst unautorisiert als
diksa
-Gurus ausgeben, wird die Wissenschaft
deshingebungsvollenDienstesvollkommenunversehrtbleiben.Wennderartiges
Fehlverhalten die unvergängliche Wissenschaft der
bhakti
stören würde, würde
Krsna mit Sicherheit auf die eine oder andere Art eingreifen. Vielleicht indem
er erneut einen Einwohner Golokas schickt, um eine neue wahre Gesellschaft
Die Letzte Anweisung
70
aufzubauen. Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, dass dies
nicht nötig sein wird.
12. „
Ritvik
entspricht nicht der regulären Art, die Schülernachfolge zu
betreiben. Bei der korrekten Ausführung lehrt der Guru, während er
physisch gegenwärtig ist, dem Schüler alles, was er über Krsna wissen
muss. Sobald der Guru den Planeten verlässt, ist es die Pflicht all seiner
strikten Schüler, sofort damit zu beginnen, eigene Schüler einzuweihen
und damit die Schülernachfolge fortzuführen. Das ist die „reguläre“Art
und Weise, diese Dinge handzuhaben.“
Wenn wir von den zwei wichtigen Vorausetzungen, die erfüllt werden müssen,
bevor irgendjemand beginnen kann Einweihungen zu geben (Autorisierung
und Qualifikation), einmal absehen, ist ebenfalls klar, dass die
diksa
-Aktivität
innerhalb unserer
parampara
enorm vielseitig ist. Wir haben beobachtet, dass
Verletzungen des so genannten
„regulären“
Systems in fünf grundlegende
Kategorien fallen, wenngleich wir nicht leugnen möchten, dass es viele weitere
geben könnte:
a) Lücken
Hierunter fallen all die Fälle, bei denen ein
acarya
in der
parampara
von uns
geht und es keine neue Person gibt, die unmittelbar mit der Einweihung beginnt.
Oder die Person, die das nächste Glied werden soll, erhält von ihrem spirituellen
Meister nicht sofort bei oder nach dessen Verscheiden die Autorisierung, um
einzuweihen. Zum Beispiel gab es eine Lücke von etwa zwanzig Jahren zwischen
dem Verscheiden Srila Bhaktisiddhantas und der nächsten echten Einweihung
in unserer
sampradaya
. Abstände von mehr als hundert Jahren zwischen den
Mitgliedern der Schülernachfolge sind nicht ungewöhnlich.
b) Umgekehrte Lücken
Unter diese Kategorie fallen Fälle, bei denen ein
acarya
seinen Körper noch nicht
verlassen hat, bevor seine Schüler beginnen, Einweihungen durchzuführen. Lord
Brahma zum Beispiel hat seinen Körper noch nicht verlassen und trotzdem haben
Generationen von Nachfolge-Gurus viele Millionen von Schülern eingeweiht.
Srila Bhaktisiddhanta weihte ein, während sowohl Srila Bhaktivinoda als auch
Srila Gaura Kisora noch physisch anwesend waren. Laut
GII
(S. 23) ist dies ein
gängiges Phänomenen in unserer
sampradaya
.
c)
Siksa / diksa
-Verbindungen
EsgibtFälle, indenen ein Schülereinen
acarya
als seinenwichtigsten spirituellen
Meister akzeptiert, nachdem dieser bereits den Planeten verlassen hat. Ob der
verschiedene
acarya
für den Schüler ein
siksa
-oder ein
diksa
-Guru ist, ist häufig
71
Sonstige zugehörige Einwände
schwierig auszumachen. Srila Prabhupada sagt im Allgemeinen nichts Näheres
darüber,wiediesespirituellenInteraktionengenaubeschaffensind.ZumBeispiel
sagt Srila Prabhupada nichts Näheres darüber, wie die Beziehung zwischen Srila
Visvanatha Cakravarti Thakura und Narottama dasa Thakura beschaffen ist, die
in einemAbstand von mehr als hundert Jahren voneinander lebten. Wir möchten
dies vielleicht gern als
siksa
-Beziehung bezeichnen, aber dies ist Spekulation,
denn Srila Prabhupada äußert nur:
„...Srila Narottama dasa Thakura, der seinerseits Srila Visvanatha
Cakravarti als seinen Schüler annahm.“
(
C.C. Adi
, 1)
„...Visvanatha Cakravarti Thakura. Er akzeptierte seinen Guru,
Narottama dasa Thakura.“
(Srila Prabhupada
S.B.
Vortrag 17.4.76, Bombay)
Obwohl solche Schüler normalerweise eine Art Zeremonie mit jemandem, der
physisch gegenwärtig ist, durchlaufen, schließt dies trotzdem nicht unbedingt
aus, dass der verschiedene
acarya
sein
diksa
-Guru wird; genauso wie die
ritvik
-
Zeremonie nicht bedeutet, dass der
ritvik
oder Tempelpräsident der
diksa
-Guru
ist. Außerdem haben solche Schüler normalerweise die Erlaubnis von einer
Autorität erhalten, die physisch gegenwärtig war, einen
sad
-Guru akzeptieren
zu dürfen, der dies nicht war. Ähnlich würden neue Schüler Srila Prabhupadas,
sollte das
ritvik
-System wieder eingeführt werden, zuerst die Zustimmung des
Tempelpräsidenten und des
ritvik
erhalten, bevor sie eingeweiht werden.
d) Einweihungsform
Hier finden wir von der Norm abweichende Einweihungsformen, bei denen
einzigartige oder undenkbare Formen der
diksa
-Übermittlung stattfinden. Zum
Beispiel von Sri Krsna zu Brahma, oder durch Sri Caitanya, der in das Ohr eines
Buddhistenflüsterte.
Diksa
,diezwischenmehrerenPlanetenstattfindet,fälltwohl
auch in diese Kategorie. Dies ist der Fall, wenn Persönlichkeiten einen Schüler
einweihen oder ihm
diksa
übermitteln, während dieser sich auf einem anderen
Planeten befindet, zum Beispiel Manu an Iksavaki in
Bhagavad-gita
(4.1).
e) Systeme der Nachfolge
Diese Fälle beziehen sich auf abweichende Systeme der
acarya
-Nachfolge in-
nerhalb unserer
sampradaya
. Srila Bhaktivinoda nutzte beispielsweise ein Nach-
folgesystem, in welchem sein mächtiger Vaisnava Sohn zu seinem Nachfolger
wurde. Srila BhaktisiddanthasVorstellung war es, dass der nächste
acarya
durch
seine Qualifikationen hervortreten würde. Soweit wir das feststellen können, ließ
Srila Prabhupada ein System in Kraft, in welchem
rittik
Repräsentanten
des
Acarya
„fungieren“,
„um Einweihungen [...] durchzuführen“
,
wodurch
„neu eingeweihte Devotee Schüler von His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta
Die Letzte Anweisung
72
Swami Prabhupad werden“
.
Das jetzige vom GBC favorisierte System ist ein
System, bei dem eine Vielzahl an
acaryas
die Nachfolge antritt (
„M.A.S.S.“
).
Es ist klar, dass die Herangehensweise eines jeden
acaryas
einzigartig ist. Es ist
daher sinnlos, von einem
„regulären“
System zur Fortführung der
parampara
zu sprechen.
13. „Wenn wir das
ritvik
-System annehmen, was würde uns dann davon
abhalten, Einweihungen von einem beliebigen vorherigen
acarya
, wie zum
Beispiel Srila Bhaktisiddhanta anzunehmen?“
Zwei Dinge verhindern, dass dies eine zulässige Option sein könnte:
a)
Srila Bhaktisiddhanta und andere vorherige
acaryas
haben kein
ritvik
-
System autorisiert, das
„von nun an“
gültig sein sollte.
b)
Wir müssen uns an das
„derzeitige verbindende Glied“
wenden:
„Um die wahre Botschaft des
Srimad-Bhagavatam
zu empfangen,
sollte man das derzeitige verbindende Glied, den spirituellen Meister,
in der Schülernachfolge aufsuchen.“
(
S.B.
2.9.7, Erläuterung)
Es ist offensichtlich, dass Srila Prabhupada der
sampradaya acarya
ist, der
Srila Bhaktisiddhanta nachfolgte. Srila Prabhupada ist daher unser derzeitiges
verbindendesGliedunddamitdierichtigePerson,andiewirunsfürEinweihungen
wenden müssen.
14. „Um das derzeitige verbindende Glied zu sein, muss man physisch
gegenwärtig sein.“
Srila Prabhupada erwähnt die obige Vorschrift niemals.
Lassen Sie uns also überlegen: Kann ein spiritueller Meister die
„derzeitige“
Verbindung sein, wenn er physisch nicht gegenwärtig ist?
a)
Der Begriff
„derzeitiges verbindendes Glied“
wird nur in einer einzigen
Passage in allen Büchern Srila Prabhupadas verwendet. Dort gibt es keinen
Hinweis darauf, dass physische Gegenwart mit diesem Begriff verknüpft
ist. Wenn physische Gegenwart notwendig wäre, wäre dies mit Sicherheit
erwähnt worden.
b)
Die in Wörterbüchern angegebenen Definitionen des Wortes
„derzeitig“
(Engl:
„current“
) verweisen nicht auf physische Gegenwart.
c)
In Wörterbüchern angegebene Definitionen des Wortes
„current“
können
ohne Weiteres auf einen nicht physisch anwesenden spirituellen Meister
73
Sonstige zugehörige Einwände
und seine Bücher angewandt werden:
„most recent“
(am aktuellsten)
,„commonly known, practised or accepted“
(allgemein bekannt, praktiziert
oder akzeptiert),
„widespread“
(weit verbreitet),
„circulating and valid at
present“
(derzeit im Umlauf oder gültig) [Collins English Dictionary].
Soweit wir das beurteilen können, können alle obigen Definitionen auf Srila
Prabhupada und seine Bücher angewandt werden.
d)
Der eigentliche Zweck, sich an ein
„derzeitiges verbindendes Glied“
zu
wenden, kann voll und ganz durch die Lektüre von Srila Prabhupadas
Büchernerfüllt werden:
„Um die wahre Botschaft des
Srimad-Bhagavatam
zu empfangen,
sollte man das derzeitige verbindende Glied, den spirituellen Meister,
in der Schülernachfolge aufsuchen.“
(
S.B.
2.9.7, Erläuterung)
e)
Srila Prabhupada benutzte auch den Begriff
„unmittelbarer
acarya
(Engl.:
„immediate
acarya
) als Synonym für
„derzeitiges verbindendes Glied“
.
Das Wort
„immediate“
bedeutet:
„Without intervening medium“ („ohne vermittelndes Medium“), “closest or
most direct in effect or relationship“ („in seiner Auswirkung oder in seiner
Beziehung am nächsten oder direktesten“)
(Collins English Dictionary).
Diese Definitionen verleihen einer direkten Beziehung mit Srila Prabhupada
Gültigkeit und zwar ohne die Notwendigkeit von Vermittlern - ungeachtet der
physischen Gegenwart/Abwesenheit.
f)
Da es Beispiele dafür gibt, dass Schüler eingeweiht haben, während ihr Guru
sich noch auf dem Planeten befand, scheint es keine direkte Verbindung
zwischen dem Status des
„derzeitigen verbindenden Gliedes“
und der
physischen Gegenwart/Abwesenheit zu geben. Mit anderen Worten, wenn
es möglich ist, das nächste
„derzeitige verbindende Glied“
zu sein, selbst
wenn der eigene Guru noch physisch gegenwärtig, ist, warum sollte es dann
einem verschiedenen
acarya
nicht möglich sein, die derzeitige Verbindung
zu bleiben?
Schlussfolgernd sehen wir keine Belege, die darauf hindeuten, dass das
Hervortreten eines
„derzeitigen verbindenden Gliedes“
in Zusammenhang zu
dessen physischer Gegenwart oder Abwesenheit steht.
15. „SrilaPrabhupadasGottbrüderwurdennachSrilaBhaktisiddhantas
Verscheiden alle einweihende
acaryas
, was ist also falsch daran, wenn
Srila Prabhupadas Schüler das Gleiche tun?“
Indem sie sich als einweihende
acaryas
ausgaben, missachteten Srila
Bhaktisiddhantas Schüler direkt die letzte Anweisung ihres spirituellen
Die Letzte Anweisung
74
Meisters (einen GBC zu bilden und auf einen
acarya
zu warten, der durch
seine Qualifikationen hervortreten würde). Srila Prabhupada verurteilte seine
Gottbrüder stark für ihren Ungehorsam und beschrieb sie als für das Predigen
ungeeignet, von Einweihungen ganz zu schweigen:
„Unter meinen Gottbrüdern ist niemand dazu qualifiziert
acarya
zu
werden.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Rupanuga, 28.4.74)
„Allgemein wisst ihr sicherlich, dass er keine befreite Person ist, und
darum kann er niemanden in das Krsna-Bewusstsein einweihen.
Dies erfordert einen besonderen spirituellen Segen von höheren
Autoritäten.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Janardana, 26.4.68)
„Wenn jeder einfach einweiht, wird es widersprüchliche Ergebnisse
geben. Solange dies weitergeht, wird es nur Misserfolge geben.“
(Srila Prabhupada
Phalgun Krishnan Pancami
, Vers 23, 1961)
Wir können anhand jüngster Erfahrungen sehen, was für einen furchtbaren
SchadennureinedieserPersönlichkeitenanSrilaPrabhupadasMissionanrichten
kann. Wir schlagen vor, sowohl Respekt als auch eine größtmögliche Distanz zu
wahren. Mit Sicherheit können wir es uns nicht leisten, sie als Vorbilder dafür zu
verwenden, wie ein Schüler die Mission seines spirituellen Meisters fortführen
sollte. Sie haben die Mission ihres spirituellen Meisters zerstört und sind mehr
als fähig, der ISKCON das Gleiche anzutun, wenn wir sie gewähren ließen.
Was das Guru-System der Gaudiya Matha betrifft, so ist das vielleicht der
einzige historische Präzedenzfall, auf den das M.A.S.S. sich berufen kann:
d. h. auch dieses System wurde entgegen den deutlichen Anweisungen des
Gründer-
acarya
eingeführt
16. „Als Srila Prabhupada sagte, dass sie keine
acaryas
sein sollten,
meinte er
acarya
mit einem großen ‘A’. Das heißt ein
acarya
, der eine
Institution leitet.“
Wo unterscheidet Srila Prabhupada jemals zwischen einweihenden
acaryas
mit einem großen ‘A’ und einem kleinen ‘a’? Wo spricht er jemals von einer
speziellen Sorte einweihender
acaryas
, die Institutionen leiten können und gibt
an, dass es auch eine untergeordnete Sorte gibt, die dies aufgrund irgendwelcher
Unfähigkeiten nicht könne?
17. „Es ist allgemein bekannt, dass es drei Typen von
acaryas
gibt. Jeder
in der ISKCON akzeptiert dies.“
Doch diese Idee wurde niemals von Srila Prabhupada gelehrt, sie wurde von
75
Sonstige zugehörige Einwände
Pradyumna dasa in einem auf den 7.8.78 datierten Brief an Satsvarupa dasa
Goswami eingeführt. Dieser Brief wurde später in der Abhandlung
Under My
Order
(Ravindra Svarupa dasa, 1985) erneut abgedruckt und dort als einer
der Eckpfeiler für die Thesen zur Reform des Guru-Systems in der ISKCON
verwendet. Es ist wiederum die Abhandlung
On My Order Understood
(GBC,
1995), die die Grundlage der in
GII
vertretenen Einweihungsdoktrin bildet (wie
in der Einleitung erwähnt). Diese Abhandlung führte zur Umwandlung des in
Zonen eingeteilten
acarya
-Systems in das heutige M.A.S.S.:
„Ich habe diese Definition von
acarya
dem Brief vom 7. August
1978 von Pradyumna an Satsvarupa dasa Goswami entnommen.
Der Leser sollte sich jetzt eingehend mit diesem Brief (den ich im
Anhang eingefügt habe) auseinander setzen.“
(
Under My Order
, Ravindra Svarupa dasa, August 1985)
In seinem Brief erklärt Pradyumna, dass das Wort
acarya
auf drei verschiedene
Arten verstanden werden kann:
1.
Jemand, der das, was er predigt, auch lebt.
2.
Jemand, der einem Schüler die Einweihung erteilt.
3.
DerspirituelleFührereinerInstitution,dervomvorherigen
acarya
ausdrücklich
zu seinem Nachfolger erklärt wurde.
Wir akzeptieren Definition 1, da sie von Srila Prabhupada verwendet wurde.
Diese Definition würde automatisch auf jeden erfolgreichen Prediger zutreffen,
ganz gleich ob er ein
siksa
- oder
diksa
-Guru ist.
Betrachten wir nun Definition 2: Pradyumna, erklärt dass dieser
acarya
-Typus
Schüler einweiht und
acaryadeva
genannt werden kann, jedoch nur von seinen
Schülern:
„Jeder, der Einweihungen durchführt oder ein Guru ist, kann nur
von seinen Schülern als „
acaryadeva
“ o.ä. bezeichnet werden. Alle,
die ihn als Guru akzeptiert haben, müssen ihm in jederlei Hinsicht
Respekt erweisen, doch dies gilt nicht fürjene, die nicht seine Schüler
sind.“
(Pradyumna dasa 7.8.78)
Dies ist eine Erfindung.
Nirgendwo beschreibt Srila Prabhupada jemals einen
einweihendenGuru,dessenabsoluteNaturvonseinenSchülernanerkanntwerden
muss, nicht aber von der restlichenWelt und nicht einmal von anderenVaisnavas
in der gleichen Linie. Wir werden nun betrachten, wie Srila Prabhupada das Wort
acaryadeva
definiert. Es folgen Auszüge aus Srila Prabhupadas
Vyasa-Puja
Opferung, die in
The Science of Self Realisation
(
SSR
), Kapitel 2 abgedruckt
ist, in welchem er die Begriffe in Bezug auf seinen eigenen spirituellen Meister,
Srila Bhaktisiddhanta, verwendet:
„Derguru oder
acaryadeva
, wie wiraus den heiligen Schriften lernen,
Die Letzte Anweisung
76
vermittelt die Botschaft der absoluten Welt...“
„...wenn wir von dem fundamentalen Prinzip des
gurudeva
oder
acaryadeva
sprechen, sprechen wir von etwas mit universaler
Gültigkeit.“
„Der
acaryadeva
zu dessen Ehren wir uns heute Abend versammelt
haben ist kein guru einer sektiererischen Institution oder einer von
vielen unterschiedlichen Vertretern der Wahrheit. Im Gegenteil, er
ist der
jagad
-guru bzw. unser aller guru...“
(Srila Prabhupada,
SSR
, Kapitel 2).
Srila Prabhupadas Gebrauch und Definition des Wortes
acaryadeva
stehen im
völligen Gegensatz zu der Erklärung Pradyumnas. In Pradyumnas Ausführung
wird angedeutet, dass der Begriff
acaryadeva
auf Persönlichkeiten bezogen
werden kann, die sich nicht wirklich auf der höchsten Ebene der Verwirklichung
befinden. Dadurch relativiert er die absolute Position des
diksa
-Gurus.
Der Begriff
„acaryadeva“
kann nur angewandt werden, wenn jemand faktisch
„unser aller Guru“
ist. Jemand, der von der ganzen Welt verehrt werden sollte,
denn man kann:
„...ihn als eine direkte Manifestation des Herrn und einen echten
Stellvertreter Sri Nityananda Prabhus erkennen. Einen solchen
spirituellen Meister kennt man als
acarya-deva
.“
(
C.C. Adi
, 1.46)
In Definition 3 erklärt Pradyumna, dass das Wort
acarya
auf das Oberhaupt einer
Institution hinweist, und dass diese Bedeutung sehr spezifisch ist:
„Damit ist nicht irgendjemand gemeint. Es bezieht sich nur auf
jemanden, der vom vorherigen
acarya
explizit zum Nachfolger als
Oberhaupt der spirituellen Institution, die
der acarya
leitet, erklärt
wurde. [...] Dies ist die strikte Tradition der gesamten
Gaudiya
Sampradaya
.“
(Pradyumnas Brief an Satsvarupa dasa Goswami, 7.8.78)
Zweifellos stimmen wir zu, dass man, um Einweihungen erteilen zu können,
zunächst vom vorangegangenen
acarya
dazu autorisiert sein muss (ein Punkt,
der in der ausführlichen Erklärung der Definiton 2 noch nicht einmal erwähnt
wird):
„Man soll von einem echten spirituellen Meister, der der
Schülernachfolge angehört und der von seinem vorangegangenen
spirituellen Meister autorisiert worden ist, die Einweihung
empfangen.“
(
S.B.
4.8.54, Erläuterung)
Was dies jedoch mit der Nachfolge als
„Oberhaupt der spirituellen Institution“
zu tun hat, ist vollkommen unverständlich, da Srila Prabhupada der
acarya
einer,
77
Sonstige zugehörige Einwände
von der seines Guru Maharajas seperaten, Institution ist. Gemäß Pradyumnas
Philosophie könnte Srila Prabhupada also nur ein
acarya
gemäß Definition
2 sein. Auf welche
„strikte Tradition“
Pradyumna sich auch immer beziehen
mag, diese wurde mit Sicherheit niemals von Srila Prabhupada erwähnt und
somit können wir sie getrost verwerfen. Weiter unten sehen wir, woher genau
Pradyumnnas tückische Ideen stammen:
„Bei den verschiedenen Gaudiya Mathas ist es in der Tat so, dass
selbst wenn ein Gottbrudersich in derPosition des
acarya
befindet, er
normalerweise aus Demut nureinen dünnen Stoff-asana trägt, nichts
Höheres.“
(Pradyumnas Brief an Satsvarupa dasa Goswami, 7.8.78)
Keine von Srila Prabhupadas Gottbrüdern waren autorisierte
acaryas
. Man
möchte meinen, wahre Demut würde sich darin äußern, dass jemand seine
unautorisierte Aktivität, worin auch immer sie bestehen mag, aufgibt, Srila
Prabhupadas vorherrschende Stellung anerkennt und sich dann dem wahren
Jagad
-Guru ergibt. Leider haben nur wenige Mitglieder der Gaudiya Matha
dies jemals getan. Die Tatsache, dass Pradyumna diese Persönlichkeiten als
wahre Beispiele nennt, bedeutet, dass er die Stellung des wahren
acaryadeva
einmal mehr verunglimpft:
„Was Bhakti Puri, Tirtha Maharaja, betrifft, so sind sie meine
Gottbrüder und ihnen sollte Respekt gezollt werden. Doch man
sollte mit ihnen keine enge Verbindung eingehen, da sie gegen die
Anweisung meines Gurus Maharajas verstoßen haben.“
(Srila Prabhupada in einem Brief an Pradyumna, 17.2.68)
Es ist eine Schande, dass Pradyumna Prabhu diese direkte Anweisung seines
GuruMaharajasignorierteundziemlichbemerkenswert,dassseineabweichenden
Ansichten die jetzige Guru-
„siddhanta“
der ISKCON prägten.
Wenn Srila Prabhupada sagte, dass keine seiner Gottbrüder dazu qualifiziert
wären,
acarya
zu werden, ist es irrelevant, ob er
acarya
nach Definition 1 oder
3 meinte.
Wenn sie für Definition 1 nicht qualifiziert waren, bedeutete dies, dass sie nicht
durch ihr eigenes Beispiel lehrten, was sie wiederum automatisch von Definition
3 disqualifizieren würde und damit von Einweihungen insgesamt. Und wenn
sie nicht gemäß Definition 3 qualifiziert waren, bedeutet dies, sie haben keine
Autorisierung erhalten. Daraus können wir einmal mehr schließen, dass sie nicht
dazu befugt waren, Einweihungen durchzuführen.
Schlussfolgerung
a)
Alle Prediger sollten danach streben, ein
acarya
gemäß Definition 1 bzw.
siksa
-Guru zu werden.